Inhalt des Dokuments
zur Navigation
Allgemeine Linguistik
Der Studiengang Allgemeine Linguistik (Magister) wird für Studienanfängerinnen und -anfänger nicht mehr angeboten, eine Zulassung zum 1. Fachsemester war letztmalig im Wintersemester 2004/05 möglich. Eine Bewerbung bzw. Einschreibung ist daher nur noch für höhere Fachsemester möglich und setzt entsprechende Studienleistungen voraus. Nähere Informationen sind beim Immatrikulationsbüro (IA 2) bzw. International Admissions Check-In (IA 1) erhältlich.
1. Was ist Allgemeine Linguistik?
Die Allgemeine Linguistik untersucht Sprache im Allgemeinen und historisch existierende Sprachen im Besonderen. Man unterscheidet Allgemeine Linguistik von den sprachspezifischen Linguistiken des Deutschen (Germanistische Linguistik), des Englischen (Anglistische Linguistik), des Französischen und anderer romanischer Sprachen (Romanistische Linguistik).
Die linguistischen Fächer haben viele Fragestellungen und Methoden gemeinsam. Die Vielschichtigkeit des Gegenstands Sprache hat in jedem linguistischen Fach zur Herausbildung von Teildisziplinen geführt. Bei einigen steht die Struktur im Vordergrund: Der Aufbau von Sprachen wird systematisch beschrieben (deskriptive Linguistik), mit dem anderer Sprachen verglichen (Sprachtypologie) oder in seiner geschichtlichen Entwicklung nachgezeichnet (historische Sprachwissenschaft). Dabei wird zwischen verschiedenen Beschreibungsebenen der Sprache unterschieden: Phonetik und Phonologie befassen sich mit der Lautstruktur, die Morphologie untersucht die Wortstruktur, die Syntax den Satzbau, die Semantik die Wort- und Satzbedeutungen, die Pragmatik die Verwendungsbedingungen von Sprache.
Die Bedeutung des Computers in der Linguistik wächst, wobei für viele Linguist(inn)en die Erstellung und Bearbeitung großer Datenmengen ("Sprachkorpora") im Vordergrund steht, man spricht dabei von "Korpuslinguistik".
Andere Teildisziplinen untersuchen Sprache in ihrer Verflechtung mit sozialen, psychischen oder biologischen Faktoren; die Soziolinguistik beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Sprache und Gesellschaft, die Psycholinguistik mit den geistigen Prozessen, die beim Sprechen und Verstehen sowie beim Erwerb und Verlust einer Sprache ablaufen. Die Neurolinguistik untersucht die biologische Basis der Sprache im Gehirn und Sprachstörungen.
Sprachen und Sprachverwendung können auch als besondere Arten von Zeichen und Zeichengebrauch betrachtet werden. Der Zusammenhang mit anderen Zeichensystemen wird untersucht, das ist wichtig, wenn man an das Zusammenwirken verbaler und nonverbaler Äußerungen denkt, etwa Gestik und Mimik beim mündlichen Sprachgebrauch. Aber auch die Schrift als Medium der Sprache beeinflusst die Verwendung von Sprache. Besondere Aufschlüsse über Struktur und Funktion von Sprache erhält man, wenn man sie mit anderen Zeichensystemen vergleicht wie denen der Musik, des Films, der Malerei und der Architektur, oder wenn man Zeichennormierungen einbezieht wie etwa die der Verkehrszeichen; diese Fragen werden von der Semiotik behandelt.
Im System der Wissenschaften gelten die linguistischen Fächer traditionell als Geisteswissenschaften. Sie haben sich historisch zusammen mit den Literaturwissenschaften im Rahmen der Philologien entwickelt. Mit einigen Fragestellungen und Methoden reichen die linguistischen Fächer aber auch in andere Wissenschaftsbereiche hinein. Bei der formalen Linguistik, in der die Struktur von Sprachen mit den Mitteln von Logik und Mathematik beschrieben wird, besteht eine Nähe zu den Naturwissenschaften; dies gilt auch für den Einsatz von Computern. Sozio- und Psycholinguistik sind dagegen eng mit den Sozialwissenschaften verbunden.
2. Tätigkeiten und Berufsmöglichkeiten
Es gibt außerhalb der Hochschulen keine etablierten Berufsfelder, in denen eine größere Anzahl von Linguist(inn)en tätig ist. Arbeitsmöglichkeiten, die in verschiedenen Bereichen bestehen, setzen in der Regel bestimmte Schwerpunkte und Fächerkombinationen voraus. Beschäftigungsmöglichkeiten sind u.a. in folgenden Bereichen zu finden:
Bei einer geisteswissenschaftlichen Orientierung besteht die Möglichkeit - entsprechende Praktika vorausgesetzt -, in Fachverlagen und verwandten Institutionen, z.B. im lexikographischen Bereich, zu arbeiten.
Bei einer sozialwissenschaftlich-pädagogischen Ausrichtung kommt unter bestimmten Umständen und nach Zusatzausbildung eine Tätigkeit als Sprachlehrer/in in der Erwachsenenbildung (z. B. für Deutsch als Fremdsprache) oder als Sprachtherapeut/in (u.a. in Kliniken für Sprachgestörte) in Frage. Die Ausbildung zur Logopädin bzw. zum Logopäden erfordert jedoch kein Hochschulstudium, für dieses Berufsbild existieren eigene Ausbildungsgänge.
Beim Schwerpunkt in formaler Linguistik könnten sich in der industriellen und industrienahen Forschung vereinzelt Arbeitsmöglichkeiten im Bereich der linguistischen Datenverarbeitung ergeben, z.B. bei der automatischen Übersetzung, Dokumentation und Informationsverarbeitung oder der automatischen Spracherkennung.
Daneben kommen für Linguist(inn)en wie für Absolvent(inn)en anderer geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge auch Tätigkeiten in den Bereichen Medien/Öffentlichkeitsarbeit oder im Bibliothekswesen in Frage; dazu sind entsprechende Praktika bzw. Zusatzausbildungen erforderlich.
Weitere Informationen erhalten Sie bei der Berufsberatung für Abiturienten und Hochschüler der Arbeitsämter.
3. Magisterteilstudiengang Allgemeine Linguistik an der TU Berlin
Linguistik kann in einem Magisterstudiengang als Hauptfach oder als Nebenfach studiert werden. Als Hauptfach kann es nicht mit Germanistischer, Anglistischer oder Romanistischer Linguistik als zweitem Hauptfach kombiniert werden. Bei einer Kombination von Allgemeiner Linguistik mit dem Fach Deutsch als Fremdsprache muss der Schwerpunkt des Studiums im Fach Deutsch als Fremdsprache außerhalb der Linguistik liegen.
Grundstudium
Das Grundstudium der Allgemeinen Linguistik soll einen Überblick über die wichtigen Fragestellungen, Theorien und Methoden des Fachs vermitteln.
Studienfachberatung
Das Grundstudium beginnt mit einer obligatorischen Studienfachberatung. Die Teilnahme an dieser Studienfachberatung wird durch eine Bescheinigung bestätigt, die bei der Anmeldung zur Zwischenprüfung vorgelegt werden muss.
Sprachkenntnisse
Bis zum Ende des Grundstudiums, d.h. spätestens bei der Anmeldung zur Zwischenprüfung müssen Sprachkenntnisse in Englisch und einer zweiten Fremdsprache nachgewiesen werden. Nachweise von Sprachkenntnissen in den Fremdsprachen erfolgen durch das Abiturzeugnis, durch Schulzeugnisse (erfolgreicher kontinuierlicher Spracherwerb über mindestens vier Jahre hinweg) oder durch geeignete außerschulische Sprachkurse und Sprachprüfungen. Nachweise von Sprachkenntnissen in Latein (als zweiter Fremdsprache) werden durch den Nachweis des Latinums, durch Schulzeugnisse (erfolgreicher Spracherwerb über mindestens drei Jahre hinweg) oder durch einen zweisemestrigen Universitätskurs (jeweils 4 SWS) mit Abschlussprüfung erbracht. Zu Beginn des Studiums sind die bereits vorhandenen Sprachnachweise, die nicht auf dem Abiturzeugnis vermerkt sind, beim Vorsitzenden des Prüfungsausschusses zur Anerkennung vorzulegen.
Studienanforderungen
Das Grundstudium umfasst 40 Semesterwochenstunden (SWS) obligatorische Veranstaltungen, wenn Allgemeine Linguistik als Hauptfach, und 26 Semesterwochenstunden (SWS), wenn das Fach als Nebenfach gewählt wird. 1 SWS ist eine Stunde Unterricht pro Woche ein Semester lang. Die Veranstaltungen des Grundstudiums werden in der Regel zweistündig durchgeführt. Einige Proseminare (siehe Block A) werden durch Tutorien ergänzt. Das Lehrangebot in Allgemeiner Linguistik umfasst auch Veranstaltungen zum Erwerb bzw. zur Verbesserung von Computerkenntnissen, deren Besuch im Rahmen der Wahlpflicht- bzw. Wahlveranstaltungen ausdrücklich empfohlen wird.
Hauptstudium
Im Hauptstudium sollen die linguistischen Kenntnisse erweitert und vertieft und Schwerpunkte gesetzt werden. Mögliche Schwerpunkte sind deskriptive Linguistik, formale Linguistik, historische Linguistik, Psycholinguistik, Textlinguistik und Semiotik.
Studienfachberatung
Das Hauptstudium beginnt mit einer obligatorischen Studienfachberatung. Die Bescheinigung darüber ist bei der Anmeldung zum Examen vorzulegen.
Studienanforderungen
Das gesamte Hauptstudium umfasst 40 Semesterwochenstunden (SWS) obligatorische Lehrveranstaltungen, wenn Allgemeine Linguistik als Hauptfach, und 14 Semesterwochenstunden (SWS), wenn dieses Fach als Nebenfach studiert wird (1 SWS = eine Lehrveranstaltungsstunde pro Woche ein Semester lang). Alle Lehrveranstaltungen des Hauptstudiums sind zweistündig.
4. Allgemeine Linguistik als Hauptfach
Hauptfach (Grundstudium)
| Studienbereiche Lehrveranstaltung | LV | SWS | ||
|---|---|---|---|---|
| Einführung in das Studium der Linguistik1 (Teilnahmeschein) | VL/UE | 2 | ||
| Block A (Ebenen der Sprachbeschreibung)1,2 | ||||
| Einführung in die Lautlehre | PS, UE | 2 | ||
| Einführung in die Morphologie | PS | 2 | ||
| Einführung in die Syntax | PS | 2 | ||
| Einführung in die Semantik | PS | 2 | ||
| Einführung in die Pragmatik | PS | 2 | ||
| Block B (Grundlagen und Geschichte der Linguistik) | ||||
| Formale Grundlagen (Testat3/Teilnahmeschein4) | VL, UE | 2 | ||
| Logik (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Wissenschaftstheorie (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Geschichte der Linguistik (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Block C (Fragestellungen der Linguistik)1,2 | ||||
| Sprachgeschichte/Dialektologie/Sprachtypologie | PS | 2 | ||
| Psycholinguistik/Soziolinguistik | PS | 2 | ||
| Textlinguistik | PS | 2 | ||
| Block D (Sprachpraxis) | ||||
| 2 Veranstaltungen zur Grammatik von Nicht-Schulsprachen | PS, UE | 4 | ||
| 5 Veranstaltungen aus dem Studiengang Linguistik oder sprachpraktische Veranstaltungen oder Veranstaltungen aus den anderen linguistischen Fächern oder weiteren benachbarten Fachgebieten, soweit es sich nicht um die gewählten Haupt- oder Nebenfächer handelt. | VL, PS, UE | 10 | ||
LV = Lehrveranstaltung,
SWS = Semesterwochenstunden,
VL = Vorlesung,
UE = Übung,
PS = Proseminar
1 Der Einführungskurs in die Linguistik und die Veranstaltungen zu Block A sind in der Regel in den ersten zwei Semestern zu besuchen.
2 Voraussetzung für einen Leistungsnachweis ist die regelmäßige Teilnahme und das Anfertigen einer größeren mündlichen und/oder schriftlichen Arbeit.
3 Die Teilnahme an einer Vorlesung wird durch die (einmalige) Unterschrift des Dozenten bzw. der Dozentin (Testat) im Studienbuch nachgewiesen.
4 Voraussetzung für einen Teilnahmeschein ist die regelmäßige Teilnahme unter Einschluss kleinerer mündlicher oder schriftlicher Arbeiten oder einer Klausur. In vier der unter Block A oder Block C genannten Proseminare sind Leistungsnachweise, für alle übrigen Teilnahmescheine zu erbringen.
Allgemeine Linguistik als Nebenfach
Nebenfach (Grundstudium)
| Studienbereiche Lehrveranstaltung | LV | SWS | ||
|---|---|---|---|---|
| Einführung in das Studium der Linguistik (Teilnahmeschein) | VL/UE | 2 | ||
| Block A (Ebenen der Sprachbeschreibung)1 | ||||
| Einführung in die Lautlehre | PS, UE | 2 | ||
| Einführung in die Morphologie | PS | 2 | ||
| Einführung in die Syntax | PS | 2 | ||
| Einführung in die Semantik | PS | 2 | ||
| Einführung in die Pragmatik | PS | 2 | ||
| Block B (Grundlagen und Geschichte der Linguistik) | ||||
| Formale Grundlagen (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Logik (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Wissenschaftstheorie (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Geschichte der Linguistik (Testat/Teilnahmeschein) | VL, UE | 2 | ||
| Block C (Fragestellungen der Linguistik)1 | ||||
| Sprachgeschichte/Dialektologie/Sprachtypologie | PS | 2 | ||
| Psycholinguistik/Soziolinguistik | PS | 2 | ||
| Textlinguistik | PS | 2 | ||
LV = Lehrveranstaltung,
SWS = Semesterwochenstunden,
VL = Vorlesung,UE = Übung,
PS = Proseminar
In zwei der unter Block A oder Block C aufgeführten Proseminare sind Leistungsnachweise, für alle übrigen Teilnahmescheine zu erbringen.