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TU Berlin

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Wer ist schuld an der Konfusion von Denotation und Bedeutung? Versuch einer Spurensicherung

Umberto Eco, Universität Bologna

Summary. Signs have a meaning and refer to objects. Sign relations such as these are often characterized with the term "denotation". However the relationship of denotation to connotation, to intension and extension, to content from and content substance, to sense and reference, and to designation and significance is controversial. The article traces the reasons for the present terminological confusion back to Plato and Aristotle. It is shown in which way the relation between sign and object, which Aristotle had regarded as secondary - compared to the relation between sign and concept (or passion of the soul) and between concept and object - was gradually turned into the primary sign relation. This change of paradigm was prepared in the commentaries to Aristotle’s "Peri hermeneias" by Boethius, Anselm of Canterbury, Abaelard, Thomas Aquinas, Petrus Hispanus and William of Sherwood. It was carried through in the theories of supposition of Roger Bacon, Duns Scotus and Ockham. Hobbes and John Stuart Mill drew the terminological c onsequences which pattern semiotic discussions of today.

Zusammenfassung. Zeichen haben eine Bedeutung und verweisen auf Gegenstände. Zur Charakterisierung dieser und anderer Zeichenrelationen wird oft der Ausdruck "Denotation" gebraucht. Das Verhältnis von Denotation zu Konnotation, zu Intension und Extension, zu Inhaltsform und Inhaltssubstanz, zu Sinn und Bedeutung, zu Designation und Signifikation ist jedoch umstritten. Der Aufsatz verfolgt die Gründe für die gegenwärtige terminologische Verwirrung bis zu Platon und Aristoteles zurück. Er zeigt, auf welche Weise sich die Beziehung zwischen Zeichen und Ding, die bei Aristoteles gegenüber den Beziehungen zwischen  Zeichen und Seelenregung und zwischen Seelenregung und Ding sekundär war, zur primären Zeichenrelation entwickelt hat. Dieser Paradigmenwechsel wurde durch die Aristoteleskommentare von Boethius, Anselm von Canterbury, Abaelard, Thomas von Aquin, Petrus Hispanus und Wilhelm von Sherwood vorbereitet und kam in den Suppositionstheorien von Roger Bacon, Duns Scotus und Ockham zum Durchbruch. Hobbes und John Stuart Mill haben die teminologischen Konsequenzen gezogen, die die heutige Diskussion prägen.

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Ist Augustinus fromm oder Frömmigkeit augustinisch? Gegenstand und Eigenschaft in den Prädikationstheorien von Aristoteles, Leibniz und Frege

Klaus Robering, Technische Universität Berlin

Summary. The essay presents and compares the approaches of Aristotle, Leibniz and Frege to the semantic structure of simple predications and of "syllogistic propositions". The three approaches differ not only in the semantic relations assumed but also in the entities which are said to be associated with the signs by these relations. What according to one theory may be a "mistake of analysis" or even "nonsense" may induce important conceptual developments within another framework. Two theories which are incompatible with each other may each be coherent in themselves and successful in their treatment of the shared data. With regard to "comparative" philosophy of science and history of science, this fact implies that there is no point in comparing isolated concepts, whereas it is rewarding to consider "theories as wholes".

Zusammenfassung. Der Aufsatz präsentiert und vergleicht die Ansätze von Aristoteles, Leibniz und Frege zur Analyse der semantischen Struktur einfacher Prädikationen und "syllogistischer Aussagen". Es bestehen Unterschiede in der Konzeption sowohl der semantischen Relationen als auch der Einheiten, die durch diese Relationen mit den Zeichen verbunden werden. Was vom Standpunkt der einen Theorie als "Analysefehler" oder gar "Unsinn" erscheint, kann in einem anderen Rahmen wichtige konzeptuelle Entwicklungen auslösen. Theorien können miteinander unversträglich sein, doch sich hinsichtlich gemeinsamer Daten gleichermaßen als funktionsfähig erweisen. Daraus ergibt sich für die vergleichende Wissenschaftstheorie und die Wissenschaftsgeschichte, daß nicht der Vergleich einzelner Begriffe, sondern nur der ganzer Theorien lohnend ist.

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Vom Zeichen des Wesens zum Wesen des Zeichens: Husserls und Heideggers semiotische Philosophie

Adelhard Scheffczyk, Universität Osnabrück

Summary. Although neither Husserl nor Heidegger’s philosophy is centered around the concept of the sign, their positions and the differences between them are clearly shown by their treatment of this subject. Beginning with an analysis of signs, Husserl’s "Logische Untersuchungen" eventually shows that knowledge can well do without them, the essential criterion of knowledge being intuitive evidence. Heidegger, on the other hand, studies our involvement in sign processes rather than pure consciousness. In short, Husserl considers the logical aspects of knowledge as central and the semiotic ones as derived, whereas Heidegger neglects the logical aspects and lays stress upon (and in fact exaggerates) the semiotic ones.

Zusammenfassung. Obgleich das Zeichen weder bei Husserl noch bei Heidegger im Mittelpunkt ihrer Philosophie steht, ist seine Behandlung doch eine Art Prüfstein, durch den die jeweiligen philosophischen Intentionen klar zutage treten. Husserls "Logische Untersuchungen" beginnnen mit Erörterungen von Zeichen und enden der Sache nach mit dem Erweis ihrer Unwesentlichkeit, da das wesentliche Kriterium der Erkenntnis die intuitive Evidenz der Bewußtseinsgegebenheiten ist. Heidegger dagegen betont den Primat der Verweisungs- und Zeichenrelationen vor dem reinen Bewußtsein. Pointiert formuliert: Husserl betont das Logische und vernachlässigt das Semiotische, Heidegger hebt das Semiotische unter Vernachlässigung des Logischen hervor.

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Arnold Gehlens anthropologische Ansicht des Symbols

Rainer Habermeier, Hitotsubashi-Universität, Japan

Summary. Having introduced the reader into the four phases in Gehlen’s work, the author presents Gehlen’s philosophy of signs in contrast with corresponding approaches by Hegel, Schleier, Cassirer, Bühler, and Plessner. While animals react to signals and are thus tied to the signalised world, man creates symbols and manipulates symbols instead of objects. This puts man in a position to control the abundance of impulses, the wealth of stimuli, and the pressure to make decisions in a given solution. Gehlen’s hierarchy of types of symbol-mediated control (including sensomotoric behavior, experience, action, imagination, language, myth, and scientific knowledge) is outlined and critically discussed.

Zusammenfassung. Nach einer Einführung in die vier Phasen des Gehlenschen Lebenswerk wird seine Philosophie der Zeichen in Gegenüberstellung mit entsprechenden Ansätzen von Hegel, Schleier, Cassirer, Bühler und Plessner dargestellt. Während Tiere Signalen folgen, die eng mit der signalisierten Welt verbunden sind, schafft sich der Mensch Symbole, die ihn vom Zwang zum sofortigen Handeln befreien. Das Subjekt entäußert sich im Symbol und manipuliert es stellvertretend für die Objekte. Der Mensch entlastet sich vom Überschuß seiner Antriebe, von der Fülle der Reize und dem Druck zur Entscheidung in gegebenen Situationen. Die Gehlensche Hierarchie symbolvermittelter Entlastungsfunktionen von der Sensomotorik über Erfahrung, Handlung, Imagination bis zu Sprache, Mythos und wissenschaftlicher Erkenntnis wird abschließend kritisch diskutiert.

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