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TU Berlin

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Die Inszenierung zwischen Text und Aufführung

Patrice Pavis, Universität Paris VIII

Summary. The paper outlines the foundations of a theory of staging which might overcome the sterile opposition between the aesthetics of production and reception. Staging is to be distinguished both from the fixed written drama text and from the empirically given material performance; it results in a structure which forms when the spectator brings into relation all the systems of signifiers presented in a play. This structure originates in concretizing, fictionalizing, and ideologizing activities that take place in the social context of the audience involved. It presupposes a shared situation of theatrical enunciation which makes the interaction of systems of verbal and nonverbal signifiers possible.

Zusammenfassung. Es werden die Grundlagen für eine Theorie der Inszenierung besprochen, die die sterile traditionalle Opposition zwischen Produktions- und Rezeptionsästhetik zu überwinden verspricht. Die Inszenierung wird als Struktur verstanden, die sich vom schriftlich fixierten Dramentext und von der empirisch gegebenen materiellen Aufführung gleichermaßen unterscheidet und die erst beim Zuschauen durch die Inbezugssetzung aller präsentierter Signifikantensysteme miteinander entsteht. Sie beruht auf der Konkretisierung, Fiktionalisierung und Ideologisierung des Textes im sozialen Kontext des jeweiligen Theaterpublikums. Ihren Rahmen bildet die von allen Beteiligten gemeinsam geschaffene Verlautbarungssituation, die die verbalen und nonverbalen Signifikantensysteme in Wechselwirkung miteinander bringt.

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Die Inszenierung: Probleme ihrer Analyse

Hands-Thies Lehmann, Universität Frankfurt

Summary. If staging is the object of theater studies, the semiotics of theater must reflect the stage text an an aesthetic object sui generis. Ist analysis must reveal the ambivalenta esthetic processes of meaning production on the stage and explicate the multiplicity of potential relations among the diverse sign matter, including its specific rhythms and its intrinsic ambiguity. The theatrical event has to be studied as a whole, so that differences in the conception of theater can be adequately considered as shifts in emphasis on the factors involved. This approach is exemplified by the analysis of three staging types: The metaphoric staging of Kleist’s "Käthchen von Heilbronn" by Jürgen Flimm (1979), the scenographic staging of the smiling sequence in Robert Wilson’s "CIVIL warS" (1984), and the presentation of the theatrical situation in the production of the Viennese theater troupe Angelus Novus (1986).

Zusammenfassung. Wenn der Untersuchungsgegenstand der Theaterwissenschaft die Inszenierung its, sollte die Theatersemiotik den Inszenierungstext als eigenständiges Kunstobjekt reflektieren. Die Analyse der Inszenierung muß die ambivalenten ästhetischen Prozesse der Bedeutungserzeugung aufdecken sowie die vielfältigen Möglichkeiten zur gegenseitigen Inbezugsetzung des Zeichenmaterials nachzeichnen und dabei gerade auch seine besonderen Rhytmen und Unentscheidbarkeiten bewußt machen. Immer ist das Theaterereignis als Ganzes einzubeziehen, so daß die verschiedenen Theaterkonzeptionen als unterschiedliche Akzentsetzungen in der Struktur des Theaterereignisses beschreibbar werden. Als Beispiel für diesen Ansatz werden analysiert: die metaphorische Inszenierung von Kleists "Käthchen von Heilbronn" durch Jürgen Flimm (1979), die szenographische Inszenierung der Lachsequenz in Robert Wilsons "CIVIL warS" (1984) und die Inszenierung des Theaters als spezifischer Situation in der Arbeit der Wiener Truppe Angelus Novus (1986).

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Den Zuschauer verstehen: Für eine Soziosemiotik der Theaterrezeption

Marco de Marinis, Universität Bologna

Summary. In order to guarantee adequate results in the analysis of theater reception, the sociosemiotics of the theater must avoid a number of pitfalls: (a) artificial synthesizing of a homogeneous audience (b) uncritical application of merely quantitative sociographic procedures, as well as (c) nihilistic preoccupation with arbitrary niceties in the manner of deconstruction. The present essay postulates that the socio-semiotics of the theater has the task of understanding the spectator, and develops operationalizable theoretical concepts facilitating empirical spectator research which focuses on the spectator’s acts of reception including their preconditions and results. Reception is not regarded as a one-sided process but rather as resulting from an interaction between stage and spectator. Apart from socio-economic, psychological, and biological parameters, cultural factors have to be taken into account, such as the spectator’s general experience, his knowledge of detail, his expectations and his spatial position in the theater. This is the theoretical framework that provided the basis for two research projects carried out by the author at the Metastasio Theater in Prato, the available results of which are presented and discussed.

Zusammenfassung. Um eine angemessene Erforschung der Rezeption von Theaterveranstaltungen zu gewährleisten, hat die Soziosemiotik des Theaters eine Reihe von Fehlern zu vermeiden: (a) die künstliche Synthetisierung eines homogenen "Theaterpublikums", (b) die unkritische Anwendung bloß quantitativer soziographischer Verfahren und (c) das nihilistische Abdriften in schöne Beliebigkeiten nach dekonstruktionistischer Manier. Der vorliegende Aufsatz stellt der Soziosemiotik des Theaters die Aufgabe, den Zuschauer zu verstehen, und entwickelt ein operationalisierbares theoretisches Instrumentarium, das eine empirische Zuschauerforschung ermögicht. Im Mittelpunkt stehen die Rezeptionsakte der Zuschauer mitsamt ihren Vorbedingungen und Ergebnissen. Rezeption wird nicht als einseitiger Prozeß, sondern als Interaktion von Produktions- und Rezeptionsstrategien analysiert, in der neben sozio-ökonomischen, psychologischen und biologischen Parametern auch kulturelle Faktoren zu berücksichtigen sind: das Allgemeinwissen, die Detailkenntnis, die Erwartungshaltung und die von der Theaterarchitektur mitbestimmte physische Position des Zuschauers im Theater. Dieser theoretische Rahmen lag zwei empirischen Forschungsprojekten zugrunde, die der Verfasser am Theater Metastasio in Prato durchgeführt hat. Ihre bisherigen Ergebnisse werden zusammenfassend dargestellt.

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Wandel theatralischer Kodes: Zur Semiotik der interkulturellen Inszenierung

Erika Fischer-Lichte, Universität Bayreuth

Summary. Discussing examples from European, Chinese, and Japanese theaters, this study in comparative theater research provides elements for a theory of code change, which is based on historically attested principles of cultural change. In intercultural theater production, the dialectic of code and message facilitates a creative reception of foreign traditions giving rise to changes in the underlying theatrical code, which may either lead to its expansion, its dissolution or result in the formation of an entirely new code.

Zusammenfassung. Ausgehend von einer vergleichenden Theaterforschung, die Beispiele aus dem europäischen, chinesischen und japanischen Theater heranzieht, und von kulturgeschichtlich belegten Prinzipien des Wandels liefert diese Untersuchung Bausteine zu einer Theorie des theatralischen Kodewandels. In den untersuchten interkulturellen Inszenierungen bewirkt die Dialektik von Kode und Botschaft aufgrund der produktiven Rezeption von Elementen aus fremden Theatertraditionen Veränderungen des zugrunde liegenden theatralischen Kodes, die als Erweiterung und Auflösung des Kodes oder als Konstitution eines neuen zu klassifizieren sind.

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