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TU Berlin

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Geschichte und Bedeutung des Friedhofs im Abendland

Silvia Koch, Universität Osnabrück

Summary. This article introduces the reader to the theme of the present issue. The author defines the cemetery as an enclosed area designed for the interring of the dead, describes the development of the cemetery from the churchyard, and presents the sign system underlying the urban cemeteries of the 19th and 20th centuries. The grave is identified as the basic functional unit, and the structure of the cemetery is analyzed semantically as a means of social evaluation. This approach, which is complementary to that of art history and socio-economic analysis, brings to the for a number of problems which are then discussed.

Zusammenfassung. Der Aufsatz führt das Thema des vorliegend Heftes ein, indem er den Friedhof als abgegrenztes Areal zur Bestattung von Toten definiert, seine Entwicklung aus dem Kirchhof beschreibt und das Zeichensystem der städtischen Friedhöfe des 19. und 20. Jahrhunderts darstellt. Das Grab wird als funktionale Grundeinheit des Friedhofs identifiziert und die Struktur des Friedhofs semantisch als Mittel sozialer Wertung analysiert. Diese dem kunsthistorischen und sozioökonomischen Ansatz komplementäre Methode macht eine Reihe von Problemen sichtbar, die abschließend erörtert werden.

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Friedhöfe als kulturelle Texte

Werner Enninger und Christa Schwens, Universität GHS Essen

Summary. On the basis of the assumption that cemeteries can be modeled as semiotic facts, the paper advances a set of semiotic hypotheses. Their plausibility is assessed in a survey of cemeteries from various cultures. Ultimately, it is suggested that cemeteries can be taken to be cultural texts as defined by Lotman.

Zusammenfassung. Auf der Basis der Annahme, daß Friedhöfe als semiotische Tatsachen modelliert werden können, wird eine Reihe von semiotischen Hypothesen vorgeschlagen. Deren Plausibilität wird anhand von Friedhöfen verschiedener Kulturen überprüft. Letzlich wird argumentiert, daß Friedhöfe als kulturelle Texte im Sinne von Lotman verstanden werden können.

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Ästhetische Zeichen des Todes: Kenotaph und Nekropole

Hermann Sturm, Universität GHD Essen

Summary. The confrontation with death often stimulates the production of aesthetic signs and the development of specific sign systems. Death viewed as a transition from one side of a frontier to the other can be symbolized aesthetically by a door which allows crossing and passage, opening and blocking the way, as well as by the lowering of architecture below the ground. The paradigm of transition is described here as an inter- and intracultural phenomenon, exemplified by the memorials (cenotaphs) and burial sites (necropoles) which are found in ancient Egypt and in Etruria and the architecture of the baroque and the French Revolution.

Zusammenfassung. Die Konfrontation mit dem Tod ist vielfach Anstoß für die Produktion ästhetischer Zeichen und die Entwicklung spezifischer Zeichensysteme. So wird die mit dem Tod gegebene Grenzüberschreitung ästhetisch realisiert in der Tür als Zeichen des Übertritts und Durchschreitens, des Öffnenkönnens und des Verschlossenseins sowie in der Absenkung von Architektur für die Toten. Der vorliegende Aufsatz untersucht das Paradigma der Grenzüberschreitung als inter- und intrakulturelles Phänomen anhand von Gedächtnisstätten (Kenotaphen) und Begräbnisanlagen (Nekropolen) der Ägypter und Etrusker sowie der Barock- und Revolutionsarchitektur.

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Jüdische Assimilation im Spiegel der Grabsteine auf dem Friedhof Berlin-Weißensee

Claudia Albert, Berlin
Burkhard Baltzer, Ammerbuch

Summary. On the basis of a sample of over 100 photographs of Jewish tombs in the cemetery at Berlin-Weißensee, the authors try to point out some characteristic features of Jewish assimilation between 1882 and 1945. They show that even the most ostentatious tombs and inscriptions express the principal problem of Jews in Germany: nevery fully accepted, the initially reacted with a kind of over-assimilation, before returning to their traditional ritual during the Nazi period.

Zusammenfassung. Auf der Grundlage einer Auswertung von mehr als hundert Fotografien von Grabstellen auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee untersuchen die Autoren einige charakteristische Züge jüdischer Assimilation zwischen 1882 und 1945. Sie zeigen die Probleme selbst wohlsituierter Juden bei der Anpassung an das wilhelminische Deutschland und die Rückkehr zum traditionellen Ritus während der Zeit des Nationalsozialismus.

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Redipuglia: das Monument der 100 000 Toten. Ein Begängnis

Manfred Moser, Universität Klagenfurt

Summary. A visit to the Italian war memorial of Redipuglia is shown to trigger a sequence of sign processes. They are described in all their complexity and interdependence. A central role is played by the aesthetic structure of the monument, which is interpreted within the interaction of the various levels of perception.

Zusammenfassung. Beim Begehen des italienischen Kriegerdenkmals von Redipuglia werden der Reihe nach spezifische Zeichenprozesse ausgelöst, deren Vielschichtigkeit und Interdependenz geschildert werden. Der ästhetischen Gestaltung kommt dabei eine zentrale Rolle zu, die aufgezeigt und im Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungsebenen interpretiert wird.

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Ungarische Grabzeichen

Mihály Hoppál, Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest

Summary. In Hungarian cemeteries two special kinds of wooden grave markers are to be found: crosses signify that the deceased person was a Catholic, while decorative grave-posts indicate a number of one of the Protestant Churches. The formal features of the grave-post offer themselves for a semiotic analysis on the levels of syntactics, semantics, and pragmatics. The oppositions ‘young’/’old’, ‘male’/’female’, and ‘rich’/’poor’ are represented in various modes. Iconicity is important insofar as the grave-posts are anthropomorphic, which is also reflected in the verbal labels of their parts: "head", "breast", "foot", etc. Historically, the grave-posts probably belong to the most ancient layer of Hungarian folk culture. Typologically, the Hungarian wooden grave-posts are examples of the highly differentiated ethnosemiotic systems used by the peasantry in eastern central Europe.

Zusammenfassung. Auf ungarischen Friedhöfen kann man zwei besondere Arten von hölzernen Grabmarkierung finden: geschnitzte Kreuze kennzeichnen die verstorbene Person als Mitglied der katholischen Kirche, während geschnitzte Grabhölzer sie als Angehörige der protestantischen Kirchen ausweisen. Die formalen Merkmale der Grabhölzer bieten sich für eine semiotische Analyse auf den Ebenen der Syntaktik, der Semantik und der Pragmatik an. Die Oppositionen ‘jung’/’alt’, ‘männlich’/’weiblich’, ‘reich’/’arm’ werden auf verschiedene Weisen dargestellt. Ikonizität ist dabei insofern wichtig, als die Grabhölzer selbst anthropomorphe Züge haben. Das ergibt sich auch aus den Bezeichnungen für ihre Bestandteile: "Kopf", "Brust", "Fuß", usw. Historisch gesehen, gehören die Grabhölzer vermutlich zu der ältesten Schicht ungarischer Volkskunst. In typologischer Hinsicht sind die ungarischen Grabhölzer ein Beispiel für die hochdifferenzierten ethnosemiotischen Systeme, welche die Bauern in Ostmitteleuropa haben.

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Tierfriedhöfe in Frankreich

Michèle Wolf, Universität GHS Essen

Summary. The Asnières dog cemetery near Paris is analyzed as an example of a European animal cemetery. Since the burying of the corpse is restricted to humans in Europe, someone who buries a deceased relative follows the norm, whereas someone who buries a dead animal violates the norm. This asymmetry allows a number of inferences from the appearance of animal tombs to the status of the buried animal, the motivation of the pet owner, his emotions, and those ascribed to the animal by him. The historical development of the grave inscriptions implies that certain changes have taken place in the mentality of pet owners in the 20th century.

Zusammenfassung. Der Hundefriedhof von Asnières bei Paris wird als Beispiel eines europäischen Tierfriedhofs analysiert. Da die Bestattung des toten Körpers in Europa nur für Menschen vorgesehen ist, folgt jemand, der einen verstorbenen Angehörigen mit bestimmten Riten beerdigt, der geltenen Norm, während jemand, der ein gestorbenes Tier beerdigt, die Norm seiner Kultur verläßt. Diese Asymmetrie erlaubt eine Reihe von Folgerungen aus der Gestaltung der Tirgräber auf den Status des begrabenen Tiers, die Motive des Tierhalters, die Gefühle, die der Tierhalter hat, und die Gefühle, die er dem Tier zuschreibt. Die historische Entwicklung der Grabinschriften läßt Schlüsse auf einen Wandel der Mentalität von Tierhaltern im 20. Jahrhundert ziehen.

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