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TU Berlin

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Die sprachliche Verankerung des Bildes

Soren Kjorup, Universität Trondheim

Summary. In his well-known essay "Rhétorique de l’image", Roland Barthes introduces the concept of "anchoring" ("encourage") of the image in verbal language. He considers two kinds of verbal anchoring of images: specification of the denotation and of the connotation of the image. Based on arguments from Nelson Goodman’s Languages of Art  and John Searle’s Speech Acts, the present article demonstrates that verbal anchoring pertains not only to (1) specification of the meaning of the image, but also to (2) indication of its reference and (3) indication of the illocutionary force with which the image is "uttered". In the course of the argument some salient parallels and some important differences between verbal and pictorial languages are examined.

Zusammenfassung. In seinem bekannten Essay "Rhétorique de l’image", hat Roland Barthes den Begriff der "Verankerung" ("encourage) eines Bildes mit Hilfe wortsprachlicher Äußerungen eingeführt. Barthes hat dabei zwei Typen der Verankerung untersucht: die Festlegung der Denotation und der Konnotation des Bildes. Der vorliegende Beitrag ist ein Versuch, Barthes’ Grundbegriff der Verankerung weiterzuentwickeln. Mit Bezug auf Nelson Goodlamns Languages of Art und John Searle’s Speech Acts, wird gezeigt, daß über (1) die Festlegung der Bedeutung des Bildes hinaus auch (2) die Angabe der Referenz des Bildes  und (3) die Markierung der illokutionären Kraft, mit der das Bild "geäußert" wird, durch sprachliche Verankerung geleistet wird. Im Laufe der Überlegungen werden sowohl einige schlagende Parallelen als auch einige wichtige Unterschiede zwischen den Wortsprachen und den Bildsprachen aufgewiesen und geprüft.

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Darstellungssysteme des Kinos

Jens Toft, Universität Kopenhagen

Summary. The nation of "primary cinematographic identification", introduced by Christian Metz (1977a), is shown to cover two different but related phenomena: (a) identification of the viewer with the "camera", basically mediated by framing and montage; (b) identification of the viewer with himself as an observer, mediated by the whole cinematographic apparatus. On the basis of this analysis, the notion of cinematographic systems of representation is introduced. Such systems consist of discursive structures connecting (1) the codes of the filmic utterance, (2) its social and historical background, and (3) its conception of a subject. This analysis is exemplified by three cinematographic systems of representation: classical analytic montage, German Expressionism, and Eisenstein’s film technique.

Zusammenfassung. Der von Christian Metz (1977a) eingeführte Begriff der "primären cinematographischen Identifikation" betrifft in Wirklichkeit zwei verschiedene, aber eng miteinander verbundene Vorgänge: (a) die Identifizierung des Filmbetrachters mit der "Kamera", die durch Bildrahmen und Montage vermittelt wird; (b) die Identifizierung des Bildbetrachters mit sich selbst als Zuschauer, dir durch den Kino-Apparat als ganzen vermittelt wird. Auf der Grundlage dieser Überlegung wird der Begriff der Darstellungssysteme des Kinos eingeführt. Sie bestehen aus Diskursstrukturen, die (1) die Kodes des Films mit (2) seinen soziohistorischen Bedingungen und (3) seiner Subjektkonzeption verbinden. Diese Analyse wird am Beispiel der Darstellungssysteme der klassischen analytischen Montage, des deutschen Expressionismus und der Eisensteinischen Filmtechnik überprüft.

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Autokommunikation oder: Wie man einer Organisation Visionen eingibt

Henri Broms, Handelshochschule Helsinki

Summary. Stimulated by the claim of Warren Bennis (1976; 1984) that, surrounded by a flood of information, we are longing for meaning, the present essay distinguishes two kind of communication: heterocommunication, which increases the addressee’s information, and autocommunication, which restructures the ego without input of additional information. Prayers, mantras, and diaries are means of autocommunication. The two kinds of communication are not only found in individuals but also within social organizations, public institutions and corporations. While heterocommunication consists in the input and output of quantitative information, autocommunication modifies the self-image of the organization and has an inspiring and meaning-creating function for its members. The composition of balance sheets and the formulation of future objectives are means of autocommunication: They manifest joint achievements and common goals, thus strengthening self-awareness and altruism in the members of the organization. Management by balance and objectives are thus shown to have a function similar to that of myth-telling in ancient societies.

Zusammenfassung. Angeregt durch die These von Warren Bennis (1976; 1984), daß wir uns inmitten einer Sintflut von Informationen nach Sinn sehnen, unterscheidet der vorliegende Beitrag zwischen zwei Arten von Kommunikation. Durch Heterokommunikation wird die Informationsmenge der Adressaten vermehrt, durch Autokommunikation wird ihr Ich umstrukturiert, ohne zusätzlicche Information zu erhalten. Gebete, Mantras und Tagebücher sind Mittel der Autokommunikation. Die beiden Arten der Kommunikation finden sich nicht nur in Individuen, sondern auch in gesellschaftlichen Organisationen, in öffentlichen Institutionen und in der Großindustrie. Neben dem Input und Output von quantitativer Information gibt es dort eine umfangreiche Autokommunikation, die das Selbstbild der Organisation bestimmt sowie inspirierend und sinnschaffend auf ihre Mitglieder wirkt. Im Dienste der Autokommunikation stehen u.a. Bilanzen und Planvorgaben: sie verkörpern das miteinander Erreichte, vermitteln den Eindruck, ein gemeinsames Ziel zu haben, und stärken so das Wir-Gefühl und den Altruismus der Organisationsmitglieder. Bilanzen und Planvorgaben spielen somit heute vielfach eine Rolle, die der entspricht, die in früheren Gesellschaften des Erzählen von Mythen hatte.

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Zeichen, Text, Semiose und Kontext: Hjelmslev und Peirce

Jorgen Dines Johansen, Universität Odense

Summary. In chapter 1, the concept of a sign and that of a text are analysed with respect to each other. Although these terms are often applied differently, there is not feature that would allow a distinction of them on intrinsic grounds. The difference between them is functional rather than categorial. Chapter 2 contrasts the common-sense notion of a text as an autonomous and bounded by entity with Hjelmslev’s conception of a text as an expanding syntagm and Peirce’s view that texts are growing arguments. Chapter 3 places the text within a model of semiosis, which relates to it to four factors: an object, an interpretant, a sender, and a recipient. Each of these factors is shown to have two versions, one intrinsic and the other extrinsic to the text. Chapter 4 argues that the interpretation of a text is based on its contextualization according to the four dimensions of the model. An interpretation always results in a translation, but its propositions are in principle never equivalent with the propositions of the original text in all its aspects.

Zusammenfassung. In Kapitel 1 wird der Begriff des Zeichens dem text Textes gegenübergestellt. Die beiden Begriffe werden zwar häufig verschieden verwendet, doch läßt sich kein Merkmal angeben, das es erlaubte, aus inneren Gründen einen Unterschied zwischen ihnen zu machen. Ihre verschiedene Verwendung ist eher funktionaler als kategorialer Art. Kapitel 2 stellt der Alltagsauffassung vom Text als autonomer und abgegrenzter Größe die Hjelmslevsche Konzeption vom Text als einem expandierenden Syntagma und die Peircesche Lehre gegenüber, daß Texte sich erweiternde Argumente sind. In Kapitel 3 wird der Text in ein Modell der Semiose hineingestellt, das ihn zu vier Faktoren in Beziehung setzt: einem Objekt, einem Interpretanten, einem Sender und einem Empfänger. Für jeden dieser Faktoren gibt es zwei Fassungen, von denen die eine textintern und die andere textextern ist. Kapitel 4 weist nach, daß die Interpretation eines Textes nichts anderes ist als seine Kontextualisierung in bezug auf die vier genannten Faktoren. Die Textinterpretation schlägt sich immer in einer Übersetzung nieder, doch deren Propositionen können mit den Propositionen des Originaltextes grundsätzlich nicht in allen Hinsichten äquivalent sein.

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Phänomenologie, Semiotik und Interdisziplinarität: Brondal versus Bühler - ein historisches Lehrstück

Svend Erik Larsen, Universität Odense

Summary. Viggo Brondal and Karl Bühler referred to each other’s work with brief comments. In 'Sprachtheorie' Bühler criticized Brondal’s conception of the world classes and especially of the proper nouns; and Brondal reviewed Bühler’s book in the Linguistic Circle of Copenhagen. However, neither of them paid any attention to the question of whether their different theoretical approaches were based on similar epistemological position. The present article shows that the two approaches did have such a common ground: phenomenology. By making this ground explicit, a fruitful interdisciplinary relationship of a semiotic character can be established between their works. It is argued that there is a lesson to be learned from Brondal’s and Bühler’s superficial readings of each other: without taking epistemological fundamentals seriously, semiotic interdisciplinarity will not come into being.

Zusammenfassung. Viggo Brondal und Karl Bühler haben ihre gegenseitige Werke kurz kommentiert. In seiner 'Sprachtheorie' kritisierte Bühler Brondals Begriff der Wortklassen und insbesondere denjenigen der Eigennamen; und Brondal präsentierte Bühlers Buch im Cercle Linguistique de Copenhague. Keiner von beiden widmete seine Aufmerksamkeit jedoch den epistemologischen Grundlagen ihrer verschiedenen theoretischen Ansätze. Der vorliegende Beitrag weist nach, daß es für beide eine gemeinsame Basis gab: die Phänomenologie. Wenn diese Basis explizit gemacht wird, läßt sich eine fruchtbare interdisziplinäre Verbindung semiotischen Charakters zwischen ihren Arbeiten herstelln. Es wird dafür argumentiert, daß man aus Bühlers und Brondals oberflächlicher gegenseitiger Lektüre lernen kann, daß sich eine interdisziplinäre semiotische Wissenschaft nicht verwirklichen läßt, ohne daß die epistemologischen Grundlagen ernsthaft mitreflektiert werden.

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Intention und Methode im gestaltenden Städtebau

Michael Steigemann, Hochbauamt Bielefeld

Summary. Historic city centers are characterized by the monogeneity of their architectural design. Homogeneity has always been a necessary condition for the comprehension of the city structure and for an optimal orientation in it. Homogeneity is achieved through moderate redundancy in the materials and forms of buildings. The present essay shows how a given environment can be improved by adding buildings with moderate redundancy of materials and forms. For this purpose, the given environment must be analysed and represented using iconic notation which reveals the basic repertoire to be used in the design of new buildings. Similar methods can also be applied in the planning of new cities.

Zusammenfassung. Intakte Altstädte sind durch einen hohen Anteil homogener Bebauung gekennzeichnet. Homogenität ist heute wie früher eine notwendige Voraussetzung für das Begreifen der Stadtstruktur und für eine optimale Orientierung in ihr. Maßvolle Redundanz der Baumaterialien und Bauformen ist eines der Mittel für diesen Zweck. Der vorliegende Aufsatz zeigt, wie sich ein gegebenes Stadtbild durch Hinzufügung von Gebäuden mit maßvoll redundanten Materialien und Formen verbessern läßt. Die Dekomposition des Stadtbildes und seine Darstellung mithilfe einer ikonischen Notation erschließt das elementare Repertoire, dessen sich die Neubauten bedienen. Ähnliche Methoden lassen sich auch in der Planung neuer Städte anwenden.

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Feministische Theorienbildung zwischen Strukturalismus und Dekonstruktionismus

Sinikka Tuohimaa, Universität Tampere

Summary. This article discusses various attempts at a definition of femininity outside the framework of male-dominated Western culture. Feminist theorizing is located between structuralist semiotics and deconstructionism. Special emphasis is laid on Cixous’ characterization of "écriture féminine", Irigaray’s portrayal of "le parler femme", Kristeva’s distinction of "semiotic versus symbolic language", Wittig’s conception of "la femme au pluriel", and Culler’s program for an investigation of women’s reading of literary texts.

Zusammenfassung. Der vorliegende Aufsatz setzt sich mit den verschiedenen Versuchen einer Definition des Weiblichen außerhalb des begrifflichen Rahmens der männlich geprägten abendländlichen Kultur auseinander. Feministische Theorienbildung wird in das Spannungsfeld zwischen strukturalistischer Semiotik und Dekonstruktionismus gestellt. Besondere Berücksichtigung finden Cixous’ Beschreibung der "écriture féminine", Irigarays Darstellung des "parler femme", Kristevas Unterscheidung zwischen dem "Semiotischen und dem Symbolischen in der Sprache", Wittigs Konzeption der "femme au pluriel" und Cullers Programm einer Untersuchung des Lesens literarischer Texte durch Frauen.

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