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TU Berlin

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Zitat und Zitieren in den Gebärdensprachen der Gehörlosen

Penny Boyes Braem, Forschungszentrum für Gebärdensprache Basel

Summary. Research over the past thirty years has shown that the sign languages used in deaf communities represent a form of communication with complex linguistic structures comparable to those of spoken languages. Citation in sign languages involves the use of two major styles of presentation, which are called here "narrator style" and "participatory style". Each of these presentation styles is marked by distinct behavior, i.e. eyegaze, facial expression, head and body orientation and hand movement. In spoken languages, the narrator style seems to be used for indirect representation and the participatory style for direct representation of speech acts. However in sign languages, unlike in spoken languages such as English or German, direct speech cannot automatically be considered also as a verbatim report. Verbatim reports in sign languages can, in some circumstances, use an additionally marked participatory style, but in other circumstances can be made in narrator style.

Zusammenfassung. Die Ergebnisse dreißigjähriger Forschung zeigen, daß die in Gehörlosengemeinschaften benutzten Gebärdensprachen von einer Komplexität sind, die mit derjenigen der Lautsprachen durchaus vergleichbar ist. Das Zitieren in Gebärdensprachen geschieht in zwei verschiedenen Präsentationsstilen, die hier "Erzählerstil" und "Teilnehmerstil" genannt werden. Jeder dieser Stile ist charakterisiert durch spezifisches Blickverhalten, Gesichtsausdruck und Orientierung von Kopf und Oberkörper sowie die Bewegung der Gebärde im Raum. Beim Zitieren von Sprachereignissen scheint der Erzählerstil für indirekte, der Teilnehmerstil für direkte Rede verwendet zu werden. Direkte Rede in Gebärdensprachen kann jedoch, im Gegensatz zu Lautsprachen wie Deutsch oder Englisch, nicht mit wörtlichem Zitat gleichgesetzt werden. Wörtliche Zitate in Gebärdensprachen benutzen unter manchen Bedingungen den Erzählerstil, unter anderen Bedingungen den besonders gekennzeichneten Teilnehmerstil.

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Zitat und Zitieren in zeitgenössischer Architektur

Claus Dreyer, Fachhochschule Lippe, Abteilung Detmold

Summary. The concept of quotation is specified in contrast to that of imitation. Various types of quotations and methods of quoting are described with reference to examples from contemporary architecture. On this basis a general typology of quotation-forms and quoting procedures is developed. A discussion on the roles architectural quotations play in their cultural context leads to the result that they take on a significant function in the creation of symbols within the man-made environment.

Zusammenfassung. Der Begriff des Zitats wird gegen den der Imitation abgegrenzt und präzisiert. An einer Reihe von Beispielen aus der Architektur der Gegenwart werden verschiedene Arten von Zitaten und Zitierweisen beschrieben. Daraus werden für die Architektur typische Strategien des Zitierens und Formen des Zitats abgeleitet. Abschließend wird nach dem Sinn des Gebrauchs von Zitaten im kulturellen Kontext gefragt und ihnen eine wichtige Aufgabe bei der Konstitution von Symbolen in der menschengemachten Umwelt zugewiesen.

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Der logische Status der Anführungszeichen

Arnold Günther, Technische Universität Berlin

Summary. A brief survey is given on the different approaches to quotation discussed in post-Fregean logic and analytic philosophy. Tarski’s theory of quotation is given particular prominence as it initiated the philosophical and logical discussion, and all other theories were developed or sketched as a reaction to it. An attempt is made to capture the essence of each theory in a characterictic thesis: the proper-name theory, the function theory, the spelling-theory, the picture-theory, the use-theory, and the pointing-theory of the quotation operation.

Zusammenfassung. Die verschiedenen Auffassungen über die Natur der Anführung, die in der nach-Fregeschen Logik und in der Analytischen Philosophie vorgetragen worden sind, werden kurz dargestellt. Tarskis Theorie wird ausführlicher behandelt als die anderen, weil mit ihr die philosophische und logische Diskussion anfing und die anderen Auffassungen in explizitem Gegensatz zu ihr entwickelt oder skizziert wurden. Es wird für jede Theorie versucht, ihren Kern in einer charakteristischen These zu fassen: die Eigennamen-Theorie, die Funktions-Theorie, die Buchstaben-Theorie, die Bild-Theorie, die Gebrauchs-Theorie und die Zeige-Theorie der Anführungszeichen.

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Zitat und Zitieren in der Musik

Vladimir Karbusicky, Universität Hamburg

Summary. Music is not an argumentational system. "Quotations" in music cannot corroborate or prove anything, rather they have a structurally productive and semanticizing function. Rudimentary quotation processes are an essential part of the techniques of forming sound structures; they include language-like tone formulas, varying repetitions, imitations, and reoccuring leitmotifs. This is why quotation as a semiosic phenomenon was discovered relatively late in the aesthetics of music, and the terminology has remained diffuse until today. In the present contribution an attempt is made to capture the essence and multiplicity of quotation in music, with the help of a structural model based on three transposable axes (size; semantic metamorphosis; distinctness).

Zusammenfassung. Musik ist kein argumentatives System. "Zitate" können in der Musik nicht etwas belegen, beweisen. Vielmehr haben sie eine strukturell produktive und semantisierende Funktion. Rudimentäre Zitiervorgänge gehören zu den Techniken der Formung von Klangstrukturen: sprachähnliche Tonformeln, variierte Wiederholung, Imitation, wiederkehrendes Leitmotiv. In der Musikästhetik wurde deshalb das Zitat relativ spät als semiosisches Phänomen entdeckt, die Terminologie ist diffus. Der vorliegende Beitrag soll mit Hilfe eines strukturalen Modells von drei verschiebbaren Achsen (Umfang; semantische Metamorphose; Deutlichkeit) die Vielfalt und das Spezifische der Zitierweisen in der Musik erfassen.

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Zitat und Zitieren von Äußerungen, Ausdrücken und Kodes

Roland Posner, Technische Universität Berlin

Summary. This introductory contribution presents quoting and quotation as a special case of intertextual relations. It argues for an operationalization of the concept of intertextuality so that the consequence that every text must be regarded as an intertext can be avoided. The basic type of quotation is shown to be the utterance quotation, which is constituted by the reference to another utterance through repetition of the expressions occuring in it. A second type is the expression quotation, which is used to refer to expressions while abstracting from their occurence in specific utterances. It includes grammatical as well as modalizing quotations. Borderline cases of the expression quotation are the figura quotation, which is used to refer to parts of coded signs, and the code quotation, which is used to refer to a code that has become a sign in itself. Special attention is paid to the question which sign carriers function as quotation marks in non-linguistic media. Code change, metasemiotic differentiation and the juxtaposition of introductory and quoting sign complexes within the same unit of semiosis are used for this purpose. In the last case, the distinction between the introductory and the quoting sign complexes is facilitated by special devices, such as 1. focusing articulation, 2. the marking of the quoting sign as text within a text, 3. the differentiation of levels, 4. fading, 5. stylization, and 6. the short interruption of sign production in the transition from the introductory to the quoting sign complex. The question what a sign producer gains by referring to other signs through quotation is answered with a distinction of documentary versus creative quoting. The latter emerges as a central collective technique for the semioticizing of our world.

Zusammenfassung. Dieser einführende Beitrag präsentiert Zitat und Zitieren als Spezialfall intertextueller Beziehungen. Er plädiert für eine Operationalisierung des Begriffs der Intertextualität, welche die pauschale Folge vermeidet, daß jeder Text ein Intertext sei. Als grundlegende Zitatsorte wird das Äußerungszitat behandelt, das im Verweis auf eine fremde Äußerung durch Wiederholung der in ihr auftretenden Ausdrücke besteht. Ihm wird das Ausdruckszitat gegenübergestellt, das auf Ausdrücke verweist und dabei von ihrem Auftreten in spezifischen Äußerungen absieht. Zu letzterem wird neben der grammatischen Anführung die modalisierende Anführung gerechnet. Grenzfälle des Ausdruckszitats sind das Figurenzitat, in dem auf Bestandteile kodierter Zeichen verwiesen wird, sowie das Kodezitat, das auf einen Kode verweist, welcher als solcher zum Zeichen geworden ist. Besondere Aufmerksamkeit wird der Frage gewidmet, welche Zeichenträger in nichtsprachlichen Medien als Anführungszeichen fungieren. Zu ihnen gehört der Kodewechsel, die metasemiotische Abgrenzung und die Juxtaposition von zitateinführendem und zitierendem Zeichenkomplex innerhalb derselben Semiose-Einheit. Im letzten Falle wird die Unterscheidbarkeit des zitierenden Zeichens vom zitateinführenden Kontext erleichtert durch besondere Maßnahmen wie 1. die fokussierende Artikulation, 2. die Kennzeichnung des zitierenden Zeichens als Text im Text, 3. die Niveauabstufung, 4. das Verblassen, 5. die Stilisierung und 6. die kurze Unterbrechung der Zeichenproduktion beim Übergang vom zitateinführenden zum zitierenden Zeichenkomplex. Die Frage, was ein Zeichenproduzent durch den zitierenden Verweis auf andere Zeichen gewinnt, wird durch die Gegenüberstellung von dokumentierendem und kreativem Zitieren beantwortet. Kreatives Zitieren stellt sich heraus als ein zentrales kollektives Verfahren zur Semiotisierung unserer Welt.

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Direkte und indirekte Rede im Bild

Sixten Ringbom, Åbo Akademi, Finnland

Summary. An interesting challenge to the visual artist consists in the task of conveying to the beholder the contents of the protagonists’ conversations, thoughts, fantasies, dreams, visions, perceptions and the like. Towards the end of the Middle Ages a wide variety of pictorial devices were available for this purpose. The text scroll gave the exact words of the protagonist to whom it belonged. In picture cycles artists could introduce the speaker, dreamer etc. in the first picture and the content of the speech, dream etc. in the subsequent scenes. For single images ("monoscenic method") there were, in principle, four standard solutions: (1) the juxtaposition of protagonist and content, (2) spatial differentiation, (3) the picture within a picture, and (4) a differentiation of levels. Most of these devices were rejected by Renaissance and Classicist theorists, but they survived in popular illustration, became employed in strip cartoons and were revived by anti-academic movements from the Pre-Raphaelites to the Expressionists and Pop artists. An attempt is made to consider the devices in question as a pictorial counterpart of direct and indirect speech in language. This approach, however, leads to certain problems, some of which are discussed.

Zusammenfassung. Für die visuelle Kunst ist es eine interessante Herausforderung, für den Bildbetrachter auch den Inhalt von Gesprächen, Gedanken, Phantasien, Träumen, Visionen und Wahrnehmungen der Protagonisten im Bilde festzuhalten. Gegen Ende des Mittelalters stand für diesen Zweck ein breites Spektrum von Darstellungsmitteln zur Verfügung. Das Schriftband gab genau die Worte des Protagonisten wieder, zu dem es gehörte. In Bildzyklen konnte man den Sprecher, Träumer usw. im ersten Bild einführen und den Inhalt der Rede, des Traumes usw. in den nächsten Bildern zeigen. In Einzelbildern ("monoszenisches Verfahren") gab es für diese Aufgabe grundsätzlich vier Standardlösungen: (1) die Nebeneinanderstellung von Protagonist und Inhalt, (2) die räumliche Differenzierung, (3) das Bild im Bild und (4) die Niveau-Abstufung. Die meisten dieser Darstellungsmittel wurden von den Theoretikern der Renaissance und des Klassizismus verworfen, sie hielten sich aber trotzdem in der volkstümlichen Illustrationskunst, fanden Eingang in die Bilderstreifen und wurden schließlich durch antiakademische Bewegungen von den Prä-Raphaeliten bis hin zu den Expressionisten und den Pop-Künstlern wiederaufgegriffen. Im vorliegenden Aufsatz wird versucht, die betreffenden bildlichen Darstellungsmittel als Gegenstücke der direkten und indirekten Rede in den natürlichen Sprachen aufzufassen. Dieser Ansatz führt allerdings zu bestimmten Problemen, von denen einige hier diskutiert werden.

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Zitate in musterverarbeitenden Forschungsprozessen

Karl-Heinrich Schmidt, Philips Forschungslaboratorium Hamburg

Summary. In the experimental sciences the research process involves the production of effects in the laboratory on the one hand and the statement of propositions in scientific argument on the other. If a scientist succeeds in setting up a stable connection between effects and propositions, his research acquires the quality of having a result. The present contribution studies the special type of connection established in scientific publications between effects and propositions by the quotation of experimentally produced patterns. It analyzes the conditions under which patterns can be quoted, and examines how such quotations can serve as evidence for the correctness and completeness of the pattern-producing procedures.

Zusammenfassung. Zum Forschungsprozeß in den experimentellen Wissenschaften gehört einerseits die gezielte Erzeugung von Effekten im Labor und andererseits die Behauptung von Aussagen in der Argumentation. Gelingt es, zwischen den Effekten und den Aussagen eine feste Kopplung herzustellen, so erhält der Forschungsprozeß die Qualität, ein Ergebnis zu haben. Der vorliegende Beitrag untersucht die spezielle Kopplung von Effekt und Aussage, die innerhalb wissenschaftlicher Publikationen durch das Zitieren von experimentell erzeugten Mustern hergestellt wird. Er beschreibt die Voraussetzungen, die Muster erfüllen müssen, damit sie zitiert werden können, und prüft, wie sich durch solche Zitate die Korrektheit und Vollständigkeit der betreffenden mustererzeugenden Verfahren nachweisen läßt.

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Zur Entwicklung der Anführungszeichen in gedruckten Texten

Christian Weyers, Universität Trier

Summary. This contribution studies the forms and functions of quotation marks as documented in European languages following the introduction of the printing press. Quotation marks are compared with other sign-pairs, such as the question marks and exclamation marks appearing in Spanish texts. The development of the various ways of marking quotations is described with reference to the printed editions of Phaedrus’ Aesop’s Fables and Quintilian’s Rhetoric. In the case of quotation marks, there has up to the present day been more variation in the forms and more freedom in the usage than with other punctuation signs, which gives typographers considerable flexibility in differentiating between the particular functions of characterizing direct speech, marking titles, describing verbal expressions, and expressing the author’s distanced attitude towards his formulations.

Zusammenfassung. Der Beitrag untersucht Form und Funktion der Anführungszeichen in den europäischen Sprachen seit der Einführung des Buchdrucks. Er vergleicht sie mit anderen Zeichenpaaren wie den Klammern sowie den Frage- und Ausrufezeichen in spanischen Texten. Die Entwicklung der Anführungszeichen wird am Beispiel der gedruckten Ausgaben der Äsopischen Fabeln des Phaedrus und der Rhetorik des Quintilian nachgezeichnet. Wie sich zeigt, besteht bis zum heutigen Tag im Formeninventar der Anführungszeichen eine größere Vielfalt und in der Verwendung der Anführungszeichen eine größere Freiheit als bei den anderen Interpunktionszeichen, was den Typographen eine beträchtliche Flexibilität bei der Unterscheidung der verschiedenen Funktionen des Anführens von Ausdrücken in direkter Rede, Nennung von Titeln, Beschreibung von Sprachbeispielen und distanzierter Erwähnung ermöglicht.

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