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TU Berlin

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Der sprachliche Umgang mit Müll und Abfall: Eine zeichenbezogene Untersuchung von Presseberichten

Herbert Bock und Boge Zafirov, Hochschule für Technik und Wirtschaft Görlitz

Summary. This study examines press reports from 1984 to 1989 with "waste" or "garbage emergency" as their theme. The text basis consists of 23 articles from 12 different German newspapers and magazines. The analysis is mainly concerned with statements on the overall situation of the waste and garbage problem, as well as on the relevant materials and the depots where these materials are stored. For theses subject areas, the most important linguistic terms are established (i.e. keywords such as flood, avalanche, etc. for the overall situation), the detailed information in its various categories is identified (i.e. semantic subaspects and statements on the causes and consequences of this situation), and the thematic frequency of the semantic subaspects with reference to each keyword is presented in a thematic profile. Among the results was evidence that the comments on waste and garbage avoidance represent a very small percentage of the information in the selected articles, and in addition show the reader to be rarely addressed through a concrete choice of words as the cause of pollution.

Zusammenfassung. In dieser Studie werden Presseberichte zum Thema "Müll-" und "Abfall-Notstand" aus den Jahren 1984­1989 untersucht. Die Textbasis besteht aus 23 Artikeln in 12 verschiedenen deutschen Zeitungen bzw. Zeitschriften. Der inhaltliche Schwerpunkt der Analysen liegt auf Aussagen zur Gesamtsituation der Müll- und Abfallproblematik, zu den dabei relevanten Stoffen, sowie zu den Lagerstätten dieser Stoffe, den Deponien. Für diese Themenbereiche werden die wichtigsten sprachlichen Kennzeichnungen (d.h. Schlüsselwörter wie Flut, Lawine usw. für die Gesamtsituation) festgestellt, die nach Kategorien unterschiedenen Detailinformationen (d.h. semantische Teilaspekte wie Mitteilungen über Verursacher und Folgen dieser Situation) identifiziert und die Thematisierungshäufigkeiten von semantischen Teilaspekten in bezug auf jedes Schlüsselwort als Thematisierungsprofile dargestellt. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, daß bei den ausgewählten Presseberichten die Aussagen zur Müll- und Abfallvermeidung nicht nur einen verschwindend geringen Anteil aufweisen, sondern auch, daß der Leser durch die konkrete Wortwahl selten als Verursacher angesprochen wird.

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Zitieren vor Gericht: Beispiele aus der niederländischen Strafjustiz

Monica den Boer, Universität Edinburgh

Summary. Oral quotations are always "on their way" and therefore difficult to grasp. Selection and transposition not only adhere meaning to a lifeless fragment, but also establish intertextual or interdiscursive links. In legal discourse, quotations preserve the continuity between subdiscourses. Quoting in court is however time-consuming, and is therefore mostly employed in a strategic manner. Three forms of strategic quoting in legal discourse are discussed in this article: selective quotation aimed at inducing the suspect or witness to revoke inconsistencies, contextual embedding, and the insertion of meta-linguistic devices. The article concludes with a brief review of the role of quotations in the trial record.

Zusammenfassung. Mündliche Zitate sind immer "unterwegs" und darum nur schwer greifbar. Auswahl und Verschiebung in einen anderen Kontext geben nicht nur dem zitierten Fragment Leben und Bedeutung, sondern stellen auch neue Verbindungen her zwischen Texten bzw. Diskursen verschiedener Art. Im Strafrechtsdiskurs bewahren Zitate insbesondere die Kontinuität zwischen den Teildiskursen. Nun ist Zitieren vor Gericht sehr zeitaufwendig; daher wird es fast nur zu strategischen Zwecken eingesetzt. Drei Formen strategischen Zitierens werden in diesem Beitrag besprochen: selektives Zitieren mit dem Ziel, Angeklagte oder Zeugen dazu zu bringen, Widersprüche zu beseitigen, Einbetten des Zitierens in einen neuen Kontext, Einfügen metasprachlicher Hilfsmittel. Abschließend wird kurz die Rolle von Zitaten im Verhandlungsprotokoll erörtert.

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Die Jenninger-Rede: Zum Zitierverhalten deutscher Politiker und Journalisten

Katrin Kerstan und Gerald Honsel, Universität Bielefeld

Summary. On November 10, 1988, Philipp Jenninger, then President of the German Bundestag, delivered a speech in remembrance of the pogroms that had been committed against the Jews in Germany 50 years previously. The members of the Bundestag and the journalists present understood something different from that which the speaker wanted to convey. This led eventually to Jenninger’s resignation  from the office of President of the Bundestag. The reason was the way in which Jenninger quoted contemporaries of the pogroms; this was mirrored in the way journalists quoted Jenninger in the press. The present contribution analyzes his typical quoting procedures and shows how the quoting practice and its reception counteracted the intentions of the speaker.

Zusammenfassung. Am 10. November 1988 hielt Philipp Jenninger, der damalige Präsident des Deutschen Bundestags, eine Rede zum Gedenken der Judenpogrome, die 50 Jahre vorher in Deutschland verübt worden waren. Die anwesenden Abgeordneten und Journalisten verstanden etwas anderes als das, was der Redner ihnen vermitteln wollte. Dies führte schließlich dazu, daß der Redner sich gezwungen sah, sein Amt als Bundestagspräsident niederzulegen. Grund war die Art, wie Jenninger die Äußerungen von Zeitgenossen der Pogrome zitierte; sie spiegelt sich in der Art, wie Journalisten Jenninger in den Zeitungen zitierten. Der vorliegende Beitrag untersucht seine typischen Zitierweisen und zeigt, inwiefern die Praxis und das Verständnis des Zitierens den Intentionen des Redners zuwiderliefen.

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"Vorsprung durch Technik" oder "Vorsprung durch Tomate"? Zitat, Parodie, Plagiat und andere intertextuelle Beziehungen

Bernhard F. Scholz, Universität Utrecht

Summary. This contribution discusses some logical properties of intertextual relations. Taking as his starting point the internationally known advertizing slogan "Vorsprung durch Technik" and its parodistic counterpart "Vorsprung durch Tomate - Progress through tomatoes", the author asserts the asymmetrical relationship between the original and its parody, in that one necessarily precedes the other. Moreover, he points out that even if the chronological order of production is not known to the reader, the latter will automatically interpret a time index. This argument is then extended to other intertextual relations, such as quotation and plagiarims, and their ability to be used transitively and/or intransitively is discussed. To conclude, it is shown that chronological precedence of texts need not always coincide with ontological priority, for in biblical typology the figura historically precedes the veritas, but is ontologically secondary to it. Nevertheless, the terms of literary study in the Western tradition emphasize the order of text production rather than potential reversals of the time relation in the reception process.

Zusammenfassung. Dieser Beitrag untersucht einige logische Merkmale intertextueller Beziehungen. Der Verfasser wählt als Ausgangspunkt den international bekannten Werbeslogan "Vorsprung durch Technik" sowie sein parodistisches Gegenstück "Vorsprung durch Tomate" und stellt fest, daß die Beziehung zwischen Original und Parodie asymmetrisch ist, insofern ersteres letzterem zeitlich vorangehen muß. Außerdem zeigt er, daß der Leser selbst dann, wenn ihm die Reihenfolge der Textproduktion nicht bekannt ist, stillschweigend bei der Interpretation einen Zeitindex einbezieht. Der Verfasser überträgt diese Fragestellung dann auf andere intertextuelle Beziehungen wie das Zitat und das Plagiat und diskutiert deren Eignung zu transitivem und/oder intransitivem Gebrauch. Wie abschließend gezeigt wird, müssen zeitliche und ontologische Priorität von Texten nicht immer zusammenfallen: In der biblischen Typologie ist die Figura zwar historisch früher aber ontologisch sekundär gegenüber der Veritas. Festzuhalten bleibt, daß der Begriffsapparat der abendländischen Literaturwissenschaft eher die Reihenfolge der Textproduktion berücksichtigt als die potentielle Umkehrung der Zeitrelation in der Rezeption.

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Vom Verfassungsrecht auf richtiges Zitieren

Thomas-M. Seibert, Landgericht Frankfurt am Main

Summary. Instead of interdicting meanings, German jurisdiction has started to outlaw the violation of pragmatic principles of communication. They include requirements of correct quotation to which the Federal Constitutional Court has given the status of a constitutional right. This remarkable development is exemplified by two cases involving political adversaries (Heinrich Böll and Matthias Walden, Erhard Eppler and the Christian Democratic Party of Baden-Württemberg).

Zusammenfassung. Anstelle verbotener Bedeutungen sanktioniert die deutsche Rechtsprechung neuerdings in unterschiedlicher Weise die Verletzung pragmatischer Formprinzipien. Dazu gehören Anforderungen für richtiges Zitieren, denen das Bundesverfassungsgericht Verfassungsrang zuerkannt hat. Diesen erstaunlichen Vorgang veranschaulichen zwei Fälle, in denen politische Gegenspieler aufeinandertrafen (Heinrich Böll und Matthias Walden, Erhard Eppler und die baden-württembergische CDU).

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?"Nijinski"? ­ ?"Marceau"? Zitieren in Ballett und Pantomime

Christel Weiler, Universität Gießen

Summary. This article examines the question of how the concept of quotation can be applied to ballett and pantomime. In the first part, it describves purely bodily means of quoting and shows how an actor succeeds in making his audience aware of when he is presenting his own utterances and when he is presenting the utterances of others. In the second part, advanced ballett and pantomime productions are analyzed. Here it is demonstrated that the semiotic foundation of ballett and pantomime differ from each other, which results in specific ways of quoting, and at the same time raises the questions of their function.

Zusammenfassung. Die folgenden Überlegungen gehen der Frage nach, wie im Zusammenhang mit Ballett und Pantomime sinnvoll von Zitaten gesprochen werden kann. Dabei wird zunächst auf die rein körperlichen Zitierweisen abgehoben und versucht, das Zitat als Präsentation einer fremden Äußerung von einer eigenen Äußerung zu unterschieden. In einem zweiten Schritt stehen avancierte Produktionen der Künste selbst im Zentrum. Die ausgewählten Beispiele verdeutlichen, daß den beiden Genres semiotische Grundlagen eignen, die ihnen gemäße Zitierweisen hervorbringen und gleichzeitig die Frage nach deren Funktionen erheben.

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Von Duschen, Kinderwagen und Lüftungsschächten: Methoden des Verweisens im Film

Gloria Withalm, Hochschule für angewandte Kunst, Wien

Summary. Quotations and quotation-like allusions in film constitute a wide, yet virtually unexplored field of study. As in the other arts, there is a multitude of cinematographic practices for referring to other films, and these practices are particularly numerous since films are composed of comparatively many codes and sign systems. This article gives a typology of the various procedures of quotation and reference and analyzes their functions. Among the categories studied are quotations in the narrow sense (i.e. the factual use of film clips, which are either inserted without indication or marked as quotations by showing protagonists looking at a movie); remakes of famous scenes or of simple actions; patterns of montage, decoration or costumes taken over from other films; verbal utterances or musical motives copied out of other contexts; film posters, photos and other already existing visual materials inserted in a given film. The functions of these procedures include their use as mere background information; as homage to a particular film director, a film genre or a period of cinema history; as a special device for characterizing the film action or its protagonists; as a comment on the plot or as a parody. More often than not, the procedures are combined and several functions realized simultaneously. The predominant meaning of a given quotation or allusion can only be determined in the context of the film as a whole.

Zusammenfassung. Der Themenkomplex der Zitate und zitatähnlichen Anspielungen nimmt im Film einen breiten Raum ein, aber leider gibt es noch zu wenige Untersuchungen dazu. Wie alle anderen Künste kennt auch der Film eine Vielzahl von Praktiken, auf ein anderes Werk zu verweisen, und dank des spezifischen Kompositcharakters des Films mit seinen vielen Kodes und Zeichensystemen sind sie in diesem Medium besonders reichhaltig. Im vorliegenden Beitrag werden in einem ersten Schritt die unterschiedlichen Verfahren des Zitierens und Referierens isoliert und die Funktionen ermittelt, die einem Zitat oder einer Anspielung zugewiesen werden können. Die Kategorien reichen vom Zitat im engeren Sinne, d.h. der tatsächlichen Verwendung von Filmausschnitten (entweder dadurch "markiert", daß Filmfiguren einen Film sehen, oder direkt montiert), über ein "Remake" sowohl von berühmten Szenen als auch von kleinen Handlungen sowie die Übernahme von Montagemustern, Dekorationen oder Kostümen bis hin zu verbalen und musikalischen Zitaten oder Anspielungen (Dialogzeilen, Motiven einer Filmmusik) und zur visuellen Präsenz von Filmplakaten, Fotos etc. Auch in bezug auf die Funktionen eines Zitats gibt es vielfältige Möglichkeiten: bloße Hintergrundinformation, Hommage an einen bestimmten Regisseur, ein Genre oder eine Epoche der Filmgeschichte, Anreicherung der Handlung oder der Personencharakterisierung, Handlungskommentar, Genreparodie usw. Allzu häufig überlappen sowohl die Methoden als auch die Funktionen; die primäre Bedeutung eines bestimmten Zitats oder einer bestimmten Anspielung kann nur in der eingehenden Analyse des gesamten Films herausgefiltert werden.

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Zitieren als interkulturelle Praxis: Lateinische Schrift in japanischen Texten

Jürgen Ziegler, Universität Fukushima

Summary. The Latin alphabet is present everywhere in contemporary Japan. This article investigates where it can and does occur and what function it has. Although Latin characters are not actually integrated in the Japanese writing system, they are used abundantly and often seemingly without a point. However, their use can be explained with reference to a stylistic dimension which stems from the Japanese writing system itself. The article concludes with an analysis of the operative use of the Latin alphabet in generating Japanese texts by computers.

Zusammenfassung. Die lateinische Schrift ist im heutigen Japan allgegenwärtig. Der Beitrag untersucht, wo lateinische Buchstaben in Japan vorkommen und vorkommen können sowie welche Funktion sie dabei haben. Obgleich sie nicht eigentlich ins japanische Schriftsystem integriert sind, kann ihr bisweilen exzessiver und unsinnig erscheinender Gebrauch aus einer stilistischen Dimension erklärt werden, die im japanischen Schriftsystem selbst angelegt ist. Abschließend wird kurz ihre operative Verwendung bei der maschinellen Generierung japanischer Texte dargestellt.

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