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TU Berlin

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Dynamisches Objekt, Kontext und finaler Interpretant

Raimo Anttila, Universität von Kalifornien, Los Angeles

Summary. The author agrees with Keller’s thesis that the development of human sign systems is based on the category change of their signs from index to icon and from icon to symbol, where symbols can again be used as higher order indices (metonymies) or icons (metaphors). Nevertheless he finds a number of points which remain unclear and tries to give them a Peircean formulation. He emphasizes the role that context plays in sign interpretation and proposes to integrate context in the sign process by applying Peirce’s distinction between the immediate and the dynamic object of a sign. In addition, he shows that Keller’s distinction between meaning and sense corresponds to Peirce’s distinction between the immediate and the dynamic interpretant of a sign and asks why Keller’s approach does not provide for an equivalent to Peirce’s final interpretant.

Zusammenfassung. Der Verfasser stimmt Kellers These zu, daß die Entwicklung menschlicher Zeichensysteme darauf beruht, daß die Zeichen dazu neigen, von der Kategorie des Index in die des Ikons und von der des Ikons in die des Symbols überzugehen, wobei ein Symbol seinerseits als Index höherer Ordnung (Metonymie) oder Ikon höherer Ordnung (Metapher) verwendet werden kann. Doch findet der Verfasser eine Reihe von unklaren Punkten in Kellers Konzeption und versucht, sie in den Begriffen von Peirce zu formulieren. Er hebt die Rolle hervor, die der Kontext bei der Zeicheninterpretation spielt, und schlägt vor, ihn in den Zeichenprozeß zu integrieren, indem er die Peircesche Unterscheidung zwischen dem unmittelbaren und dem dynamischen Objekt des Zeichens heranzieht. Darüber hinaus zeigt er, daß die Kellersche Distinktion zwischen Bedeutung und Sinn der Peirceschen Unterscheidung zwischen dem unmittelbaren und dem dynamischen Interpretanten des Zeichens entspricht, und fragt, warum es in Kellers Ansatz kein Gegenstück zu Peirces Begriff des finalen Interpretanten gibt.

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Simultaneität und Sukzession: Der Zeichenprozeß als Zustandsänderung

André Delobelle, Institut des Hautes Etudes des Communications Sociales, Brüssel

Summary. The author contrasts the rapid changes in the physical world with the permanence of the thinking subject. In the subject’s actions, he distinguishes the succession of physical events (external aspect) from the simultaneity of motives (internal aspect). Simultaneity and succession also characterize the stages of a speech act: (a) in the formulation process the subject chooses the signs to be uttered from simultaneously given paradigms of virtual signs; (b) in sign utterance the selected signs are produced successively; (c) in the resulting text the signs are given simultaneously and connected by syntagmic structures. This analysis gives rise to the postulation of two types of time: the qualitative, non-deterministic, non-linear time of mental phenomena and the quantitative, deterministic, linear time of physical phenomena. Phenomena occuring in the former time type can be used to predict and explain phenomena in the latter, but not vice versa.

Zusammenfassung. Der Verfasser stellt der physikalischen Welt und ihrem schnellen Wandel das denkende Subjekt und seine Beständigkeit gegenüber. In den Handlungen des Subjekts unterscheidet er die Sukzession der physischen Ereignisse (äußerer Aspekt der Handlung) von der Simultaneität der Handlungsmotive (innerer Aspekt der Handlung). Simultaneität und Sukzession kennzeichnen auch die Stadien des Sprechaktes: (a) im Formulierungsprozeß wählt das Subjekt die zu äußernden Zeichen aus simultan gegebenen Paradigmen von virtuellen Zeichen aus; (b) bei der Zeichenäußerung werden die gewählten Zeichen sukzessive produziert; (c) in dem dabei entstandenen Text sind die Zeichen simultan gegeben und durch syntagmatische Beziehungen miteinander verknüpft. Diese Analyse veranlaßt den Verfasser, zwei verschiedene Typen von Zeit zu postulieren: die qualitative, nicht-deterministische, nicht-lineare Zeit der psychischen Phänomene und die quantitative, deterministische, lineare Zeit der physischen Phänomene. Phänomene des ersten Zeittyps können zur Erklärung und Vorhersage von Phänomenen des zweiten herangezogen werden, aber nicht umgekehrt.

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Bedeutung und private Regelbefolgung

James R. Hurford, Universität Edinburgh

Summary. The author agrees with Keller’s claim that, in human sign systems, icons become symbols when they are applied frequently and according to rules. However, he criticizes Keller’s conception of rules as social facts and argues in favor of a rule concept that can be used within individual psychology.

Zusammenfassung. Der Verfasser stimmt Kellers These zu, daß in menschlichen Zeichensystemen Ikone zu Symbolen werden, wenn sie häufig und gemäß Regeln angewandt werden. Er kritisiert jedoch Kellers Konzeption der Regeln als sozialer Gegebenheiten und befürwortet einen Regelbegriff, der in den Rahmen der Individualpsychologie paßt.

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Symptom, Index, Konnotation

Jaroslaw Jiránek, Prag

Summary. The author agrees with Keller’s general approach and emphasizes the conception of metonymy as meta-index and metaphor as meta-icon. He criticizes the language-centered treatment of semiotic questions and argues against reducing indices to symptoms, similarity to identity and connotation to association.

Zusammenfassung. Der Verfasser stimmt Kellers Ansatz insgesamt zu und betont dabei besonders die Auffassung von Metonymie als Metaindex und der Metapher als Metaikon. Er kritisiert, daß die Behandlung semiotischer Fragestellungen zu sehr von der Sprache als Beispiel ausgeht, und bringt Argumente gegen die Reduktion des Index auf das Symptom, der Ähnlichkeit auf die Gleichheit und der Konnotation auf die Assoziation.

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Zeichenbedeutung und Bedeutungswandel

Rudi Keller, Universität Düsseldorf

Summary. The author distinguishes the sense of sign use from the meaning of the signs used, differentiates between symptomic, iconic, and symbolic sign meaning, and understands sign meaning as a means for conveying sense. He analyzes the way in which symptoms become icons and icons become symbols without a planning hand being involved. When processes of symptom and icon formation are applied to symbols, they turn into metonymies and metaphors. Metonymies and metaphors are thus second-order symptoms and icons, which can in turn become symbols.

Zusammenfassung. Der Autor unterscheidet symptomische, ikonische und symbolische Zeichenbedeutung systematisch vom Sinn der Zeichenverwendung und versteht die Zeichenbedeutung als Mittel zur Mitteilung eines Sinns. Er untersucht zunächst, wie Symptome zu Ikonen und Ikone zu Symbolen werden, ohne daß eine planende Hand beteiligt ist. Dann führt er aus, wie aus Symbolen neue Symbole entstehen können, indem die Verfahren der Symptombildung und Ikonbildung auf sie angewandt werden. Wird das Symptombildungsverfahren auf ein Symbol angewandt, so entsteht eine Metonymie, wird das Ikonbildungsverfahren auf ein Symbol angewandt, so entsteht eine Metapher. Metonymien und Metaphern sind somit Symptome bzw. Ikone zweiter Ordnung, die ihrerseits wieder zu Symbolen werden können.

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Schlußprozesse in der Kommunikation

Rudi Keller, Universität Düsseldorf

Summary. In response to the critiques by Hurford, Jiránek, and Anttila, the author repeats his two main theses: 1. Language signs are not static entities undergoing change only by chance. 2. Communication is not a problem of meaning transportation. Keller concedes to Hurford that guessing plays an important role in communication, and specifies the types of guessing involved on the basis of Peirce’s classification of inferences into deduction, induction and abduction. He also approves of Hurford’s claim that the rule concept should be definable within the framework of individual psychology, but at the same time maintains Wittgenstein’s argument against the possibility of a private language. As for Jiránek, Keller defends his use of the concept "symptom" against the broader Peircian concept "index", and concedes the possibility of connotation as an intersubjective phenomenon. With respect to Anttila, Keller emphasizes the intrinsic character of sign change and the difference between a semiosis, which comprises senders, interpreters and dynamic objects, and a sign, which does not.

Zusammenfassung. In Erwiderung auf die Kritiken von  Hurford, Jiránek und Anttila wiederholt der Autor zunächst seine beiden Hauptthesen: 1. Sprachliche Zeichen sind keine statischen Einheiten, denen bisweilen das Mißgeschick des Wandels widerfährt. 2. Kommunizieren ist kein Problem des Bedeutungstransports. Gegenüber Hurford räumt Keller ein, daß Raten eine wichtige Rolle beim Kommunizieren spielt, und er benutzt Peirces Klassifikation der Schlußweisen in Deduktion, Induktion und Abduktion, um die Typen des Ratens in der Kommunikation zu bestimmen. Hurfords These, daß der Regelbegriff im Rahmen der Individualpsychologie definierbar sein sollte, stimmt er zu, vertritt aber zugleich auch Wittgensteins Argument gegen die Möglichkeit einer Privatsprache. Was Jiránek betrifft, so verteidigt Keller seine Verwendung des Symptombegriffs anstelle des weiteren Peirceschen Indexbegriffs und akzeptiert die Möglichkeit von Konnotationen als intersubjektiven Erscheinungen. Gegenüber Anttila betont Keller den intrinsischen Charakter des Zeichenwandels sowie den Unterschied zwischen einer Semiose als Zeichenprozeß, der Sender, Interpreten und dynamische Objekte umfaßt, und einem Zeichen, das diese nicht umfaßt.

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