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TU Berlin

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Über dialektische Zusammenhänge der Natur

Jeff Bernard, Institut für Sozio-Semiotische Studien, Wien

Summary. The author proposes to use sociosemiotics as a theoretical basis for the development of an ecological semiotics. He discussed the lower threshold of semiosis and examines the sign types that must be taken into account in ecological semiotics, arguing in favor of a more explicit treatment of the dialectical relationship of ecological and economic processes.

Zusammenfassung. Der Autor schlägt die Soziosemiotik als theoretische Basis für die zu entwickelnde Ökosemiotik vor. Es diskutiert die untere Schwelle der Semiose, prüft die Zeichentypen, die in der Ökosemiotik zu untersuchen sind, and argumentiert für eine explizitere Behandlung des dialektischen Verhältnisses zwischen ökologischen und ökonomischen Prozessen.

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Über vormoderne Naturkonzepte

Hartmut Böhme, Humboldt-Universität Berlin

Summary. Instead of the medieval doctrine of sensus spiritualis and the paradigm of the liber naturae, the author draws attention to hippocratic medicine and its elaboration by Paracelsus as historical predecessors for modern ecological semiotics. He pleads for a more careful differentiation between metabolic, perceptional and sign-based processes and between non-intentional und intentional semioses in the subject matter of ecological semiotics.

Zusammenfassung. Anstelle der mittelalterlichen Lehre vom sensus spiritualis und des Paradigmas des liber naturae lenkt der Autor die Aufmerksamkeit auf die hippokratische Medizin und ihre Weiterführung durch Paracelsus als historische Vorläufer der modernen Ökosemiotik. Er fordert, daß im Gegenstandsbereich der Ökosemiotik stärker differenziert wird zwischen Stoffwechselprozessen, Wahrnehmungsvorgängen und zeichenbasierten Prozessen sowie zwischen nichtintentionalen und intentionalen Semiosen.

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Gefühlte Theorien: Innerstädtische Brachflächen und ihr Erlebniswert

Ulrich Eisel, Daniela Bernard und Ludwig Trepl, Technische Universität Berlin und München

Summary. The qualities of the feelings one has in areas of urban ruderal vegetation are discussed from the perspective of the history of ideas. It is shown that these areas are semantically overdetermined. They represent diverse conceptions of nature, each related to another aspect of the meaning of "town". The ambivalence of such urban experience of nature indicates not so much the rise of postmodernism, but rather the lack of concepts available to postmodern interpreters.

Zusammenfassung. Die Autoren diskutieren die Empfindungsqualitäten innerstädtischer Brachflächen unter ideengeschichtlicher Perspektive. Es wird gezeigt, daß diese Flächen semantisch überdeterminiert sind. Sie repräsentieren, jeweils in Relation zu unterschiedlichen Bedeutungshorizonten von Stadt, divergierende Idealbilder von Natur. Die Ambivalenz und Mehrschichtigkeit solcher Naturerfahrung in der Stadt indiziert weniger den Anbruch der Postmoderne als vielmehr die theoretische Begriffslosigkeit der postmodernen Interpreten.

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Natur, Umwelt, Zeichen

Susanne Hauser, Wissenschaftskolleg zu Berlin

Summary. This introductory contribution begins by outlining the historical background of the modern debate on the "semiotization of nature". It is argued that a new sign-theoretic analysis of this debate will help each academic discipline involved to clarify its own foundations today. Then the reader’s attention is drawn to the developing new field of ecological semiotics (ecosemiotics) as discussed in the first four contributions to this thematic issue (Nöth, Böhme, Bernard, Hoffmeyer). Concerning the remaining contributions, the author emphasizes their complementary academic origins in human ecology (Teherani-Krönner), pedagogy (Jansen), landscape planning (Eisel, Bernard and Trepl) and history (Hauser).

Zusammenfassung. Dieser einleitende Beitrag setzt sich zunächst mit dem historischen Hintergrund der modernen Debatte über die "Semiotisierung der Natur" auseinander. Er argumentiert, daß eine neue Analyse dieser Debatte auf zeichentheoretischer Basis jeder beteiligten akademischen Disziplin auch heute zu einer Klärung ihrer eigenen Grundlagen verhelfen kann. Dann wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf das in Entwicklung begriffene Gebiet einer ökologischen Semiotik (Ökosemiotik) gelenkt, dessen Umfang in den ersten vier Beiträgen des vorliegenden Themenhefts (Nöth, Böhme, Bernard, Hoffmeyer) diskutiert wird. Was die weiteren Beiträge betrifft, so wird auf deren komplementäre akademische Herkunft aus der Humanökologie (Teherani-Krönner), der Pädagogik (Jansen), der Landschaftsplanung (Eisel, Bernard und Trepl) sowie der Geschichtswissenschaft (Hauser) hingewiesen.

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Repräsentationen der Natur und Umweltmodelle

Susanne Hauser, Wissenschaftskolleg zu Berlin

Summary. This contribution analyzes the modeling of the environment by means of representations of nature. Three recent developments show that a semiotic approach is required for an understanding of what goes on here: (1) the growing heterogeneity of nature conceptions, (2) the acceleration of their change, (3) their dependence on the development of the media. Two questions arise: What nature is at stake? Which discourse about nature do we want?

Zusammenfassung. Dieser Beitrag analysiert die Modellierung von Umwelt mittels Darstellungen von Natur. Drei neuere Entwicklungen zeigen, daß ein semiotischer Ansatz zur Erfassung dieses Vorgangs erforderlich ist: (1) die wachsende Heterogeneität der Naturkonzeptionen, (2) ihr beschleunigter Wandel, (3) ihre Abhängigkeit von der Entwicklung der Medien. Zwei Fragen bleiben zu beantworten: Um was für eine Natur handelt es sich? Welchen Diskurs über Natur wollen wir?

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Für eine semiotisch reformierte Naturwissenschaft

Jesper Hoffmeyer, Universität Kopenhagen

Summary. The author criticizes the dualistic methodology of present-day natural sciences, which makes it impossible for them to integrate semioses between organisms in their pattern of description. Instead of the usual conception of evolution as a development of increasingly complex forms of organisms, he proposes to study evolution as a development of increasingly complex ways of interpreting the environment which enhance the semiotic freedom of the individual.

Zusammenfassung. Der Autor kritisiert die dualistische Methodologie der heutigen Naturwissenschaften, die es ihnen unmöglich macht, Semiosen zwischen Organismen in ihre Beschreibungsmuster zu integrieren. Anstelle der üblichen Auffassung der Evolution als Entwicklung von zunehmend komplexen Formen der Organismen schlägt er vor, die Evolution zu erforschen als Entwicklung von zunehmend komplexen Weisen der Interpretation der Umwelt, die die semiotische Freiheit des Individuums erhöhen.

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Umwelterziehung: Ein Weg aus der ökologischen Sackgasse ?

Gerd Jansen, Lüneburg

Summary. The pedagogical effect that an organized experience of nature may have for ecological education is mostly overestimated. The activation of the participant’s attention towards nature (Uexküll) brought about by such an experience is wasted if the accompanying pedagogical efforts only focus on the semiotic means- and object-relations (Peirce), instead of making the participant integrate the experience in adequate ecological considerations. Such intellectual integration would, however, be necessary to create a persistent change in human attitudes towards nature.

Zusammenfassung. Der pädagogische Effekt organisierten Naturerlebens für die Umwelterziehung wird zumeist überschätzt. Die erzieherischen Chancen, die eine Aktivierung des "Gemüts" (Uexküll) durch ein derartiges Erlebnis eröffnet, werden vertan, wenn die begleitenden pädagogischen Bemühungen sich nur auf die semiotischen Mittel- und Objekt-Bezüge (Peirce) konzentrieren, anstatt den Teilnehmer auch zu einer Einordnung des Erlebnisses in angemessene ökologische Überlegungen anzuregen. Gerade eine solche intellektuelle Einordnung wäre aber notwendig, wenn durch Umwelterziehung eine nachhaltige Änderung in den menschlichen Einstellungen zur Natur erreicht werden soll.

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Ökosemiotik

Winfried Nöth, Universität Kassel

Summary. Ecological semiotics (ecosemiotics) is the study of the semiotic interrelations between individuals and their environment. This paper gives a survey of approaches to this field. From the history of ecological semiotics, it investigates the conceptions of the relationship between humans and their environment in the medieval doctrine of sensus spiritualis as well as in the Renaissance doctrine of signatures. From the field of theoretical semiotics, it discusses Peirce’s theory of semiosis as a triadic interaction between organisms and their environment. Uexküll’s theory of meaning and his umweltlehre are the ecological topics from the field of biosemiotics, whereas the survey of ecological linguistics discusses the relations between language and the human environment.

Zusammenfassung. Die Ökosemiotik untersucht die semiotischen Wechselbeziehungen zwischen den Individuen und ihrer Umwelt. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Forschungsansätze auf diesem Gebiet. Aus der Geschichte der ökologischen Semiotik erörtert er die Auffassungen von den Mensch-Umwelt-Beziehungen in der mittelalterlichen Lehre vom sensus spiritualis sowie in der Signaturenlehre der Renaissance. Aus der theoretischen Ökosemiotik behandelt er die Peircesche Auffassung von der Semiose als triadischer Interaktion zwischen Organismen und ihrer Umwelt. Uexkülls Bedeutungs- und Umweltlehre führt in den Bereich der ökologischen Biosemiotik, während ein Abschnitt über Ökolinguistik die semiotischen Beziehungen zwischen der Sprache und der menschlichen Umwelt behandelt.

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Neu-Schöpfung: Überlegungen zu einem Piktogrammposter von Juli Gudehus

Dagmar Schmauks, Universität des Saarlandes

Summary. The author analyzes a poster by Juli Gudehus, which represents (part of) the biblical process of Genesis by means of modern pictograms. She points out the disquieting discrepancy lying in the fact that here the creation of life is expressed by signs that have acquired their meanings in the context of a technocratic culture which is about to extinguish life again.

Zusammenfassung. Die Autorin analysiert ein Poster von Juli Gudehus, welches (teilweise) den biblischen Prozeß der Genesis mithilfe von Piktogrammen der Neuzeit darstellt. Sie weist hin auf die beunruhigende Diskrepanz, die in der Tatsache liegt, daß hier die Erschaffung des Lebens durch Zeichen ausgedrückt wird, die ihre Bedeutungen im Kontext einer technokratischen Kultur erhalten haben, welche dabei ist, das Leben wieder auszulöschen.

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Die Uexküllsche Umweltlehre als Ausgangspunkt für die Human- und Kulturökologie

Parto Teherani-Krönner, Humboldt-Universität Berlin

Summary. Focusing on major traditions of environmental research in the natural and social sciences (ecology, human ecology and cultural ecology), this paper presents various models that account for the role which the individual plays in its environment. The "subject-oriented doctrine of the environment" ("subjective biology") developed by Jakob von Uexküll is of great importance in this context. Although Uexküll was a natural scientist himself, working in biology, he was inspired by philosophy and sociology, and he took a strong position against the epistemological conceptions of the then dominating trends within the natural sciences. The essentially phenomenological approach favored by him is shown to have parallels in present-day human and cultural ecology. Thus, the paper points out how Uexküll’s subjective biology may be used to build a bridge between the natural and the social sciences.

Zusammenfassung. Unter Rückgriff auf wichtige umweltbezogene Forschungstraditionen in den Natur- und Sozialwissenschaften (die Ökologie, die Humanökologie und die Kulturökologie) skizziert der vorliegende Beitrag Modelle, die die Rolle des Individuums in seiner Umwelt thematisieren. Von großer Bedeutung ist hierbei die "subjektbezogene Umweltlehre" ("subjektive Biologie") Jakob von Uexkülls. Obwohl Uexküll selbst Naturwissenschaftler und in der Biologie tätig war, bezog er seine Inspirationen aus der Philosophie und der Soziologie und wandte sich dezidiert gegen das Wissenschaftsverständnis der damals vorherrschenden Richtungen der Naturwissenschaften. Zu dem von ihm befürworteten eher phänomenologischen Ansatz werden Parallelen in der heutigen Human- und Kulturökologie aufgezeigt. Auf diese Art wird die Brücke zwischen den Naturwissenschaften und den Sozialwissenschaften erkennbar, die sich auf der Grundlage der Uexküllschen subjektiven Biologie konstruieren läßt.

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