direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Zur kultursemiotischen Funktion von Gärten und Parks

Svend Erik Larsen, Universität Odense

Summary. This introductory contribution discusses the approach to gardens and parks as spaces that differ from their surroundings by reason of their natural constituents such as plants, animals, water, and rocks and challenges it by referring to denominations such as "animal park", "park way", "parking lot", "pleasure park", "theme park", and "kindergarden". It is argued that gardens and parks cannot be defined by their constituents but only by their cultural and semiotic functions. This is corroborated by a look back into the history of gardens and parks and the roles they have played in the leisure culture of various types of society.

Zusammenfassung. Dieser einführende Beitrag erörtert die Auffassung von Gärten und Parks als Räumen, die sich von der Umgebung durch ihre besondere Dichte an Naturelementen wie Pflanzen, Tieren, Wasser und Felsen unterscheiden, und stellt sie den gängigen Bezeichnungen "Tierpark", "parkway", "Parkplatz", "Vergnügungspark", "Themenpark" und "Kindergarten" gegenüber. Daraus geht hervor, daß Gärten und Parks nicht aufgrund ihrer Bestandteile, sondern nur aufgrund ihrer kulturellen und semiotischen Funktionen definiert werden können. Dies wird belegt durch einen Rückblick in die Geschichte der Gärten und Parks und auf die Rolle, die sie in der Freizeitkultur der verschiedenen Gesellschaftstypen gespielt haben.

Nach oben

Die Niagara-Fälle, der Grand Canyon und das Erhabene

David E. Nye, Universität Odense

Summary. The changing attitudes towards nature that developed in North America over the last two centuries are here studied in the context of travel habits which have changed considerably as a result of economic and technological progress. The Niagara Falls in the 19th century and the Grand Canyon in the 20th century serve as examples of natural sites which were first experienced as sublime traces of an almighty creator, then as a source of strong sensations, and finally as objects of human manipulation. It is pointed out that the introduction of boat, railway, motorcar, and airplane as means of transport has changed the tourist’s view of nature and that the respective ways of viewing nature have been standardized by landscape painting, photography, and film. They brought about transformations in human attitudes toward nature which have lead to increasing attempts to remodel it. These attempts are currently culminating in the total replacement of nature.

Zusammenfassung. Die wechselnden Einstellungen zur Natur, die sich während der vergangenen zwei Jahrhunderte in Nordamerika entwickelt haben, werden hier im Kontext der touristischen Reisepraxis untersucht, die ihrerseits durch den wirtschaftlichen und technischen Wandel stark verändert wurde. Die Niagara-Fälle im 19. und der Grand Canyon im 20. Jahrhundert dienen als Beispiele dafür, wie Naturerscheinungen zunächst als erhabene Spuren eines allmächtigen Schöpfers, dann als Mittel für starke Sinneswahrnehmungen und schließlich als Objekte menschlicher Manipulation erlebt worden sind. Es wird aufgewiesen, zu welchen Veränderungen des touristischen Blicks auf die Natur die Einführung der Schiffsreise, der Eisenbahnfahrt, des Autoverkehrs und des Flugwesens führte und wie die jeweiligen Sichtweisen durch die Landschaftsmalerei, die Fotografie und den Film standardisiert worden sind. Wie gezeigt wird, haben die resultierenden Transformationen der menschlichen Einstellung zur Natur zu deren Ummodelung und schließlich zu deren vollständiger Ersetzung geführt.

Nach oben

Der Zoologische Garten: Domestizierte Exotik

Martin Zerlang, Universität Kopenhagen

Summary. This contribution describes the emergence of zoological gardens from the courtly menageries of the 18th century and explains how the practice of exhibiting animals has changed since the Middle Ages, as a function of prevalent notions of animal, modes of vision, and concepts of knowing. The notion of the magic animal combined with curious gaze and knowing in terms of resemblances has brought about the menageries and curio cabinets of the Middle Ages and the Renaissance. The mechanistic notion of animal combined with theatrical gaze and knowing in terms of differences has brought about the animal tableaux of the Baroque and Enlightenment Ages. The historicist notion of animal combined with the gaze of show audiences and knowing in terms of origin and kinship has brought about the animal panoramas of the late 19th century. The ecological notion of animal combined with the sceptical gaze and the antiprogressive knowledge concept of postmodernism has brought about the palimpsests and archives of today. This study highlights the cultural functions of animals varying from totem to pet, which express themselves not only in the design and furnishing of cages but also in the choice of animal names.

Zusammenfassung. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Entstehung der zoologischen Gärten aus den fürstlichen Menagerien des 18. Jahrhunderts und erklärt, wie sich die Praxis des Ausstellens von Tieren in Abhängigkeit von den vorherrschenden Tierauffassungen, Blickweisen und Wissenskonzepten seit dem Mittelalter gewandelt hat. Die magische Tierauffassung führte im Verein mit einem neugierigen Blick und einem Denken in Ähnlichkeiten zu den Menagerien und Raritätenkabinetten des Mittelalters und der Renaissance. Die mechanistische Tierauffassung führte im Verein mit einem theatralischen Blick und einem differenzierenden Denken zu den Tiertableaux des Barocks und der Aufklärung. Die historistische Tierauffassung führte im Verein mit dem Blick des Showpublikums und einem Denken in Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen zu den Tierpanoramen des späten 19. Jahrhunderts. Die ökologische Tierauffassung führte im Verein mit dem skeptischen Blick und der nicht mehr fortschrittsgläubigen Wissensauffassung der Postmoderne zu den Palimpsesten und Archiven von heute. Die Untersuchung wirft ein Schlaglicht auf die kulturellen Funktionen der Tiere vom Totem bis zum Schoßtier, die nicht nur in der Gestaltung und Ausstattung der Tierkäfige, sondern auch in den Tiernamen zum Ausdruck kommt.

Nach oben

Der Sportplatz: Das Spiel der gezähmten Körper

John Bale, Universität Keele, England

Summary. Competitive sports are often regarded as a paradigm of life in the Modern Age: sporting organizations function like machines, stadiums are constructed as factories for the production of records, and athletes exploit their bodies according to scientific principles as if they were technical apparatus. The present article relativizes this modernist conception of sports by showing that even the most anonymous stadiums have many characteristics of gardens and parks. Attention is drawn to the landscaping of sports fields as magic worlds, to the emotional identification of fans with their clubs and athletes, and to the playful interaction between athletes and their audiences. Thus stadiums appear as places of leisure in the true sense: demarcated spaces in which humans liberate themselves at fixed time periods from the behavioral codes which govern everyday life. The historical conditions for the emergence of this type of recreational culture are investigated on the basis of numerous examples.

Zusammenfassung. Leistungssport wird oft als Paradigma des Lebens in der Moderne betrachtet: mit Organisationen, die wie Maschinen arbeiten in Stadien, die wie Fabriken zur Produktion von Rekorden ausgelegt sind, in denen Sportler ihre Körper nach wissenschaftlichen Prinzipien ausbeuten, als wären sie technische Apparate. Diese modernistische Sportauffassung wird im vorliegenden Beitrag relativiert durch den Nachweis, daß selbst die anonymsten Stadien viele Charakteristika von Gärten und Parks besitzen. Das betrifft nicht nur die Gestaltung der Anlagen als magische Welten, sondern auch die Identifizierung der Zuschauer mit ihren Clubs und Sportlern sowie die spielerische Interaktion zwischen den Sportlern und dem Zuschauerpublikum. Sportplätze erscheinen so als Orte der Freizeit im eigentlichen Sinne: abgegrenzte Räume, in denen sich Menschen zu festgesetzten Zeiten von den Verhaltenskodes des Alltags befreien. Anhand einer Fülle von Beispielen werden die historischen Bedingungen für die Entstehung dieser Art von Freizeitkultur untersucht.

Nach oben

Der Kleingarten: Versuche ästhetischer Normierung

Gert Gröning, Hochschule der Künste Berlin

Summary. This paper deals with the various components of society which are inclined to articulate an interest in the artistic design of allotment gardens in Germany. Attempts to regulate garden structure were undertaken by the City of Frankfurt am Main in the 1920s. They serve as examples of what is done in order to guarantee a harmonious general impression of the urban environment. Prospects for the construction of allotment gardens and proposals for the mass production of bowery huts are described and contrasted with the ideas of the allotment gardeners themselves. Finally, approaches to garden planning in the Nazi period are compared with those of present-day Germany.

Zusammenfassung. In diesem Artikel wird aufgezeigt, aus welchen unterschiedlichen Richtungen Interesse an der Ästhetisierung von Kleingärten vorgebracht wird. Am konkreten Beispiel der Entwicklung in der Stadt Frankfurt am Main werden die verschiedenen Versuche beleuchtet, die dort von der Kommune in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts unternommen wurden, um ein städtebaulich harmonisches Gesamtbild zu sichern. Dabei werden Typenblätter für die Anlage eines Dauerkleingartens ebenso thematisiert wie Vorschläge zum rationellen Bau von Gartenlauben. Dem werden Konzepte gegenübergestellt, die zu diesen Themen aus dem Kleingartenwesen selber kommen. Abschließend wird auf die Entwicklung der Vorstellungen im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik verwiesen.

Nach oben

Wege zum Wandeln, Wege zum Tanzen: Park und Parkett

Jutta Voß, Technische Universität Berlin

Summary. Presentations of Baroque dance choreographies have often inspired comparisons with Baroque gardens. Under Louis XIV all arts were intended to strengthen absolutism. Hence, such similarities were to be expected, the more since the State had established academies for the various arts. This assumption is corroborated by a comparative study of the parallel development of gardening and dancing since the Baroque Age. The relationship between Renaissance and Baroque gardens resembles that between respective choreographic practices. Rokoko paths in gardens and in dances both avoid strict symmetry. Such parallels between parks and dance floors pertain not only to the configurations of paths but also to the details of step forms and to fashionable accessories.

Zusammenfassung. Choreographieabbildungen barocker Tänze haben immer wieder zu Vergleichen mit barocken Gartenanlagen inspiriert. Da alle Künste unter Ludwig XIV. einem Ziel, der Festigung des Absolutismus, unterstellt waren, wären Ähnlichkeiten nicht verwunderlich, wurden doch zur gleichen Zeit staatlich initiierte Akademien für die verschiedenen Disziplinen unterhalten. Diese Annahme bestätigt sich, wenn man die Parallelen in der Entwicklung der Gartenkunst und der Tanzkunst durch die verschiedenen Epochen hindurch vergleichend betrachtet. Renaissancegärten verhalten sich zu Barockgärten wie die entsprechenden Choreographien; Rokokopfade verlassen die strenge Symmetrie. Parallelen lassen sich aber nicht nur bei den Wegen der Parks und Parkette, sondern auch bis in die Details von Schrittgestaltungen und modischen Accessoires belegen.

Nach oben

Der Prospect Park in Brooklyn: Natur in der Stadt

Svend Erik Larsen, Universität Odense

Summary. Based on an analysis of Brooklyn’n Prospect Park, this contribution describes in diachronic and synchronic perspective the visual signs that constitute the city park as a comprehensive sign in the context of the spatial forms of modern urban culture. In the tradition of Peirce, the signs in the park are classified as iconic (image, diagram, and metaphor), indexical (reagent and designation), and symbolic. The study concludes that the city park is basically not an iconic sign of nature nor a symbolic sign of conflict-free human control over nature, but rather a certain type of public space which is characterized by unrestricted accessibility and freedom of movement. In this space indexical sign processes take place which allow the individualized interaction with nature which is typical of modern urban culture.

Zusammenfassung. Ausgehend von einer Analyse des Prospect Park in Brooklyn beschreibt dieser Beitrag aus diachronischer und synchronischer Perspektive, welche visuellen Zeichen innerhalb der räumlichen Formen der modernen Stadtkultur den Stadtpark als Gesamtzeichen konstituieren. Die Zeichen des Parks werden im Sinne von Peirce klassifiziert als ikonisch (Bild, Diagramm und Metapher), indexikalisch (Reagent und Designation) und symbolisch. Die Untersuchung kommt zu dem Schluß, daß der Stadtpark nicht in erster Linie ein ikonisches Zeichen der Natur noch ein symbolisches Zeichen der konfliktfreien Naturbeherrschung des Menschen ist, sondern ein bestimmter Typus des öffentlichen Raums, der durch unbeschränkte Zugänglichkeit und Freizügigkeit gekennzeichnet ist. In diesem Raum kommt es zu indexikalischen Zeichenprozessen, die jene individualisierte Interaktion mit der Natur ermöglichen, welche für die moderne Stadtkultur typisch ist.

Nach oben

Die Straße zwischen St. Petersburg und Moskau: Ein Modell der russischen Kultur 1800­-1830

Janina Urussowa, Universität Tübingen

Summary. Proceeding from Lotman’s distinction between textual and grammatical cultures, this contribution describes a contrast which became entrenched in Russian culture after St. Petersburg had been founded in 1703. Textual cultures define themselves on the basis of exemplary texts that are taken as models for cultural behavior. Grammatical cultures define themselves on the basis of rules and written laws that are used to stipulate what is right and wrong. In the first case, whatever happens is right, whereas in the second, only that happens which is right. Following the European model, the reforms of Peter the Great changed Russia from a textual culture to a grammatical one; however, he did not fully succeed. This is why his approach to culture became equated with St. Petersburg, Europe, and the future, while the textual approach to culture became equated with Moscow, Asia, and the past. Traveling on the new road from St. Petersburg to Moscow, which was built in the first third of the 19th century, thus appears to many as a journey back from the north to the south, from the future to the past, from Europe to Asia. This is shown to happen at the levels of literature, architecture, and politics.

Zusammenfassung. Ausgehend von Lotmans Unterscheidung zwischen textbasierten und grammatikbasierten Kulturen beschreibt der vorliegende Beitrag einen Gegensatz, der sich nach der Gründung von St. Petersburg in der russischen Kultur ausbildete. Textbasierte Kulturen definieren sich auf der Grundlage von beispielgebenden Texten, die als Modelle für das kulturelle Verhalten dienen. Grammatikbasierte Kulturen definieren sich auf der Grundlage von Regeln und schriftlich niedergelegten Gesetzen, die festlegen, was richtig und was falsch ist. Im ersten Fall gilt als richtig, was geschieht, im zweiten geschieht, was als richtig gilt. Die Reformen Peters des Großen verwandelten Rußland nach europäischem Vorbild von einer textbasierten in eine grammatikbasierte Kultur; doch hatten sie keinen durchschlagenden Erfolg. Das ist der Grund, weshalb Peters Kulturauffassung mit St. Petersburg, Europa und der Zukunft, während die textbasierte Kulturauffassung mit Moskau, Asien und der Vergangenheit gleichgesetzt wurde. Wer auf der neuen Straße von St. Petersburg nach Moskau reist, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, erlebt dies vielfach als Reise zurück vom Norden in den Süden, von der Zukunft in die Vergangenheit und von Europa nach Asien. Diese Erfahrung wird auf literarischer, architektonischer und politischer Ebene nachgezeichnet.

Nach oben

Laboratorium und Garten: Vergleichende Überlegungen zu Gartenkunst und Hochenergiephysik

Detlev Nothnagel, Universität Hannover

Summary. This study of styles of reasoning is based on two different comparisons. It starts with an analysis of the historical development of horticulture, which is conceived as a mode of (re)producing nature in an aesthetic way. The focus is on English and French styles of landscape design. These are compared with English and French styles of doing physics, i.e., of approaching nature in a scientific way. This twofold comparative matrix serves to measure intercultural differences and to determine their historical constancy and their distribution over rather different domains of action.

Zusammenfassung. Diese Untersuchung von Denkstilen beruht auf einem doppelten Vergleich. Zunächst wird der Gartenbau in seiner historischen Entwicklung analysiert als ästhetische Weise der (Re-)Produktion von Natur. Englische und französische Stile dieses Umgangs mit der Natur stehen im Vordergrund der Analyse. Darauf baut ein zweiter Vergleich auf, der die englischen und französischen Stile, Physik zu betreiben, d.h. in naturwissenschaftlicher Weise mit der Natur umzugehen, einander gegenüberstellt. Die doppelte Vergleichsmatrix erlaubt es nicht nur, interkulturelle Unterschiede zu vermessen, sondern auch deren historische Konstanz und deren Verbreitung über ganz verschiedene Handlungsfelder zu bestimmen.

Nach oben

Pflanzen als Zeichen

Dagmar Schmauks, Technische Universität Berlin

Summary. Human attitudes towards plants are ambivalent: on a large scale, plants are destroyed; on a small scale, they are nurtured. They are regarded as being almost inanimate or as archetypes of life, as signs of rapid wilting or of eternal growth. The holy trees of pre-historic times have been transformed by the destruction of forests into signs of endangered life. Peirce's typology of signs offers a way of classifying the varied and complex manners in which humans use plants as signs. Serving as indices, plants indicate time, direction or altitude, evoke memories, or call for actions. As icons, they draw attention to similarities, e.g., between a shy girl and a violet, which is flourishing unseen. If such similarities are conventionalized, a symbolism of plants develops in the context of which a violet becomes a sign of modesty.

Zusammenfassung. Die Einstellung von Menschen zu Pflanzen ist zwiespältig: In großen Dimensionen werden Pflanzen vernichtet und in kleinen gehegt. Sie gelten als fast leblos oder als Urbild des Lebens, als Zeichen für schnelles Verblühen oder ewiges Wachstum. Die heiligen Bäume der Vorzeit wurden durch das gegenwärtige Waldsterben zu Zeichen des bedrohten Lebens. Die Zeichentypologie von Peirce liefert eine Möglichkeit, die vielfältigen und komplexen Weisen zu gliedern, in denen Menschen Pflanzen als Zeichen verwenden. Pflanzen sind Indizes, wenn sie Zeit, Himmelsrichtung oder Höhe angeben, Erinnerungen wecken oder zu Handlungen auffordern. Sie sind ikonische Zeichen, wenn Ähnlichkeiten gesehen werden, etwa zwischen einem schüchternen Mädchen und einem Veilchen, das im Verborgenen blüht. Wenn solche Ähnlichkeiten konventionalisiert werden, entsteht eine Pflanzensymbolik, in der ein Veilchen zu einem Zeichen für Bescheidenheit wird.

Nach oben

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe