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TU Berlin

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Ansätze zu einer Theorie der technisch vermittelten Kommunikation

Joachim R. Höflich, Augsburg

Summary. Technical mediation of communication is engaged here as a basic category of media analysis. It is characterized by two types of rules: The specific restrictions imposed on communication by the use of a technical medium require the application of special procedural rules in the communication process. The specific constraints governing existing communicative practices necessitate special media rules that facilitate the incorporation of the various media into these practices. Media rules determine which medium should be used for which communicative practice. The aspects of technically mediated communication elaborated in this article are finally integrated within a conceptual model.

Zusammenfassung. Technische Vermittlung von Kommunikation wird hier als Grundkategorie der Medienanalyse behandelt. Sie läßt sich durch Regeln zweierlei Typs charakterisieren: Die besonderen Beschränkungen, die das gewählte technische Medium der Kommunikation auferlegt, erfordern spezielle prozedurale Regeln, die den Ablauf der Kommunikation bestimmen. Die besonderen Beschränkungen, denen die existierende Kommunikationspraxis unterworfen ist, machen spezielle medienbezogene Regeln notwendig, die die Einfügung der verschiedenen Medien in diese Praxis ermöglichen. Medienbezogene Regeln bestimmen, welches Medium für welche kommunikative Praxis geeignet ist. Die herausgearbeiteten Aspekte technisch vermittelter Kommunikation werden schließlich in einem konzeptuellen Modell zusammengefaßt.

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Medienspezifische Kodes in computergestützten Kommunikationssystemen

Georg Wiest, Augsburg

Summary. The success of computer-mediated communication systems is comparable to that of the telephone in the last century. In the social applications of this technology, new media-specific codes have come into use. The present contribution distinguishes between primary codes, which are directly based on operating instructions, and secondary codes, which depend on social usage, vary according to the practical situations and cultures involved, and compromise context-dependent forms, contents, and procedures. Both professional use of electronic mail (e-mail) in organizations and its private use via mailboxes are shown to have resulted in a broad spectrum of secondary codes, which have been introduced partly to overcome weaknesses of the medium and partly to exploit new possibilities. It is predicted that intensified efforts at standardization and normalization will lead to extensive code changes.

Zusammenfassung. Computergestützte Kommunikationssysteme haben einen ähnlichen Siegeszug angetreten wie das Telefon im vergangenen Jahrhundert. Im Zuge der sozialen Aneignung dieser Technologie haben sich wie beim Telefon neue medienspezifische Kodes gebildet. Im vorliegenden Beitrag wird unterschieden zwischen primären Kodes, die direkt durch die zugrunde liegenden technischen Bedienungsvorschriften bedingt sind, und sekundären Kodes, die auf einer sozialen Praxis beruhen, entsprechend dem Nutzungszusammenhang in kulturabhängiger Weise variieren und kontextabhängige Formen, Inhalte und Prozeduren umfassen. Wie die Untersuchung zeigt, hat sowohl die professionelle Nutzung der elektronischen Post (E-mail) in Organisationen als auch ihre private Nutzung via Mailboxen zu einem breiten Spektrum sekundärer Kodes geführt, die teilweise zur Kompensation von Schwächen, teilweise zur Ausnutzung von neuen Möglichkeiten des Mediums dienen. Im Rahmen der Bemühungen um stärkere Standardisierung und Normierung wird ein grundlegender Kodewandel prognostiziert.

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Medienspezifische Arten des Sachbezugs: Referenz in computergestützten Kommunikationssystemen

Gerald Wagner, Freie Universität Berlin
Michael Schlese, DGB Technologieberatung

Summary. The authors of this contribution investigate interrelations among technology, sociology, and semiotics. They regard functional technology as a semiotic phenomenon and present two case studies of computer-mediated communication: (1) global interaction by means of the Internet Relay Chat (IRC) program; (2) medical decision making by means of the medical expert system Medex. In both cases, the problem of constructing system-external reality is discussed. In the IRC case, this reality comprises electronic communities of program users with their own personal identities, emotions, and attitudes. Special devices for their development such as email addresses, smileys, and other emoticons are described. In the Medex case, the system-external reality to be analyzed consists of patients in medical intensive care units. The focus of this discussion is on the interrelations among the patient’s state of health, computerized patient information, therapeutic procedures offered by the expert system, and decisions made by the physicians. The authors find that the social conditions for the long-term success of a computer-mediated communication  system involve functional communities of users, well-defined codes, and the possibility of application to a reality independent of the system.

Zusammenfassung. Die Verfasser dieses Beitrags untersuchen das Verhältnis zwischen Technologie, Soziologie und Semiotik. Sie betrachten das Funktionieren von Technik als semiotisches Phänomen und präsentieren zwei Fallstudien über computergestützte Kommunikationssysteme: (1) globale Interaktion mit Hilfe des Internet Relay Chat Programms (IRC), (2) ärztliche Entscheidungsfindung mit Hilfe des Expertensystems Medex. In beiden Fällen geht es um das Problem der Konstruktion einer systemexternen Realität. Beim IRC haben sich elektronische Gemeinschaften von Programmbenutzern mit ihren persönlichen Identitäten, Gefühlen und Einstellungen gebildet. Besondere Hilfsmittel für die Konstitution solcher Gemeinschaften wie E-Mail-Adressen, Smileys und andere Emotikons werden analysiert. Bei Medex besteht die systemexterne Realität aus Patienten auf Intensivstationen. Hier wird nach dem Verhältnis zwischen deren Körperzustand, seiner digitalisierten Form, den vom Expertensystem vorgeschlagenen Therapien und den Therapie-Entscheidungen der Ärzte gefragt. Wie sich herausstellt, ist ein Erfolg computergestützter Kommunikationssysteme auf Dauer abhängig von funktionierenden Benutzergemeinschaften, wohldefinierten Kodes und der Möglichkeit, auf eine unabhängig vom System zugängliche Realität zu verweisen.

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Rettet das Telefon! Ein Plädoyer für verhülltes Sprechen

Ulrich Thomas Lange, Freie Universität Berlin

Summary. The telephone as medium of communication is characterized by two essential technically based constraints: (1) The option of initiating a conversation always belongs to the person calling, who in turn is dependent on the spontaneous response of the person called; (2) the visual, olfactory, tactile, and thermal properties of the conversation partner are inaccessible and this considerably delimits the perception of the communication situation and the transmisson of verbal messages. As in other technical media (telegraph, telefax, email), the telephone allows for only a partial social presence of the interlocutors. However, this reduced presence need not be disadvantageous; instead it can be an opportunity for communicative interaction which is lacking between interlocutors fully present to one another: In every society, there is a need for communication involving anonymous, only partially identified, or at least visually unknown partners; everyone has a right to limit his or her attention to selected properties of the interlocutor and to listen or watch only partially. The media-specific constraints of traditional telephone conversations will soon be modified in predictable ways by the introduction of additional technology such as answering machines and picture telephones. The present contribution analyzes expected modifications and vertures some prognoses.

Zusammenfassung. Das Telefon als Medium der Kommunikation ist durch zwei wesentliche technisch bedingte Beschränkungen gekennzeichnet: (1) Die Möglichkeit, ein Gespräch zu initiieren, liegt immer nur beim Anrufer, welcher sich auf die spontane Reaktion des Angerufenen verlassen muß; (2) die visuellen, olfaktorischen, taktilen und thermalen Eigenschaften des Gesprächspartners bleiben verhüllt, was die Wahrnehmung der gemeinsamen Kommunikationssituation und die Mitteilung nonverbaler Botschaften stark beeinträchtigt. Wie bei anderen technischen Medien (Telegraph, Telefon, E-Mail) ermöglicht das Telefon den Kommunikationspartnern nur eine partielle soziale Präsenz. Diese reduzierte Präsenz kann jedoch nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Chance sein, indem sie Gespräche zuläßt, die bei voller Präsenz der Partner unterbleiben würden: In jeder Gesellschaft gibt es einen Bedarf an Kommunikation mit anonymen, nur teilweise identifizierten oder zumindest visuell unbekannt bleibenden Gesprächspartnern; jede Person hat ein Recht darauf, ihre Konzentration auf ausgewählte Eigenschaften des Gesprächspartners zu richten und ihm nur teilweise zuzuhören oder zuzusehen. Die medienspezifischen Beschränkungen der Telekommunikation werden sich durch die Einführung von Zusatzgeräten wie dem Anrufbeantworter und dem Bildtelefon in vorhersagbarer Weise verändern. Der vorliegende Beitrag untersucht die zu erwartenden Veränderungen und wagt eine Prognose.

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Schau-Gespräche, Freitagnacht: Dialogsorten öffentlicher Kommunikation und das Exempel einer Talkshow

Ernest W.B. Hess-Lüttich, Universität Bern

Summary. This contribution describes the multi-layered structure of public conversations such as theatrical dialogues, TV discussions, and talkshows. Therein each speaker uses one and the same utterance to perform several speech acts addressed to different people and having different perlocutionary effects. The addressees in a talkshow can belong to the inner circle of invited protagonists, specially invited studio guests, the general studio audience, the TV viewers at large, and, potentially, the general public. The possibility of feedback from these audiences depends on the discourse strategies of the talkmaster. This is exemplified with a case study, in which the conversational interaction between the participants of a special talkshow (from the Berlin series "Freitagnacht") is analyzed.

Zusammenfassung. Der vorliegende Beitrag bescgreibt die mehrschichtige Struktur öffentlicher Gespräche wie des Theaterdialogs, der Fernsehdiskussion und der Talkshow. In ihnen benutzt jeder Sprecher ein und dieselbe Äußerung, um damit mehrere verschiedene Sprechakte zu vollziehen, die sich an verschiedene Adressaten richten und unterschiedliche perlokutive Effekte haben. Die Adressaten einer Talkshow gehören zur inneren Runde der Gesprächskontrahenten, zu kleinen Satelliten-Runden von geladenen Gästen im Studio, zum allgemeinen Studio-Publikum, zu den Zuschauern am häuslichen Fernsehgerät und, möglicherweise, zur allgemeinen Öffentlichkeit. Die Chancen dieser diversen Adressaten, eine Antwort zu plazieren, hängen von der Diskursstrategie des Talkmasters ab. Dies wird exemplarisch diskutiert anhand einer Fallstudie der Gesprächsinteraktion zwischen den Teilnehmern an einer speziellen Sendung (aus der Berliner Talkshow-Serie "Freitagnacht").

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Computerzombie oder Homo ludens? Tendenzen der Forschung zum Computer- und Videospiel

Ralf Schlechtweg-Jahn, Universität Bayreuth

Summary. Computer games are constituent parts of postmodern popular culture. They transcend the boundaries between fiction and non-fiction, game and imagination, adult and youth culture, and enable the players to try out ever new identities. Educational critics often fail to recognize these characteristics and indulge in wishful thinking with an ideal of innocent childhood, which serves to compensate the anxieties of the mainstream culture.

Zusammenfassung. Computerspiele sind Teile der postmodernen Populärkultur. Sie überschreiten die gewohnten Grenzen zwischen Literatur und Sachbuch, Spiel und Fiktion sowie Erwachsenen- und Jugendkultur und erlauben dadurch den Spielern ein fortwährendes spielerisches Erproben von Identitäten. Die pädagogische Kritik verfehlt diese Charakteristik des Computerspiels größtenteils und schafft sich ein Wunschbild von unschuldiger Kindheit, das zur Kompensation der Ängste der dominierenden Kultur herhalten muß.

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