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TU Berlin

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Semiotische Klassiker des 20. Jahrhunderts


Jahr: 1979
Band: 1
Heft: 1

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Klaus Oehler
Idee und Grundriß der Peirceschen Semiotik

Martin Krampen
De Saussure und die Entwicklung der Semiologie

Thure von Uexküll
Die Zeichenlehre Jacob von Uexkülls

Roland Posner
Charles Morris und die verhaltenstheoretische Grundlegung der Semiotik

Hermann Kalkofen
Die Einteilung der Semiotik bei Georg Klaus

Literaturbericht
Achim Eschbach und Wendelin Rader
Semiotik in der Bundesrepublik Deutschland.
I. Ansätze zur theoretischen Semiotik

Karl Eimermacher und Rolf Kloepfer
Semiotik in der Bundesrepublik Deutschland
II. Tendenzen deskriptiver Semiotik


Idee und Grundriß der Peirceschen Semiotik

Klaus Oehler, Universität Hamburg

Summary. The article is divided into three parts. After an introduction, which shows Peirce's place in the history of semiotics, part 1 exhibits the different stations which Peirce passed in his foundation of semiotic. It starts with Peirce's Harvard Lectures, held in 1865, on "The Logic of Science", and ends with the correspondence between Peirce and Lady Welby, which ran from 1903 to 1911. Part 2 analyses the foundations of Peirce's semiotic from a systematic point of view. Part 3 is concerned with the fundamental and universal role, which Peirce ascribes to "the most general science", i.e., semiotic, and its significance for a new theory of knowledge constructed in semiotic terms.

Zusammenfassung. Der Aufsatz zerfällt in drei Abschnitte. Die Einleitung bestimmt Peirces Stellenwert in der Geschichte der Semiotik. Teil 1 skizziert die Stadien der semiotischen Theorienbildung bei Peirce, angefangen von den Harvard Lectures des Jahres 1865 über "Die Logik der Wissenschaft" bis hin zu dem Briefwechsel zwischen Peirce und Lady Welby, der von 1903 bis 1911 dauerte. In Teil 2 werden die Grundzüge der Peirceschen Semiotik systematisch dargestellt. Teil 3 beschreibt die grundlegende und universelle Rolle, die der Semiotik als "allgemeinster aller Wissenschaften" nach Peirce zukommt, und bestimmt ihren Wert für eine neue Erkenntnistheorie.

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De Saussure und die Entwicklung der Semiologie

Martin Krampen,  Hochschule der Künste Berlin

Summary. Semiotic principles for a general theory of signs and of meaning may be derived from de Saussure's general linguistics, which he considered a component of an all encompassing "sémiologie". According to these principles, objects are cognitively constituted by their opposition in classification systems, such classifications are made from the point of view of a given human practice, and the coordination of two systems of classification for such a practice brings about a "semiotic structure". Since the constitution of objects and the formation of semiotic structures depend on human practice, sign processes turn out to be socially and historically determined.

Zusammenfassung. Aus de Saussures Äußerungen zur allgemeinen Sprachwissenschaft, die er als untergeordneten Bestandteil einer umfassenden "Semiologie" betrachtete, lassen sich semiotische Prinzipien für eine allgemeine Zeichen- und Bedeutungslehre ableiten. Zu diesen Prinzipien gehört, daß Objekte erst aufgrund ihrer Oppositionen in Klassifikationssystemen kognitiv konstituiert werden, daß solche Klassifikationen jeweils aus der Perspektive einer bestimmten menschlichen Praxis vorgenommen werden und daß zwei aufgrund einer Praxis koordinierte Klassifikationssysteme eine "semiotische Struktur" bilden. Da Konstitution von Objekten und Bildung semiotischer Strukturen an menschliche Praxis gebunden sind, erweisen sich Zeichenprozesse als gesellschaftlich und historisch determiniert.

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Die Zeichenlehre Jacob von Uexkülls

Thure von Uexküll,  Universität Ulm

Summary. Independently of other currents in semiotics, J. von Uexküll constructed a general sign theory as a basis for his theory of "Umwelt". Following Kant's doctrine of categories he develops the structure of the phenomenal world out of elementary "signs of order" (local, directional, effectuating and temporal signs) in connection with "signs of content" (receptor reactions to colours, sounds, smells, etc.). In the functional cycles of living beings receptors play the role of "receivers" processing signs according to species-specific codes. The sources of stimulation are "senders" producing from the outside (from the "non-self") signs which are registered by the "self" as "receptor signs". The stimulation source is in turn changed by "effector signs" emitted by the "self".

Zusammenfassung. J. von Uexküll hat als Grundlage seiner Umweltlehre eine von anderen semiotischen Theorien unabhängige allgemeine Zeichentheorie aufgebaut. Auf der Basis der Kantschen Kategorienlehre entwickelt er den Aufbau der menschlichen Erscheinungswelt aus elementaren Ordnungszeichen (Lokal-, Richtungs-, Wirk- und Zeitzeichen) und Inhaltszeichen (Zellreaktionen auf Farben, Töne, Gerüche usw.). In den Funktionskreisen der Lebewesen spielen die Rezeptoren die Rolle von "Empfängern", welche Zeichen nach artspezifischen Kodes verarbeiten. Die Reizquellen wirken als "Sender", die von außen (vom "Nicht-Selbst") die vom "Selbst" als Merkzeichen registrierten Zeichen aussenden, und die dann wiederum durch vom "Selbst" ausgehende Wirkzeichen verändert werden.

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Charles Morris und die verhaltenstheoretische Grundlegung der Semiotik

Roland Posner, Technische Universität Berlin

Summary. For Morris, action is impossible without sign processes and values. He investigates the underlying sign and value systems on the basis of Mead's analysis of behavior and introduces semiotics as a systematization of the positions of pragmatism, empiricism, and logical positivism. Accordingly, sign processes and sign systems have to be described from the perspectives of pragmatics, semantics, and syntactics. None of these perspectives permits isolating sign behaviour from the functional context of action. Therefore, the "phases of the act" postulated by Mead, i.e. perception, manipulation, and consummation, can be used as a basis for the definition of dimensions of signification and of sign use. Onto- and phylogenetically, sign behavior and value behavior have developed from impulse-directed reception of simple signals to purposive production of complex symbols. This development allows one to anticipate future action and has thus contributed to the rise of consciousness, freedom, and responsibility. Yet Morris' semiotics does not aim at prescribing specific rules of grammar or ethics, it rather lays the behavioural foundations for any kind of grammar or ethics in terms of "objective relativism".

Zusammenfassung. Handeln ist für Morris undenkbar ohne Zeichenprozesse und Wertvorstellungen. Er untersucht die zugrunde liegenden Zeichen- und Wertsysteme auf der Basis der Meadschen Verhaltensanalyse und führt die Semiotik ein als Systematisierung der Ansätze des Pragmatismus, Empirismus und logischen Positivismus. Zeichenprozesse und Zeichensysteme sind dementsprechend unter pragmatischem, semantischem und syntaktischem Aspekt zu beschreiben. Keiner dieser Aspekte erlaubt aber die Herauslösung des Zeichenverhaltens aus dem funktionalen Zusammenhang des Handelns. Daher können die von Mead postulierten Handlungsphasen der Orientierung, Bearbeitung und Erfüllung zum Leitfaden für die Definition von Dimensionen der Bezeichnung und des Zeichengebrauchs werden. Die Entwicklung des Zeichen- und Wertverhaltens von der impulsgesteuerten Rezeption einfacher Signale bis hin zur zweckgerichteten Produktion komplexer Symbole ermöglicht die Antizipation eigener und fremder Handlungen und damit die Entstehung von Bewußtsein, Freiheit und Verantwortung. Doch zielt die Morrissche Semiotik nicht etwa auf eine präskriptive Grammatik und eine normative Ethik ab, sondern auf die verhaltenstheoretische Fundierung aller Grammatik und Ethik im Sinne eines "objektiven Relativismus".

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Die Einteilung der Semiotik bei Georg Klaus

Hermann Kalkofen, Institut für den Wissenschaftlichen Film, Göttingen

Summary. Klaus' semiotics is based on a critical elaboration of Morris' sign theory. From the latter the elements constitutive of the sign relations are deduced: (material) object O, linguistic sign Z, mental image of the object A, and persons M. Specific for Klaus' semiotics is the dialectic-materialist interpretation of the relation between object and mental image. Consequently, over and above the investigation of the syntactic, semantic and pragmatic sign relations, the special discipline of sigmatics is postulated as the study of the relation ZO. The purely linguistic interpretation of the sign and the relation between sign and mental image give rise to a number of special problems.

Zusammenfassung. Die Semiotik von Klaus basiert auf einer kritischen Verarbeitung der Morrisschen Zeichentheorie. Aus ihr werden die für den relationalen Zeichenbegriff grundlegenden Elemente (materielles) Objekt O, sprachliches Zeichen Z, gedankliches Abbild A und Menschen M gewonnen. Ihren spezifischen Charakter erhält die Klaussche Semiotik durch die dialektisch-materialistische Interpretation der Beziehung zwischen Objekt und gedanklichem Abbild. Das führt dazu, daß über die Untersuchung der syntaktischen, semantischen und pragmatischen Zeichenrelation hinaus die Untersuchung der Beziehung ZO in der Sigmatik postuliert wird. Aus der rein sprachlichen Interpretation des Zeichens und aus seiner Beziehung zum Abbild ergeben sich spezielle Probleme.

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