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TU Berlin

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Verhaltenspartituren: Notation und Transkription


Jahr: 1979
Band: 1
Heft: 2/3

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Thomas Luckmann
Einleitung

Peter Gross
Gesprochenes verschriften und Miteinander beschreiben. Einige Unterschiede und Probleme

Bernd Switalla
Die Identifikation kommunikativer "Daten" als sprachtheoretisches Problem

Klaus R. Scherer, Harald G. Wallbott, Ursula Scherer
Methoden zur Klassifikation von Bewegungsverhalten: Ein funktionaler Ansatz

Siegfried Frey, Hans-Peter Hirsbrunner, Annemarie Bieri-Florin
Vom Bildschirm zum Datenprotokoll: Das Problem der Rohdatengewinnung bei der Untersuchung nichtverbaler Interaktion

Peter Winkler
Notationen des Sprechausdrucks

Uli S. Jorns
Kodierung und Sinnzuschreibung bei der Notation nichtverbaler Phänomene dargestellt an Beispielen von Kopfhaltungen und Gesichtsbewegungen

Einlage
Bernd Schneider
Tüt-tüüüt: Fernsprechzeichen, amtlich transkribiert

Projekte
Wilfried Passow
Theatrale Produktion und Rezeption im Labor der Theaterwissenschaft

Luis J. Prieto
Entwurf einer allgemeinen Semiologie

Literaturberichte
Vilmos Voigt
Semiotik in Osteuropa
I. Albanien, Bulgarien, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen

Thomas.-M. Seibert
Zur Entwicklung semiotischer Fragestellungen in der rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung


Gesprochenes verschriften und Miteinanderreden beschreiben. Einige Unterschiede und Probleme

Peter Gross, Universität Konstanz

Summary. For a number of reasons the face-to-face situation is of great importance in everyday life and the social sciences. With regard to the latter, one of these reasons pertains to the production of data or data-material. A very large portion of data is gathered by social scientists using the face-to-face situation as a tacit resource. A critical and reflective methodology of the social sciences should, however, look at the face-to-face situation as a topic in its own right. While a "description" of face-to-face relationships does not seem to entail difficulties as long as it is confined to transcripts of the spoken word, such "descriptions" become more difficult if than attempt is made to include paralinguistic, prosodic and visually organized phenomena. Standardized notational systems (coding systems) exist for the former but are almost nonexistent for the latter phenomena. This contribution seeks to shed some light on some of these problems.

Zusammenfassung. Die face-to-face-Situation ist in verschiedener Hinsicht von großer Bedeutung für die Sozialwissenschaften; sie ist der Prototyp der zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie ist aber auch im Hinblick auf die sozialwissenschaftliche Datengewinnung zentral. Der Großteil der sozialwissenschaftlichen Daten wird in face-to-face-Situationen gewonnen. Eine reflektierte sozialwissenschaftliche Methodologie muß sich deshalb mit der face-to-face-Situation befassen. Deren Beschreibung bereitet solange keine Schwierigkeiten, als man sich auf die Verschriftung des Gesprochenen beschränkt. Schwierigkeiten treten aber auf, wenn man versucht, die face-to-face-Situation in ihren vokalen und nichtverbalen Aspekten zu beschreiben. Diese sind nicht direkt in "Alphabetsprachen" übersetzbar. Der folgende Beitrag versucht auf einige Probleme hinzuweisen, die sich bei der Beschreibung der face-to-face-Situation ergeben.

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Die Identifikation kommunikativer "Daten" als sprachtheoretisches Problem

Bernd Switalla, Technische Hochschule Aachen

Summary. The article discusses the notion of "data" in verbal and nonverbal discourse and the use of this notion in communications research. It analyses various ways of identifying elementary and complex units of communication and elucidates the role of pragmatic presuppositions in the implied understanding of such units and their boundaries. It is concluded that the constitution and methodical interpretation of communication data should be based on a theory of symbolic action and that notational practice should also follow these lines. On the basis of a notational example some initial practical suggestions are made, and some consequences are drawn for the use of notational systems in general.

Zusammenfassung. Der Aufsatz diskutiert anhand von Beispielen aus dem Bereich verbaler und nichtverbaler Kommunikation den Begriff des "Datenmaterials" und seine Verwendung in der Kommunikationsforschung. Er analysiert Wege zur Identifikation von elementaren und komplexen Kommunikationseinheiten und bespricht pragmatische Präsuppositionen des implizierten Verstehens dieser Einheiten und ihrer Grenzen. Wie die Argumentation ergibt, sollte die Konstitution und methodische Interpretation von Kommunikationsdaten auf die Grundlage einer Theorie der Zeichenhandlungen gestellt werden, der auch die Notationspraxis zu folgen hat. Ausgehend von einem Notationsbeispiel werden erste praktische Vorschläge erarbeitet und allgemeine Konsequenzen für den Gebrauch von Notationssystemen erörtert.

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Methoden zur Klassifikation von Bewegungsverhalten: Ein funktionaler Ansatz

Klaus R. Scherer, Harald G. Wallbott und Ursula Scherer, Universität Gießen

Summary. Nonverbal signs in communicative behaviour are difficult if not impossible to "transcribe" since their coding is continuous, iconic, and probabilistic rather than discrete, arbitrary, and invariant as is the case for most verbal signs. Therefore we suggest that coding systems for nonverbal behaviour be employed that rely on the segmentation of movements into functional units. A coding system for hand, head, and body movements based on the work of Ekman and Friesen is described and reliabilities (Cohen's Kappa) are reported. Preliminary results from two studies using these systems suggest interesting relationships between nonverbal behavior and personality traits of actors and the attribution of personality traits by raters. In addition, a computer-generated multi-channel behavior score containing verbal, nonverbal, and paralinguistic indices is presented. It serves as an example for the use of these coding categories in micro-analyses of the relationships between behavior patterns in different communication channels.

Zusammenfassung. Nichtverbale Zeichen im kommunikativen Verhalten zu "transkribieren" ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, denn ihre Kodierung ist nicht, wie bei den meisten verbalen Zeichen, diskret, arbiträr und invariant, sondern kontinuierlich, ikonisch und probabilistisch. Es wird daher vorgeschlagen, für nichtverbales Kommunikationsverhalten Notationssysteme zu benutzen, die auf einer Segmentierung von Bewegungen in funktionale Einheiten beruhen. Ausgehend von den Arbeiten von Ekman und Friesen wird ein Notationssystem für Hand-, Kopf- und Körperbewegungen beschrieben und seine Reliabilität (mit Hilfe von Cohens Kappa) angegeben. Erste Ergebnisse zweier Untersuchungen, die sich dieser Notationssysteme bedienen, deuten auf interessante Beziehungen zwischen den Persönlichkeitseigenschaften von Akteuren sowie den Persönlichkeitszuschreibungen von Beurteilern und nichtverbalen Verhaltensweisen hin. Außerdem wird eine mit Hilfe eines computergestützten Verfahrens erstellte Verhaltenspartitur vorgestellt, die verbale, nichtverbale und paralinguistische Indizes enthält und zeigt, wie die erwähnten Kodierungskategorien in Mikroanalysen der Beziehungen zwischen Verhaltensweisen in verschiedenen Kommunikationskanälen verwendet werden.

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Vom Bildschirm zum Datenprotokoll: Das Problem der Rohdatengewinnung bei der Untersuchung nichtverbaler Interaktion

Siegfried Frey, Hans-Peter Hirsbrunner und Annemarie Bieri-Florin, Universität Bern

Summary. The paper discusses methodological problems inherent in current attempts to notate spontaneous movement. Design features of three basic strategies for constructing code catalogues are being described and evaluated with respect to the possibilities they provide, and the limitations they impose upon the investigation of nonverbal behavior. It is being shown that many of the problems which render coding of nonverbal behavior difficult, arise from the definitions of the coding units employed, rather than from the complexity of the phenomena that are to be assessed. A newly developed technique, based on a time series description of nonverbal interaction, is being described and discussed with regard to the possibilities it offers for a more extensive assessment and analysis of nonverbal behavior in face-to-face interaction.

Zusammenfassung. Im ersten Teil der Arbeit werden die methodischen Eigenschaften verschiedener Ansätze zur Erfassung des nichtverbalen Verhaltens untersucht. Die Gründe für das Fehlen einer leistungsfähigen, breit einsetzbaren Kodierungssprache werden in den Konstruktionsprinzipien der Notationssysteme lokalisiert, insbesondere in der Entscheidung, das Bewegungsverhalten mit Hilfe von Bewegungstermini zu kodieren. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Frage untersucht, welche Möglichkeiten ein Meßansatz bietet, der das komplexe Bewegungsgeschehen auf der Basis von Positionszeitreihen erfaßt.

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Notationen des Sprechausdrucks

Peter Winkler,  Universität Konstanz

Summary. In general, there are three different kinds of notation for paralinguistic features. a) normal phonetic transcriptions, b) verbal transcriptions by trained and untrained raters, and c) auxiliary use of measurement of acoustic parameters and their visualization. Normally, combinations of these three modes of transcription are used. In this paper we discuss: the relationship and the difference between measurement and descriptions; theoretical constructs and symbols of notation; transcripts and their reproductions. Examples of notations which are used in empirical research illustrate the manner of the phoneticians' notation of nonverbal-vocal, non-lexical, and prosodic features, suprasegmentals, and voice quality, and demonstrate which units are selected for transcriptions. Synthesis of measurements and verbal descriptions, adequacy of selection, scientific terms related to common sense verbalizations, definite and detailed signs allow to improve the quality of notations.

Zusammenfassung. Im allgemeinen können paralinguistische Merkmale auf dreierlei Arten notiert werden: a) mittels normaler phonetischer Transkriptionen, b) mittels verbaler Beschreibungen durch trainierte und untrainierte Hörer und c) mittels zusätzlicher Messungen der akustischen Größen sowie deren Visualisierungen. Gewöhnlich werden Kombinationen dieser drei Möglichkeiten verwendet. In diesem Artikel werden die Beziehungen und Unterschiede zwischen Messung und Beschreibung, theoretischen Konstrukten und Notationszeichen, Transkriptionen und deren Reproduktionen betrachtet. Notationsbeispiele aus empirischen Arbeiten verdeutlichen, wie in der Phonetik nichtverbal-stimmliche und prosodische Merkmale notiert und welche Merkmale ausgewählt werden. Die Zusammenfassung von Messungen und verbalen Beschreibungen, die adäquate Auswahl, die Beziehung von wissenschaftlichen Bezeichnungen auf alltägliche Umschreibungen und eindeutige, differenzierte Zeichen könnten die Güte von Notationen erhöhen.

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Kodierung und Sinnzuschreibung bei der Notation nichtverbaler Phänomene dargestellt an Beispielen von Kopfhaltungen und Gesichtsbewegungen

Uli S. Jorns, Universität Konstanz

Summary. It is argued that generic as opposed to descriptive coding systems do not permit unambiguous reconstruction of the nonverbal phenomena represented. Therefore, a researcher interested, for example, in the role of facial movements in everyday communication will make ambiguous statements, if he bases them on generic coding systems. The categories of such systems contain not only descriptive but also evaluative and inferential elements and are often formulated in everyday language. Thus they are of little help to the researcher, if he does not know how they are constituted in everyday communication. The categories of descriptive coding systems, on the other hand, permit unambiguous reconstruction and give access on the level of coded material to maximum variation of the nonverbal phenomena represented. However, they are void of communicative meaning. The researcher using descriptive coding systems must somehow recapture the dimension of meaning in order to make relevant statements about everyday communication. A procedure to that effect is discussed.

Zusammenfassung. Es wird gezeigt, daß generische im Gegensatz zu deskriptiven Notationssystemen es nicht immer erlauben, die notierten nichtverbalen Phänomene eindeutig zu rekonstruieren. Wer z.B. am Gesichtsausdruck und seiner Rolle in der Alltagskommunikation interessiert ist, wird daher vielfach mehrdeutige Aussagen machen, wenn er sich auf generisch kodiertes Datenmaterial stützt. - Die Kategorien generischer Notationssysteme enthalten eine komplizierte Mischung deskriptiver, evaluativer und inferentieller Elemente und sind außerdem oft alltagssprachlich formuliert. Weiß man nicht, wie sich derartige Kategorien in der Alltagskommunikation konstituieren, so kann man mit ihnen in der Forschung wenig anfangen. - Die Kategorien deskriptiver Notationssysteme erlauben eindeutige Rekonstruktion und verschaffen dem Forscher auf der Ebene des kodierten Datenmaterials Zugang zu einem Maximum an Variabilität der nichtverbalen Phänomene. Allerdings sind sie sinnentleert. Wer deskriptive Notationssysteme benutzt, muß auf irgendeine Weise Sinnzuschreibungen "entdecken", um überhaupt relevante Aussagen über Prozesse der Alltagskommunikation machen zu können. Ein Verfahren zu diesem Zweck wird angegeben.

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