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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Semiotik der Institutionen


Herausgegeben von Ulrich Baltzer

ZfS, Band 23 Heft 2/2001

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Aus dem Inhalt:

Ulrich Baltzer: Ansatzpunkte einer Semiotik der Institutionen (Zusammenfassung)

Gerhard Schönrich: Zur Ontologie der Institutionen (Zusammenfassung)

Ulrich Baltzer: Symbol und Legitimität: Institutionelle Handlungen und Normen (Zusammenfassung)

Stephan Müller: Ritual und Authentizität: Institutionelle Ordnungen des Mittelalters im Spiegel der höfischen Literatur (Zusammenfassung)

Andreas Haltenhoff: Mythos und Handlung: Die „Sitte der Vorväter“ als soziale Institution der Römer (Zusammenfassung)

Einlage

Rainer Steinhart und Dagmar Schmauks: Ampelmännchen (Zusammenfassung)

Veranstaltungen; Veranstaltungskalender; 10. Internationaler Kongress der DGS 2002; Vorschau auf den Thementeil der nächsten Hefte


Ansatzpunkte einer Semiotik der Institutionen

Ulrich Baltzer

Summary. The contributions to this issue, which have all been written within the framework of the  Collaborative Research Center 537 "Institutionality and Historicity" at the Technical University  Dresden, proceed from the assumption that institutionality is essentially a semiotic phenomenon. This introductory article points out the advantages of this approach by analysing the three types of  institution theories available today (Luhmann, Berger & Luckmann and Gehlen). It is demonstrated  how a semiotic conception of social institutions can circumvent the problems that have brought traditional theories of institutions into disrepute.

Zusammenfassung: Die Beiträge zu diesem Heft, die im Sonderforschungsbereich 537  „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ an der TU Dresden entstanden sind, gehen von der Annahme  aus, dass Institutionalität im Wesentlichen ein semiotisches Phänomen ist. Welche  Anknüpfungspunkte, aber auch welche Vorteile ein solcher Ansatz mit Blick auf traditionelle  Konzeptionen besitzt, wird deutlich in einer Skizze der drei Haupttypen der Institutionentheorie nach  Luhmann, Berger & Luckmann und Gehlen. Insbesondere wird sichtbar, wie ein semiotisches  Institutionenverständnis es ermöglicht, die Probleme zu vermeiden, die die traditionelle  Institutionentheorie in Verruf gebracht haben.

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Zur Ontologie der Institutionen

Gerhard Schönrich

Summary. Instead of taking an already completed theory of institutions as a starting point and  analyzing its ontological commitments, the article at hand examines possible ontologies with respect  to their appropriateness for an adequate theory of institutions. It transpires that the ontology inherited from Aristotle which we are used to applying in our everyday life cannot sufficiently answer decisive questions concerning the conditions of identity and of individuation of institutions such as a parliament because this ontology models reality on the basis of concrete objects persisting in time. An analysis  of alternative options in ontology, ranging from monist approaches to complex systems of states of  affairs, leads the author to propose a modified process ontology. A critical discussion of this  proposal yields a semiotically motivated revision, which is shown to fulfill all the necessary  requirements.

Zusammenfassung. Die folgende Abhandlung geht nicht von einer fertigen Institutionentheorie aus, um dann nach deren ontologischen Verpflichtungen zu fragen, sondern versucht umgekehrt, anhand von Beispielen aus dem Parlamentswesen mögliche Ontologien auf ihre Tauglichkeit für eine solche  Institutionentheorie zu prüfen. Dabei zeigt sich, dass unsere aristotelisch geprägte Alltagsontologie mit ihrer Festlegung auf unabhängig in der Zeit persistierende konkrete Einzeldinge als Paradigma der Wirklichkeit die ontologisch entscheidenden Fragen nach den Identitäts- und Individuationsbedingungen von Institutionen nicht befriedigend beantworten kann. Eine Durchsicht  der heute diskutierten Ontologietypen von monistischen Ansätzen bis hin zu komplexen  Sachverhaltsontologien führt schließlich zum Konzept einer abweichenden Prozessontologie als  aussichtsreichster Kandidatin. In einer kritischen Diskussion wird deren Grundidee zwar bestätigt, jedoch einer durchgreifenden semiotischen Revision unterworfen.

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Symbol und Legitimität: Institutionelle Handlungen und Normen

Ulrich Baltzer

Summary. This article answers the question of what gives institutional acts, such as ticket inspection in a train, their legitimacy. Peirce’s semiotic is used to demonstrate that every social act has the  relational structure of a sign. Social acts acquire institutional status by referring to other acts of the same type and to social acts of other types which are interpreted as institutional acts because they  are all related to a specific perceptible entity. This is why all institutional acts are symbolic processes. Now, the philosophical debate on what it means to follow a rule has shown that the normative  activities which give rule-governed acts their normative status can be described as symbolic  processes in the same sense. Therefore, institutional acts can be said to have an internal relation with normativity.

Zusammenfassung. Diese Abhandlung beantwortet die Frage, was institutionellen Handlungen wie  etwa der Fahrkartenkontrolle in der Eisenbahn ihre Legitimität verleiht. Auf der Grundlage von  Peirces Semiotik wird nachgewiesen, dass jede institutionelle Handlung zeichenhaft strukturiert ist, da sie auf andere Handlungen desselben Typs wie auch auf Handlungen anderer Typen verweist, die  alle wegen ihrer Bezogenheit auf eine sinnenfällige Entität als Handlungen derselben Institution  interpretiert werden. Dies macht institutionelle Handlungen zu symbolischen Prozessen. Im Anschluss an die philosophische Debatte über das, was es heißt, einer Regel zu folgen, wird herausgestellt, dass die normativen Aktivitäten, die der Regelbefolgung ihren normativen Status verleihen, sich als  symbolische Prozesse im zuvor erläuterten Sinn verstehen lassen. Institutionelle Handlungen besitzen  folglich dank ihrer symbolischen Struktur eine interne Relation zur Normativität.

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Ritual und Authentizität: Institutionelle Ordnungen des Mittelalters im Spiegel der höfischen Literatur

Stephan Müller

Summary. Ritualized forms of action play a dominant role in the evolution of institutions in medieval European culture. The article at hand discusses the sign character of such regulative and orienting  forms of action. The result is that medieval ways of public symbolic communication only partially function according to the logic of signs. This is due to the fact that medieval hermeneutic categories differ from those of the modern age. However, these very categories allow a description of the pragmatic principles of ritual communication within courtly literature which succeeds in pointing out typical processes of meaning production in medieval society, as is shown with reference to examples from Tristan and Parzival.

Zusammenfassung. Ritualisierte Handlungsformen spielen in den Institutionalisierungsprozessen der  Kultur des Mittelalters eine dominante Rolle. Die Untersuchung fragt nach dem Zeichencharakter  dieser rituellen Ordnungs- und Orientierungsleistungen und zeigt, dass Formen öffentlicher  symbolischer Kommunikation im Mittelalter nur partiell zeichenhaften Logiken gehorchen. Dieser  Befund betont die kategorial verschiedenen hermeneutischen Rahmenbedingungen des Mittelalters, eröffnet aber auch die Möglichkeit, durch die Beschreibung der pragmatischen Spielregeln ritueller Kommunikation Sinnbildungsprozesse der mittelalterlichen Gesellschaft anzusprechen, wie in der höfischen Literatur am Beispiel von Tristan und Parzival nachgewiesen wird.

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Mythos und Handlung: Die „Sitte der Vorväter“ als soziale Institution der Römer

Andreas Haltenhoff

Summary. This article analyzes the structure and function of the mos maiorum, the ‘custom of the forefathers’‚ in Ancient Rome. As a social institution, it was organized around a system of social  values which were represented in exemplary action episodes (exempla virtutis). A semiotic model adapted from Peirce is used to show in which way these action episodes contributed to the reinforcement of the mos maiorum. Their function within social action and communication is described as mythical. Finally, by analyzing examples of a deliberate revision of two traditional myths, typical Roman characteristics of this ‘mythology of the mos maiorum’, are elaborated.

Zusammenfassung. Dieser Beitrag untersucht Struktur und Funktion des mos maiorum, der ‘Sitte der Vorväter’ im antiken Rom. Als soziale Institution war der mos maiorum um ein System sozialer Werte organisiert, das sich in vorbildhaften Handlungsepisoden (exempla virtutis) symbolisch repräsentierte. Auf der Grundlage eines an Peirce orientierten semiotischen Modells wird gezeigt, auf welche Weise diese zur Stabilisierung des mos maiorum beitrugen. Zugleich ergibt sich aus der Beschreibung ihrer Funktion innerhalb des gesellschaftlichen Handlungs- und Kommunikationszusammenhangs der mythische Charakter der exempla virtutis. Die spezifisch römischen Züge einer solchen ‘Mythologie des mos maiorum’ werden abschließend an Beispielen der bewussten Neuprägung zweier überlieferter Erzählungen nochmals verdeutlicht.

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Ampelmännchen

Rainer Steinhart und Dagmar Schmauks

Summary. The figures on pedestrian traffic lights do not only instruct those on foot in traffic to walk or wait, but also have a variety of other semiotic functions. A worldwide comparison reveals significant national differences; however, the prototypical figure on traffic lights is always male and mostly young and dynamic. On the other hand, figures on traffic lights are becoming increasingly standardized, on the other hand, there are designers who create the figure as an individual in relation to certain attributes of his "home environment" for example. Moreover, the material used for figures on traffic lights provides them with an individual "body", which, like any material object, can age and be damaged. Recent years have seen an increase in public prominence for the green and red men – not least as a result of the projects described here. Consequently, they have also managed to establish themselves as a motif in advertising in which the dialectics of advance and pause can be spontaneously understood.

Zusammenfassung. Ampelmännchen fordern nicht nur im Straßenverkehr die Fußgänger zum Gehen oder Warten auf, sondern haben vielfältige weitere Zeichenfunktionen. Ein weltweiter Vergleich ergibt zwar große nationale Unterschiede, aber der prototypische Ampelmensch ist überall männlich und meist jung und dynamisch. Einerseits werden Ampelmännchen zunehmend standardisiert, andererseits gibt es Designer, die den einzelnen Ampelmann als Individuum gestalten, das etwa durch bestimmte Attribute mit seinem „Wohnort“ in Beziehung steht. Ferner erhalten Ampelmännchen durch ihr Matertial einen individuellen „Körper“, der wie jedes materielle Objekt altern und beschädigt werden kann. In den letzten Jahren sind Ampelmännchen – nicht zuletzt durch die hier beschriebenen Projekte – öffentlich stärker beachtet worden als zuvor. Folglich konnten sie sich auch in der Werbung als Motiv etablieren, dessen Dialektik von Fortschreiten und Verharren spontan verstanden wird.

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