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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Fiktionen als Repräsentationen


Herausgegeben von Rolf Breuer

ZfS, Band 24 Heft 4/2002

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Aus dem Inhalt:

Rolf Breuer: Einleitung, p.377

Andreas Bartels: Fiktion und Repräsentation (summary), p.381

Rolf Breuer: Von der Normabweichung zur Fiktionalität: Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks (summary), p.397

Urs Meyer: Fiktionen in der Werbung: Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’ (summary), p.411

Joachim Schröter: Das naturwissenschaftliche Weltbild: Wahrheit oder Fiktion? (summary), p.431

Erhebung

Anne Sauer: Semiotisch relevante Lehre an den Hochschulen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, p.449

Veranstaltungskalender; Förderpreis Semiotik der DGS; Nachrichten aus der SGS/ASS; Vorschau auf den Thementeil der nächsten Hefte


Fiktion und Repräsentation

Andreas Bartels

Summary. Fictional representations which do not refer to any real object are a central obstacle for any theory of representation, and particularly for similarity theories of representation. Works of art are in many cases fictional representations, and from this fact Nelson Goodman has drawn the conclusion that the concept of representation must be replaced by the more general notion of exemplification. The paper aims to show that, contrary to Goodman’s intention, exemplification can be reconciled with representations conceived as structure-preserving mappings. It is argued that scientific models can also be understood as exemplifications of a (not necessarily denoting) structure. In the end, an example from cognitive science is used to further strengthen these considerations. Fictional representations do not present a problem with which structural similarity theories of representation cannot deal.

Zusammenfassung. Fiktionale Repräsentationen, vor allem Repräsentationen, die sich auf keinen realen Gegenstand beziehen, stellen eine Herausforderung für jede Repräsentationstheorie dar, besonders für Ähnlichkeitstheorien der Repräsentation. Nelson Goodman hat aus dem Umstand, dass Werke der Kunst in der Regel fiktionale Repräsentationen sind, den Schluss gezogen, dass der Repräsentationsbegriff durch den allgemeineren Begriff der Exemplifikation ersetzt werden muss. Der Aufsatz versucht zu zeigen, dass die Beziehung der Exemplifikation, entgegen Goodmans Intention, mit dem Begriff der Repräsentation als strukturerhaltender Abbildung im Einklang steht. Es wird gezeigt, dass auch wissenschaftliche Modelle als Exemplifikationen einer (nicht notwendig denotierenden) Struktur verstanden werden können. Abschließend werden diese Überlegungen durch ein kognitionswissenschaftliches Beispiel untermauert. Fiktionale Repräsentationen sind kein zwingendes Gegenbeispiel, an dem eine strukturale Ähnlichkeitstheorie der Repräsentation scheitern muss.

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Von der Normabweichung zur Fiktionalität: Zur Definition des sprachlichen Kunstwerks

Rolf Breuer

Summary. This essay concentrates on the various ways in which literature has been differentiated from non-literature. The criteria of differentiation show themselves to be quite heterogeneous, even incommensurable. Older – essentialist – theories, based on epic and lyric poetry, distinguished between poetic and non-poetic forms of language. Later – relational – theories, often based on the novel, have argued that it is the reference of language to reality that distinguishes fiction from non-fiction. Still more recent theories, accompanied by new forms of literature, see the difference in the eye of the beholder or, rather, reader – and this is a pragmatic criterion for differentiation. Since each perspective yields valuable insights, the question is how the three criteria – essentialist, relational and pragmatic – relate to one another and how writers have prompted, and reacted to, these theories.

Zusammenfassung. Im Folgenden möchte ich in groben Zügen darlegen, wie sich die Auffassung von Literatur in den letzten Jahrhunderten verändert hat, und speziell, was dabei die Kriterien der Abgrenzung der Literatur von anderen Textsorten sind. Es wird sich zeigen, dass die Differenzkriterien für diese Abgrenzung sehr verschiedenartig, ja inkommensurabel sind. Frühere Theorien sehen den Unterschied in der unterschiedlichen sprachlichen Form begründet, also in der Natur der Sache und können „essentialistisch“ genannt werden. Andere Theorien, oft auf den Roman bezogen, sehen den Unterschied in dem unterschiedlichen Wirklichkeitsbezug begründet, also in dem Verhältnis zwischen Sprache und Sache, was ein relationistisches Kriterium ist. Und wieder andere sehen den Unterschied ins Belieben des Betrachters gestellt, also in das Verhältnis des Rezipienten zur Sache, offensichtlich ein pragmatisches Kriterium. Da in allen drei Positionen etwas Richtiges gesehen wird, ist weiterzufragen, wie sich die genannten essentialen, relationalen und pragmatischen Kategorien zu einander verhalten. Dabei beschränke ich mich auf ,erzählende Textsorten’ und lasse das Drama beiseite, um die Argumentation von den Spezifika einer ‚darstellenden’ Gattung zu entlasten.

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Fiktionen in der Werbung: Zur ikonischen Repräsentation von ,wahr’ und ,falsch’

Urs Meyer

Summary. Fiction in advertising is affected not only by legal but also by semantic and pragmatic restrictions. Moreover, fiction in advertising is often produced by visual rather than verbal means. Therefore, the issue of fiction has to be examined from a semiotic perspective: What is the distinctive contribution that visual images make to fiction? Advertising tends to avoid the question of truth in order to increase its suggestive potential (even beyond the fictions of ‘everyday life’). Thus, the problem of reference has to be resolved in a creative way, e. g., by referring to products iconically or symbolically.

Zusammenfassung. In der Werbung unterliegt Fiktion im Gegensatz zur Poesie Einschränkungen juristischer, pragmatischer und semantischer Art. Werbefiktion wird darüber hinaus meist durch visuelle statt sprachliche Mittel realisiert. Die Frage nach der Fiktion muss deshalb aus einer semiotischen Perspektive betrachtet werden: Was ist der spezifische Beitrag von Bildern zur Fiktion? Werbung neigt dazu, der Wahrheitsfrage aus dem Weg zu gehen, um ihr Suggestionspotential zu steigern (auch jenseits von ‚Alltagsfiktionen’). Das Problem der Referenz muss deshalb auf kreative Weise gelöst werden, durch einen ikonischen oder symbolischen Bezug auf das Produkt zum Beispiel.

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Das naturwissenschaftliche Weltbild: Wahrheit oder Fiktion?

Joachim Schröter

Summary. In this essay the question concerning the role of fiction is directed at the world view of the science of physics. A large part of the paper is devoted to establishing a definition of this concept. The method applied towards establishing this definition is a heuristics on the meta-level. It is shown that the concept of a physical theory is a key notion for the understanding of physics as a whole. This concept is explicated on the basis of the approach developed by Günther Ludwig. Having introduced this concept one is able to classify those propositions and terms which constitute the world view of physics in terms of a language. It is shown that the philosophical concept of truth based upon the so-called adaequatio formula is not appropiate for physics and the physical world view. Contrary to this, the notion of fiction is seen to be constitutive for all heuristic processes used to develop physical theories. But the final goal of these processes is to establish a world view without fictions. To conclude, it is argued that these results can be transferred to the other natural sciences.

Zusammenfassung. Die Frage nach der Rolle von Fiktionen wird in diesem Beitrag zunächst an das Weltbild der Physik gerichtet. Der Hauptteil des Artikels ist der Kennzeichnung dieses Begriffs gewidmet. Die dabei angewandte Methode ist eine Heuristik auf der Meta-Ebene. Es wird gezeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis der Physik der Begriff der physikalischen Theorie ist. Er wird auf der Basis des auf Günther Ludwig zurückgehenden Theorienkonzeptes entwickelt. In dem so abgesteckten Rahmen lassen sich diejenigen Aussagen und Terme definieren, die das sprachlich formulierte physikalische Weltbild darstellen. Es wird gezeigt, dass ein Wahrheitsbegriff nach der adaequatio-Formel der Physik nicht angemessen ist. Denn die Fiktionalität ist ein nicht zu eliminierender Bestandteil aller heuristischen Prozesse bei der Entwicklung neuer physikalischer Theorien. Doch bleibt das Ziel in der Physik die Gewinnung eines Weltbildes ohne Fiktionen. Diese Ergebnisse lassen sich auch auf die anderen Naturwissenschaften übertragen.

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