direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Die prototypische Interjektion: Ein Definitionsvorschlag

Damaris Nübling, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Zusammenfassung. Interjektionen werden oft als eine Art Sammelbecken anderweitig nur schwer einzuordnender Partikeln betrachtet. Der vorliegende Beitrag untersucht das interjektionale Spektrum, das von primären (emotiv-expressiven) Interjek tionen (wie ach und au) über Appellinterjektionen (he, psst) und sekundären Interjektionen (oh Gott, Donnerwetter) bis hin zu so genannten „Inflektiven“ (ächz, würg) reicht. Dieser Bereich wird von den primär schallimitativen Onomatopoetika (tatütata) abgegrenzt, die ihrerseits unterteilt werden. Anhand zahlreicher funktionaler und formaler Kriterien, die wiederum obligatorischer oder fakultativer Natur sein können, wird versucht, alle diese (und andere) Einheiten um das prototypische Zentrum der Interjektion und des Onomatopoetikums zu gruppieren; dabei wird den funktionalen Eigenschaften der Vorrang gegeben. Die systematische Berücksichtigung all dieser Determinanten führt zu einer komplexen, doch dafür adäquateren Taxonomie des interjektionalen Spektrums und schließt Gliederungs- beziehungsweise Gesprächspartikeln (äh, ne) und kindersprachliche Ausdrücke (Wauwau für ,Hund’) aus.

Nach oben

Interjektionen im Sprachvergleich: Deutsch versus Chinesisch

Chaiqin Yang, Universität Freiburg

Zusammenfassung. Der vorliegende Beitrag kontrastiert deutsche mit chinesischen Interjektionen und Onomatopoetika. Die phonologischen, prosodischen, graphischen, morphologischen und syntaktischen Unterschiede werden systematisch herausgearbeitet. Besonders große Divergenzen treten erwartungsgemäß bei der Verschriftung auf, da jeweils diametral verschiedene Schriftsysteme zugrunde liegen: Das primär phonographische System des Deutschen bildet eine geringere Herausforderung als das ideographisch-syllabische Zeichensystem des Chinesischen. Bei Interjektionen greift das Chinesische zu einer Art graphischem Interjektionsindikator. Bezüglich der Reduplikation verfügt das Chinesische über mehr und andere Verfahren. Im Gegensatz zum flektierenden Deutschen sind die Interjektionen und Onomatopoetika des isolierenden Chinesischen syntaktisch voll integriert.

Nach oben

Zwischen Tierlaut und sprachlicher Artikulation: Zur Phonetik der Interjektionen

Bernd Pompino-Marschall, Humboldt-Universität Berlin

Zusammenfassung. Nach Marty hängt die Sprachform nicht nur von der psychologischen Struktur der Bedeutung ab sondern auch von den tatsächlichen Bedingungen der Mitteilung. Marty vertritt deshalb die Auffassung, dass eine allgemeine und universale Grammatik zwei verschiedene Aufgaben zu lösen hat: Als phänomenologischer Objektivist muss der Semasiologe die Grundstrukturen der inneren (und äußeren) Erfahrung beschreiben, die in jeder menschlichen Sprache zum Ausdruck kommen. Als Sprachtheoretiker muss er andererseits versuchen, einige universale Sprachkonturen als Ergebnis der Grundformen des kommunikativen Handelns zu deuten. Der vorliegende Beitrag ist besonders der Herausarbeitung dieses letzten Themas, d.h. der pragmatischen Fundierung der Sprache durch Marty, gewidmet.

Nach oben

Interjektionen im Gespräch

Sabine Kowal,  Technische Universität Berlin, und
Daniel C. O'Connell, Georgetown University

Zusammenfassung. In der vorliegenden Analyse eines Fernsehinterviews von Günter Gaus mit Katarina Witt aus der Sendereihe Zur Person werden drei linguistische Hypothesen über den Gebrauch von Interjektionen in mündlichen Äußerungen empirisch überprüft: (1) ÄH gehört in die Ausdrucksklasse der Interjektionen (Ehlich 1986); (2) da Interjektionen syntaktisch isoliert sind, werden sie in mündlichen Äußerungen immer durch vorausgehende und nachfolgende Pausen abgegrenzt (Ameka 1992, 1994); und (3) die Satzwörter ja und nein zählen zu den Interjektionen, wenn sie emo-tional aufgeladen sind und deshalb in ihrer phonetischen Realisierung von den Standardformen abweichen (Tesnière 1936). Diese Hypothesen wurden anhand der charakteristischen Distributionen von ÄH, Interjektionen und ja und nein in drei verschiedenen Positionskategorien überprüft: in Relation zu artikulatorischen Phrasen (initial, medial, final oder isoliert), zwischen oder innerhalb von Redebeiträgen und am Anfang zitierter Rede innerhalb eines Redebeitrags. Die Analyseergebnisse widerlegen alle drei Hypothesen mit Einschränkungen bezüglich der dritten Hypothese.

Nach oben

Interjektionen im Zweitsprachenerwerb

Claudia Schmidt, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Zusammenfassung. Einheiten der gesprochenen Sprache wie Interjektionen haben in der Zweitsprachenerwerbsforschung bisher kaum Berücksichtigung gefunden. Ursache hierfür ist vor allem die starke Syntaxorientierung bei der Analyse von Erwerbsverläufen. In der fremdsprachlichen Unterrichtspraxis zeigt sich trotz der zunehmenden Bedeutung der kommunikativen Kompetenz als Lernziel eine ähnliche Situation. Der vorliegende Beitrag untersucht die Gründe für dieses Forschungsdefizit und diskutiert einige Thesen zum Interjektionserwerb. Darauf aufbauend werden zukünftige Forschungsperspektiven entwickelt. Didaktisierungsvorschläge für die Behandlung von Interjektionen im Fremdsprachunterricht werden auf der Grundlage einer exemplarischen Analyse von Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrwerken gewonnen.

Nach oben

Die Visualisierung von Interjektionen in Werbung und Comic

Dagmar Schmauks,  Technische Universität Berlin

Zusammenfassung. Die Visualisierung von Interjektionen in Werbung und Comics ist ein Sonderfall der Aufgabe, Hörbares sichtbar zu machen. Es wird gezeigt, dass diese Umsetzung aus drei Schritten besteht. (1) Zunächst werden Geräusche – dem Lautsystem der betreffenden Sprache entsprechend – durch die gesprochene Sprache wiedergegeben, indem man eigene Ausdrücke einführt („krähen“) oder den Höreindruck so getreu wie möglich wiedergibt („kikeriki“). (2) Bei der Verschriftung dieser Ausdrücke werden spezielle Gestaltungsmittel eingesetzt wie etwa die Graphemballung („psssst!“, „oooooh!“). (3) Die Visualisierung schließlich löst Interjektionen und Geräuschwörter aus dem Raster des Fließtextes und gestaltet sie durch Variationen von Form, Farbe, Größe und Richtung der Zeichen derart, dass zusätzliche Aspekte des ursprünglichen Höreindrucks wiedergewonnen werden.

Nach oben

Das Leib-Körper-Verhältnis und der Pragmatismus: Ein Forschungsbericht

Heidi J. Salaverría,  Hamburg

Zusammenfassung. Während die dualistische Tendenz in der Philosophie fortbesteht, entweder den Körper außenperspektivisch oder den Leib innenperspektivisch zu reflektieren, kann mit der Philosophie des Pragmatismus das Leib-Körper-Verhältnis in seinen Wechselbeziehungen transformativ in den Blick genommen werden. Dabei wird weder der Leib noch der Körper als unhintergehbar postuliert, sondern beide Perspektiven verweisen als variable Gewohnheiten semiotisch aufeinander. Damit wird eine Konzeption vorgeschlagen, die philosophische Vereinseitigungen zugunsten eines reduktiven Physikalismus, eines Sprachidealismus oder einer Leibtranszendenz umgeht und stattdessen den handelnden Leib-Körper mit seinen Gewohnheiten in den Vordergrund stellt. Diese leib-körperlichen Gewohnheiten inkorporieren überdies gesellschaftliche Normen als sozialen Habitus, der sich im handelnden Leib-Körper niederschlägt. Als Konsequenz wird eine Anwendung des Pragmatismus in der Sportwissenschaft vorgeschlagen, durch die sich neue Einsichten in das Leib-Körper-Verhältnis im öffentlichen Leben gewinnen ließen.

Nach oben

Leib, Selbst und Gefühl: Ihre Integrierbarkeit in eine Theorie des Verstehens

Nicole M. Wilk,  Universität Hildesheim

Zusammenfassung. Bei der Auswertung der Forschungsliteratur zur Rolle der Leiblichkeit in semiotischen Verstehenstheorien stößt man auf konkurrierende Ansätze, die sich zumeist in der Art unterscheiden, wie das Leibliche, das Individualpsychische und das Subjektive zu bestehenden semantischen Kategorien hinzugerechnet werden. Durch diese Additionsverfahren jedoch drohen die Welt der Tatsachen und die Welt der Empfindungen weiter auseinanderzufallen. Unter Bezugnahme auf die von der Semiotik in den 90er Jahren angestoßenen subjekttheoretisch gewendeten Körperzeichen- und Zeichenkörper-Theorien schlägt die Autorin vor, Affekte, Emotionen und leibliches Empfinden als konstitutive Elemente in eine leib-semiotische Hermeneutik zu integrieren. Sie entwirft zu diesem Zweck ein von psychoanalytischen Sprachkonzepten inspiriertes Modell, das auf der Annahme eines prinzipiellen Struktur- und Bedingungsverhältnisses zwischen Sprache, Selbst und Psyche basiert.

Nach oben

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe