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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Der Kode: Geheimsprache einer Institution


Jahr: 1980
Band: 2
Heft: 3

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Thomas-M. Seibert
Zur Einführung: "Kode", "Institution" und das Paradigma des Rechts

Robert Birmingham
Recht als Syntax

Ludger Hoffmann
Sprechen vor Gericht. Ein Versuch zur Beschreibung von Kode-Merkmalen

gunter presch
arbeitszeugnisse: entstehung, wandel und funktion von verschlüsselten formulierungen

Einlage
Gert Zeising
Vor dem Gesetz. Eine Parabel

Diskussion
Gernot Wersig
Notizen zu einem kommunikationsorientierten Zeichenbegriff. Neue Richtlinien zur semiotischen Terminologie

Klaus Oehler
Widerspruch

Hans-Heinrich Lieb
Was ist ein Zeichen? Bemerkungen zu einem Explikationsversuch

christian stetter
bericht von einem anderen stern

Holger van den Boom
Warum Frauen mechanodynamische Zeichen lieber mögen als dasjenige, dessen Stelle sie vertreten

Gernot Wersig
Nur Kommunikationsprobleme?

Literaturbericht
André Helbo
Semiotik in den Benelux-Ländern


Zur Einführung: "Kode", "Institution" und das Paradigma des Rechts

Thomas-M. Seibert, Universität Frankfurt

Summary. The article places the concrete examples of this issue in the context of the hitherto abstract discussion about codes. It argues that semiotics should not be understood only as a working back from iconic codes to digital structures, and emphasizes the achievement of practical semiotics and analogous model-building. The characteristic features of institutional codes appear to be repetition, schematization, and reflexivity. Their paradigm is the process of legal rulemaking.

Zusammenfassung. Der Beitrag stellt die konkreten Beispiele dieses Heftes in den Zusammenhang der bisher abstrakt gebliebenen semiotischen Diskussion zum Kode-Begriff. Er plädiert dafür, Semiotik nicht nur als Rückführung ikonischer Kodes auf digitale Strukturen zu verstehen, und betont die Leistungen praktischer Semiose und analogischer Modellbildung. Als Strukturmerkmale institutioneller Kodes erscheinen Wiederholung, Schematisierung und Reflexivität. Als Paradigma dafür steht der Prozeß der Verrechtlichung.

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Recht als Syntax

Robert Birmingham, Universität West Hartford, Connecticut

Summary. There cannot be more cases, including possible cases, than descriptions of them, because it is the ability of judges to tell cases apart that permits them to be different. So it is tempting to try to identify parts of cases, say, facts and results, with their linguistic counterparts: records and judgments. A legal rule, then, being a sort of thing that gets a judge from a record to a judgment, is, in the terminology of Carnap's "Logische Syntax der Sprache", a transformation rule. An opinion in a case is a specification of a transformation rule, and part of the syntax language, as opposed to the object language. The approach helps to explain legal fictions; the most important impediment to it is that the sense of "similar" in which records are similar for purposes of making up legal rules is not likely to be wholly syntactical.

Zusammenfassung. Es kann nicht mehr Fälle geben - einschließlich möglicher Fälle -, als es Beschreibungen von Fällen gibt, denn Richter verfügen über die Fähigkeit, Fälle so auseinanderzuhalten, daß sie unterschiedlich scheinen. Es liegt deshalb nahe, die Elemente eines Falles - also z.B. Tatsachen und Ergebnisse - mit ihren sprachlichen Gegenstücken gleichzusetzen: Tatbestand und Urteilsspruch. Eine Regel veranlaßt den Richter, von einem Tatbestand zu einem Urteilsspruch überzugehen; sie ist also - in der Ausdrucksweise von Carnaps "Logischer Syntax der Sprache" - eine Transformationsregel und gehört zur syntaktisch geformten Metasprache, wenn man diese einer Objektsprache gegenüberstellen will. Ein solcher Ansatz kann juristische Fiktionen erklären; seine wichtigste Einschränkung liegt darin, daß die Bedeutung von "gleich" (in der Tatbestände den Absichten zur Bildung einer Rechtsregel gleichen) syntaktisch wahrscheinlich nicht vollständig zu erfassen ist.

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Sprechen vor Gericht. Ein Versuch zur Beschreibung von Kode-Merkmalen

Ludger Hoffmann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Summary. The example of courts suggests a procedure for analyzing the use of verbal signs in institutions. The pragmatics of institutions concerns initially the "surface structure" of strategies, of act-patterns and utterance-types, and points to the systematic difference between institutional and noninstitutional uses. It is argued that there are "deeper structures" which - in opposition to the official program - determine the real course of actions in institutional contexts.

Zusammenfassung. In diesem Aufsatz wird - am Beispiel des Gerichts - ein Ansatz zur Analyse der Verwendung sprachlicher Zeichen in Institutionen vorgeschlagen. Die Pragmatik von Institutionen zielt zunächst auf die "Oberflächenstruktur" von Strategien, Handlungsmustern und Äußerungsformen, an der die systematische Differenz zu institutionsexternen Verwendungsweisen herauszuarbeiten ist. Zugleich verweist die Untersuchung auf die Existenz "tiefer liegender Strukturen", die sich - im Gegensatz zum offiziellen Programm - als die eigentlichen Determinanten faktischer Abläufe in Institutionen erweisen.

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arbeitszeugnisse: entstehung, wandel und funktion von verschlüsselten formulierungen

gunter presch, universität hamburg

Summary. The use of encoded statements in employee evaluation certificates leads to ambiguity in the meaning of their language, and to its being given specialized meaning. These results are to be explained as an expression of social conflict. Contemporary principles governing the writing of these certificates and the effects of these principles are described and criticized ("ideologiekritischer" approach). The study is complemented and deepened by explanation of these principles as consequences of historically determined and problematic compromises among competing social forces ("sozialgeschichtlicher" approach).

zusammenfassung. die verwendung verschlüsselter formulierungen in arbeitszeugnissen führt zu doppelbödiger und exklusiver bedeutungsgebung und ist zu erklären als ausdruck eines sozialen konflikts. dargestellt und kritisiert werden der heute gültige grundsatz der zeugniserteilung und seine auswirkungen (ideologiekritischer ansatz). ergänzt und vertieft wird die untersuchung durch die erklärung dieses grundsatzes als historisch entstandener und problematischer kompromiß widerstreitender gesellschaftlicher kräfte (sozialgeschichtlicher ansatz).

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