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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Vom Piktogramm zum Alphabet: Semiotik der Schrift


Jahr: 1980
Band: 2
Heft: 4

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Florian Coulmas
Einleitung

Elmar Holenstein
Doppelte Artikulation in der Schrift

Konrad Ehlich
Schriftentwicklung als gesellschaftliches Problemlösen

Florian Coulmas
Schriftentwicklung, Schriftverarbeitung: Herkunft und Funktionsweise der japanischen Schrift

Herbert E. Brekle
Graphemtheoretische Bemerkungen in Benedetto Buommatteis Della Lingua Toscana (1643)

Einlage
Siegfried J. Schmidt
Aphorismen zum Stempeln

Analyse
Helmut Schnelle
Kritische Anmerkungen anhand N. Goodmans Sprachen der Kunst

Diskussion
Elmar Holenstein
Zur semiotischen Funktion der Euler-Kreise und ihrer historischen Alternativen

Christoph Hubig
Replik. Zu Holensteins Bemerkungen über die semiotische Funktion der Euler-Kreise


Doppelte Artikulation in der Schrift

Elmar Holenstein, Ruhr-Universität Bochum

Summary. Apart from the genetic code, double articulation seems to be a privilege of human signs. It implies a specific cognitive competence, the use of tools to build other tools. Generally, in nonlinguistic sign systems with a double articulation the signs of the second articulation are metaphorically used signs of an old first articulation: Signs that were originally sensedeterminative are transformed into sense-discriminative signs. In scripts one finds, in addition to this kind of origin, transformations of genuinely senseless elements into sense-discriminative signs. In this case well-shaped geometric figures are favoured. The double articulation of this kind has primarily an economic motivation. This motivation gains in weight through the technization of scripts.

Zusammenfassung. Wenn man vom genetischen Kode absieht, scheint die doppelteArtikulation ein Privileg menschlicher Zeichen zu sein. Sie impliziert eine spezifische kognitive Kompetenz, den Gebrauch von Werkzeugen zur tablierunganderer Werkzeuge. Bei den meisten außersprachlichen Zeichensystemen mit doppelter Artikulation sind die Zeichen der zweiten Gliederung metaphorisch gebrauchte Zeichen einer ersten Gliederung: Ursprünglich sinndeterminierende Zeichen werden in sinndiskriminierende Zeichen umfunktioniert. Neben dieser Ursprungsform der doppelten Gliederung findet man in SchriftsystemenUmfunktionierungen von an sich sinnlosen Elementen zu sinnunterscheidenden Zeichen. Man konstatiert dabei eine Vorliebe für prägnante geometrische Figuren. Die doppelte Artikulation dieser Art ist primär ökonomisch motiviert. Mit der Technisierung erhält diese Motivation ein zunehmendes Gewicht.

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Schriftentwicklung als gesellschaftliches Problemlösen

Konrad Ehlich, Universität Düsseldorf

Summary. The ancient Middle East writing systems give a good example for the development of writing systems in general. Writing systems are the result of social efforts to overcome the transient character of speech acts. Starting from ancient "count stones" (9000-2000 B.C.), the Sumerian cuneiform script was created as a complex, mainly ideographic, system of language representation. The strategy of problem solving which was applied by the inventors of the cuneiform script can be analyzed semiotically. The complex nature of the linguistic signs proved the ideographic system to be insufficient. In consequence, the phonic dimension of the linguistic sign was made use of to establish better writing systems. The Akkadian syllabic script was a first but insatisfactory solution which followed this line of development. The semitic consonant script constituted a qualitatively new solution which was further elaborated with the type of the Greek consonant-vowel-alphabet.

Zusammenfassung. Die Entwicklung verschiedener Typen von Schrift kann exemplarisch an den vorderorientalischen Schriften analysiert werden (§ 1).
Schrift ist ein gesellschaftlich erarbeitetes Verfahren, das die Flüchtigkeit von Sprechhandlungen überwindet (§ 2). Ausgehend von den "Zählsteinen" (IX.-II.Jahrtausend v.d.Z.) (§ 3), wird mit der sumerischen Keilschrift ein komplexes Repräsentationssystem für Sprache geschaffen, dessen Problemlösungsstrategie semiotisch zu bestimmen ist (§ 4). Angesichts der Komplexität der Sprachzeichen erweist sich das ideographische System (Keilschrift, ägyptische Hieroglyphenschrift) als unzureichend. Nach einer Reihe von Hilfslösungen (§ 5) wird die Suche nach einer Problemlösung auf die Lautseite des Sprachzeichens verlagert (§ 6). Durch Konfrontation mit den semitischen Sprachen, die einem anderen Sprachtyp zugehören, entsteht zunächst als inkonsequente Problemlösung die akkadische Silbenschrift (§ 7). Als qualitativ neuer Lösungstyp schließt sich die semitische Konsonantenschrift an(§ 8). Die Lösungsstrategie, die zu ihrer Entstehung führt, wird ein zweites Mal bei der Erfindung des griechischen Konsonanten-Vokal-Alphabets angewendet (§ 9).

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Schriftentwicklung, Schriftverarbeitung: Herkunft und Funktionsweise der japanischen Schrift

Florian Coulmas, Universität Düsseldorf

Summary. The Japanese writing system is the result of adapting the Chinese script for writing a typologically utterly different and unrelated language. The semiotic relations involved in this system are shown to be incomparably more complex than those characteristic of alphabetic writing systems. In spite of this, it is argued that, as a result of the peculiar nature of kanji, language and writing are more closely realted in Japanese than in alphabetically written languages. Two reasons for this claim are discussed: (1) the historical development of the Japanese writing system, and (2) the functional conditions of its perceptual and mental processing.

Zusammenfassung. Das japanische Schriftsystem ist das Ergebnis der Adaption der chinesischen Schrift für die Schreibung einer typologisch völlig verschiedenen und mit dem Chinesischen nicht verwandten Sprache. Die dieses System auszeichenden semiotischen Relationen sind unvergleichlich viel komplexer als diejenigen, die für alphabetische Schriftsysteme charakteristisch sind.Trotzdem sind Sprache und Schrift aufgrund der besonderen Natur der Kanji im Japanischen enger miteinander verbunden als in alphabetisch geschriebenen Sprachen. Zwei Gründe hierfür werden im einzelnen diskutiert: (1) die historische Entwicklung des japanischen Schriftsystems und (2) die funktionalen Bedingungen seiner perzeptuellen und mentalen Verarbeitung.

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Graphemtheoretische Bemerkungen in Benedetto Buommatteis Della Lingua Toscana (1643)

Herbert E. Brekle, Universität Regensburg

Summary. The following remarks can be considered as a kind of historical foot-note to the topic of this issue. I do not intend to depict any historical relationships between different graphematic positions that have been advocated by various scholars in the course of the history of linguistics. So far, the necessary preparatory investigations for an undertaking of this kind are almost completely lacking. Instead, I will attempt a brief discussion of the essential views of a particular grammarian whose work marks the transition between Renaissance and rationalism.

Zusammenfassung. Die folgenden Bemerkungen können als eine Art historischer Fußnote zum Thema dieses Heftes verstanden werden. Es ist nicht beabsichtigt, hier irgendwelche historischen Zusammenhänge zwischen verschiedenen graphemtheoretischen Positionen, wie sie im Verlaufe der Entwicklung der Sprachwissenschaft bezogen worden sind, aufzuzeigen - im übrigen fehlen hierzu einschlägige Vorarbeiten fast völlig - statt dessen wird hier versucht, die wesentlichsten einschlägigen Standpunkte eines Grammatikers, dessen Werk man als im Übergang von der Renaissance zum Rationalismus stehend betrachten kann, kurz zu diskutieren.

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Einlage: Aphorismen zum Stempeln

Siegfried J. Schmidt, Universität Bielefeld

Summary. The past decades have witnessed the spread of a kind of graphical representation of texts apart from writing and printing: stamping. As yet, little has been said or thought about it in a general semiotic sense. Hence my contribution deals with stamping. The focus of my concern is on the stamping of those text producers who belong, in the widest sense, to Concrete Poetry.

Zusammenfassung. Neben dem Schreiben und Drucken ist in den letzten Jahrzehnten eine Art der graphischen Repräsentation von Texten in Übung gekommen, die in den verschiedensten Lebensbereichen eine Rolle spielt. Wenig genug ist in einem allgemeinen semiotischen Sinne bisher darüber nachgedacht worden. Darum kümmert sich mein Beitrag um's Stempeln. Ich gehe dabei aus vom Stempeln bei solchen Textern, die im weitesten Sinne der Konkreten Poesie zuzuordnen sind.

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