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TU Berlin

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Die Aktualität altgriechischer Semiotik

Zeichen bei Parmenides

Wolfgang Detel, Universität Hamburg

Summary. Before Parmenides, the Greeks understood as sign ("sema") primarily a military signal, road sign, omen, asterisk, or memorial. After Parmenides, supporting evidence and premisses in incomplete arguments were also called signs ("semeion"). This development, which took place between 600 and 300 B.C., may have been influenced by the way Parmenides applied the term sign in his didactic poem. For him a sign ("semeion") is a feature of a concept, i. e. a second-order predicate.

Zusammenfassung: Vor Parmenides verstanden die Griechen unter Zeichen ("sema") vor allem militärische Anweisungen, Wegzeichen, Vorzeichen, Sternzeichen und Mahnzeichen. Nach Parmenides nannten sie zunehmend auch stützende Belege und Prämissen in unvollständigen Schlüssen Zeichen ("semeion"). Diese Bedeutungsentwicklung, die zwischen 600 und 300 vor Christus erfolgte, kann durch den Wortgebrauch bei Parmenides beeinflußt worden sein, der Begriffsmerkmale, d. h. Prädikate zweiter Stufe, als Zeichen ("semeion") bezeichnet.

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Ansätze zu einer semantischen Theorie bei Aristoteles

Hermann Weidemann, Universität Münster

Summary. In chapter 1 of "Peri hermeneias" Aristotle treats the expressions of spoken language as symbols of affections in the soul which in turn are likenesses of things. This paper attempts to show that such a view may be considered the rudiment of a semantic theory that accounts for the conditions under which communication by means of the conventional signs of language is possible.

Zusammenfassung. In dem vorliegenden Aufsatz wird zu zeigen versucht, daß Aristoteles, wenn er im ersten Kapitel seiner Schrift "Peri hermeneias" die Ausdrücke der gesprochenen Sprache als Symbole für seelische Zustände einführt, die ihrerseits Abbildungen von Dingen sind, ansatzweise eine semantische Theorie entwirft, die über die Bedingungen Rechenschaft ablegt, unter denen mit den konventionellen Zeichen der Sprache eine intersubjektive Verständigung über die Wirklichkeit möglich ist.

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Die Anfänge der Relationenlogik und der Zeichenschluß bei Aristoteles

Klaus Oehler, Universität Hamburg

Summary. In Aristotle we find formulations of rules that belong to the logic of relations. These rules are not theorems of the two-place predicate calculus. They involve the use of language and the application of relations. Aristotle's treatment of relatives can be interpreted as the beginning of a logic of relations, because this rudimentary analysis, as well as the theory of inference from signs, anticipates the logical and semiotic thinking of later centuries. Aristotle's contribution to the logic of relations is all the more remarkable in view of the fact that it was not until the 19th century that an explicit logic of relations was expressed in the form of a comprehensive theory.

Zusammenfassung. Es kommt bei Aristoteles zur Formulierung relationenlogischer Regeln. Diese Regeln sind nicht Formen logisch wahrer Sätze (der zweistelligen Prädikatenlogik). Seine relationenlogischen Regeln beschäftigen sich mit dem Sprachgebrauch, der Verwendungsweise von Relationen. Seine Erörterungen von Relativausdrücken sind als Ansätze zu einer Relationenlogik interpretierbar. Diese Anfänge einer Relationenlogik und die Theorie des Zeichenschlusses bei Aristoteles antizipieren die logische Semiotik viel späterer Jahrhunderte. Sein Beitrag zur Logik und Semiotik der Relationen ist um so bemerkenswerter, als erst im 19. Jahrhundert eine explizite Logik der Relationen in Gestalt einer geschlossenen Theorie formuliert wurde, nachdem dieses Desiderat der traditionellen Logik unübersehbar geworden war.

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Megarische Aporien für Freges Semantik. Über Präsupposition und Vagheit

Wolfgang Künne, Universität Hamburg

Summary. This article analyzes two Megarian arguments: the Horned Man and the Heap (or the Bald Man). I first present the most significant ancient versions of these paradoxes. I then treat both arguments as attacks on the principle that every statement is either true or false: Statements with unfulfilled presuppositions seem to be, and statements with vague predicates are, counterinstances to this principle. In the light of the Megarian arguments I finally discuss a fundamental assumption of Frege's semantics: the assumption that the reference (Bedeutung) of a whole sentence is functionally dependent on the reference of its parts. It is shown that no truth-functional logic can provide an adequate basis for the semantics of natural languages.

Zusammenfassung. Thema dieses Aufsatzes sind zwei Megarische Argumente: der Hörnerschluß und der Haufen- oder Kahlkopfschluß. In Teil 1 stelle ich die aufschlußreichsten antiken Zeugnisse für diese Paradoxien zusammen. In Teil 2 interpretiere ich beide Argumente als Angriffe auf das Prinzip, daß jede Aussage entweder wahr oder falsch ist. Das erste Argument bringt das Zweiwertigkeitsprinzip durch das (pragmatische) Phänomen der unerfüllten Voraussetzungen in (überwindbare) Schwierigkeiten (2.1); das zweite Argument bringt das Prinzip durch das semantische Phänomen der Vagheit zu Fall (2.2). In Teil 3 diskutiere ich einen Grundsatz der Fregeschen Semantik - die Funktionalität der Bedeutung - im Lichte der Megarischen Paradoxien. Dabei zeigt sich, daß keine wahrheitsfunktionale Logik ein tragfähiges Fundament für die Semantik der natürlichen Sprachen sein kann.

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