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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Kodewandel


Jahr: 1983
Band: 5
Heft: 1/2

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Ivan Bystrina
Kodes und Kodewandel

Werner Enninger
Kodewandel in der Kleidung. Sechsundzwanzig Hypothesenpaare

Ingeborg Weber-Kellermann und Annegret Hofius
Kodewandel im Brauch

Itamar Even-Zohar
Kodewandel und Sinnentleerung

Siegfried Kanngießer und Jürgen Kriz
Zeichendynamik und Wahrnehmungskodes. Erster Teil: Zu den wahrnehmungspsychologischen Grundlagen semiotischer Prozesse

Einlage
Ingrid Lempp
Oberflächen. Zur Bedeutung flächencharakterisierender Texturen

Projekte
H. Walter Schmitz
Victoria Lady Welby und die Folgen

Hans-Jürgen Eikmeyer und Hannes Rieser
Wortsemantik

Gerhard Strauß und Gisela Zifonun
Wortbedingte Verständigungsprobleme

Literaturbericht
Peter Stockinger
Die "Pariser Schule" der Semiotik


Kodes und Kodewandel

Ivan Bystrina, Freie Universität Berlin

Summary. In the first part of this paper the concept of code is built up in four steps (system/structure - information - invariants - codes). Codes are understood as relatively invariant systems of rules regulating information processes. In the second part a mode of the different code layers is outlined: On the phylogenetically earlier primary or hypolinguistic codes (the genetic code, the intraorganic and perception codes) are superimposed secondary, i.e. linguistic or sign codes, thereby forming the basis for tertiary, i.e. hyperlinguistic or text codes. In the third part the problem of constancy and change of codes is discussed, and a list of categories and problems concerning cultural codes is outlined. It is assumed that the invariants of tertiary codes have developed as imprintings in especially sensitive phases of the evolution
of man.

Zusammenfassung. Im ersten Teil der Arbeit wird der Kodebegriff in vier Schritten aufgebaut. Kodes werden als relativ invariante Regelsysteme aufgefaßt, die Informationsprozesse regeln. Im zweiten Teil wird versucht, ein Schichtenmodell der Kodes zu skizzieren: Auf die phylogenetisch älteren, primären oder hyposprachlichen Kodes (der genetische Kode, intraorganismische und Wahrnehmungskodes) schichten sich sekundäre, sprachliche oder Zeichenkodes auf, die wiederum die Basis für tertiäre, hypersprachliche Textkodes bilden. Im dritten Teil des Aufsatzes wird das Problem der Invarianz und der Variabilität von Kodes untersucht und eine Liste von strukturalen Kategorien der kulturellen Kodes umrissen. Es wird angenommen, daß die Invarianten tertiärer Kodes sich als Prägungen in besonderen sensiblen Phasen der Humanevolution entwickelt haben.

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Kodewandel in der Kleidung. Sechsundzwanzig Hypothesenpaare

Werner Enninger, Universität Essen - Gesamthochschule

Summary. This paper posits three basic premises concerning the semiotic quality of clothing and advances twenty-six pairs of synchronic-diachronic hypotheses on the constitution and reconstitution of clothing codes. It is argued that the clothing varieties of a culture (e. g. uniform, folk costume, and fashion) are constituted and reconstituted by different socio-cultural factors. Synchronically, the clothing repertoire of a culture is therefore inhomogeneous. Diachronically, each variety exhibits specific types of changes that are characterized in the paper.

Zusammenfassung. Außer drei Prämissen zur semiotischen Qualität von Kleidung werden sechsundzwanzig Paare von synchron-diachronen Hypothesen zur Konstitution und Rekonstitution von Kleidungs-Kodes formuliert. Es wird behauptet, daß die Konstitution und Rekonstitution der Kleidungsvarietäten (z. B. Uniform, Tracht, Mode) von unterschiedlichen sozio-kulturellen Faktoren abhängt. Synchron gesehen ist das Kleidungsrepertoire einer Kultur daher inhomogen. Diachron gesehen unterliegt jede Varietät des inhomogenen Kleidungsrepertoires unterschiedlichen Wandlungsprinzipien, die im Text zusammenfassend charakterisiert werden.

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Kodewandel im Brauch

Ingeborg Weber-Kellermann und Annegret Hofius,
Universität Marburg

Summary. In Part 1 of this paper, the authors analyze the code behind central European customs of flax harvest in the 19th century, documented in Mannhardt's corpus of rural rituals (1875). In Part 2, they describe the results of an empirical study about the customs of Christmas celebrations in central European families and their development from 1880 to 1980. According to the authors, the study reveals methodological limits in the structural analysis of folk customs, which can be traced to the differences between codes and cultural symbols.

Zusammenfassung. Die Verfasserinnen analysieren den Kode, der hinter den mitteleuropäischen Bräuchen des Flachsens steht, die in Mannhardts Korpus der Wald- und Feldkulte (1875) dokumentiert sind. Ausgehend von eigenem Material untersuchen sie anschließend die Weihnachtsbräuche in mitteleuropäischen Familien und ihre Entwicklung von 1880 bis 1980. Dabei zeigen sich nach Ansicht der Verfasserinnen methodologische Beschränkungen in der Strukturanalyse von Volksbräuchen, die auf die Unterschiede zwischen Kodes und kulturellen Symbolen zurückzuführen sind.

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Kodewandel und Sinnentleerung

Itamar Even-Zohar, Universität Tel-Aviv

Summary. This paper investigates the relation between means and functions or between sign-carriers and their meanings in various types of discourse. Code change is conceived as resulting from the fact that functions may move from one carrier to another and that carriers may find new functions. While literary theory has frequently emphasized the process of accumulation of functions in given literary sign-carriers, the present paper concentrates on the opposite process of decumulation or depletion. This process is contrasted with desemantization, de-iconization, de-referentialization, automatization, and redundancy. Contrary to the position of Sklovskij, it is argued that depletion must be understood as a necessary correlate of accumulation. As is shown with reference to other studies of the author, depletion provides instruments for the organization of discourse.

Zusammenfassung. Dieser Beitrag untersucht das Verhältnis zwischen Mittel und Funktion oder zwischen Zeichenträger und Bedeutung in Diskursen verschiedener Art. Kodewandel wird mit der Tatsache in Verbindung gebracht, daß Funktionen von einem Zeichenträger auf den anderen übergehen und Zeichenträger neue Funktionen erhalten können. Während die Literaturtheorie bisher meist die Sinnanhäufung, die Akkumulation von Funktionen auf gegebenen literarischen Zeichenträgern studiert hat, konzentriert der vorliegende Beitrag sich auf den Vorgang der Sinnentleerung oder Dekumulation. Dieser Vorgang wird unterschieden von verwandten Erscheinungen wie Entsemantisierung, Entikonisierung, Entreferentialisierung, Automatisierung und Redundanz. Im Gegensatz zu Sklovskij wird betont, daß Sinnentleerung nichts Verdammungswürdiges, sondern ein notwendiges Korrelat der Sinnanhäufung ist. Auf der Grundlage anderer Untersuchungen des Autors wird gezeigt, daß Sinnentleerung u. a. die Aufgabe hat, Hilfsmittel für die Diskursorganisation zu erzeugen.

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Zeichendynamik und Wahrnehmungskodes. Erster Teil: Zu den wahrnehmungspsychologischen Grundlagen semiotischer Prozesse

Siegfried Kanngießer und Jürgen Kriz, Universität Osnabrück

Summary. Part 1 of this article discusses a conception of semiotics according to which all explanations of sign-processes must be based on an explanation of the mechanisms of sign use. These mechanisms are determined by the sign-user's capacity of perception. Part 2 analyzes the structure of perception. The existence of alternative ways of perception is taken as evidence for the hypothesis that there are perceptual codes which can change. Part 3 studies the dynamic processes that lead to transformations of perceptual codes.

Zusammenfassung. Im ersten Abschnitt der Abhandlung wird eine Konzeption der Semiotik entwickelt, derzufolge es, entgegen klassischen Paradigmen der Semiotik, gerade die Erklärung der Mechanismen der Zeichenbeherrschung ist, auf deren Basis jede Erklärung von Zeichenprozessen aufzubauen hat. Einen wesentlichen Teil dieser Mechanismen macht das Wahrnehmungsvermögen der Zeichenbenutzer aus; entsprechend wird im zweiten Abschnitt der Abhandlung geklärt, wie dieses Wahrnehmungsvermögen, das eine der Grundlagen semiotischer Prozesse ist, strukturiert ist, und dies mit dem Ergebnis, daß dieses Vermögen eine Kodestruktur hat. Dabei wird insbesondere die Möglichkeit von Wahrnehmungsalternativen demonstriert, denn die Existenz solcher Alternativen ist die Bedingung der Möglichkeit für den Wandel von Wahrnehmungskodes, der seinerseits dann Zeichendynamik induzieren kann, wie umgekehrt auch die Zeichendynamik Transformationen von Wahrnehmungskodes in Wahrnehmungskodes bewirken kann. Die Struktur dieses Systems von Wechselwirkungen wird im dritten Abschnitt in erster Näherung erläutert.

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