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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Kunst und Wirklichkeit


Jahr: 1983
Band: 5
Heft: 3

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Erika Fischer-Lichte
Kunst und Wirklichkeit. Zur semiotischen Rekonstruktion historischer Kunstbegriffe

Jan Mukarovský
Zum Problem der Funktionen in der Architektur

Kvetoslav Chvatík
Die ästhetische Einstellung

Diskussion
Heinz Paetzold
Semiotik und Ästhetik. Thesen zu ihrem Verhältnis

Wolfhart Henckmann
Semiotik oder Hermeneutik?

Jörg Zimmermann
Semiotik und Hermeneutik?

Rainer Piepmeier
Für eine semiotische Philosophie der Kunst

Dietfried Gerhardus
Semiotische Ästhetik als Reflexion künstlerischer Gegenstandskonstitution, künstlerischer Darstellungsverfahren und ästhetischer Erfahrung

Nelson Goodman
Semiotische Ästhetik und pragmatischer Irrealismus

Einlage
Karl Riha
Wozu überhaupt Kunst?

Interview
Algirdas J. Greimas
im Gespräch mit Peter Stockinger Zur aktuellen Lage der semiotischen Forschung

Literaturbericht
Tadashi Hirai
Semiotik in Japan


Zur semiotischen Rekonstruktion historischer Kunstbegriffe

Erika Fischer-Lichte, Universität Frankfurt

Summary. The paper sketches the most important historical conceptions of art - the mimetical, the expressive the rhetorical and the cathartic - as well as their deficiencies. The question is discussed to what extent these deficiencies can be remedied by a semiotic reconstruction utilizing the approaches of J. Mukarovský, J. Lotman, and J. Kristeva and the symbol theories of A. Lorenzer and H. Lincke.

Zusammenfassung. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob und inwiefern eine semiotische Rekonstruktion historischer Kunstbegriffe in der Lage ist, einen Weg aus den Aporien zu finden und zu weisen, in die unterschiedliche historische Kunstbegriffe aufgrund ihres defizitären Charakters geführt haben. Nach einer kurzen Darstellung der wichtigsten dieser Begriffe - des mimetischen, des expressiven, des rhetorischen (oder ästhetizistischen) und des kathartischen Kunstbegriffs - wird zur Beantwortung dieser Frage auf die ästhetischen Theorien J. Mukarovskys, J. Lotmans, J. Kristevas sowie auf die Symboltheorien A. Lorenzers und H. Linckes rekurriert.

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Zum Problem der Funktionen in der Architektur

Jan Mukarovský, Prag

Summary. The author defines the function of an object with reference to its being repeatedly used by the members of a society for a certain purpose. He shows that reality is patterned by the hierarchy of functions valid in a given society and in this way explains how an object can be a sign referring to its own functions. Four horizons of function (the immediate, historical, societal, and individual) are distinguished for every object, and the aesthetic function is introduced as the dialectical negation of functionality per se; through it, an object becomes its own purpose. Architectural structures are contrasted with machines, characterized as polyfunctional, and differentiated according to their genre. In different historical periods different genres have become models for the others. While the aesthetic function plays a similar role in architecture as in the other arts, it never dominates the non-aesthetic functions here; otherwise a building would become a sculpture. This fact enables architecture to transmit the achievements of the arts to the everyday life of a society.

Zusammenfassung. Der Autor definiert die Funktion eines Gegenstandes mit Bezug auf dessen wiederholte Verwendung durch die Mitglieder einer Gemeinschaft zu einem bestimmten Zweck. Er zeigt, daß die Wirklichkeit durch die in einer Gemeinschaft gültige Funktionshierarchie geprägt wird, und erklärt dadurch die Tatsache, daß ein Gegenstand als Zeichen auf seine eigenen Funktionen verweisen kann. Für jeden Gegenstand sind vier Funktionsebenen zu unterscheiden: die Ebene der aktuellen, historischen, gesellschaftlichen und individuellen Funktionen. Die ästhetische Funktion wird als dialektische Negation von Funktionalität schlechthin eingeführt, sie macht einen Gegenstand zum Selbstzweck. Architektonische Gebilde werden im Gegensatz zu Maschinen auf allen Ebenen als polyfunktional gekennzeichnet und gattungsmäßig differenziert. In verschiedenen historischen Epochen haben verschiedene Gebäudegattungen den Charakter von Modellen für die anderen Gattungen angenommen. Die ästhetische Funktion spielt in der Architektur eine ähnliche Rolle wie in den anderen Künsten; doch ist sie hier gegenüber den nichtästhetischen Funktionen niemals dominant, sonst würde das Gebäude zur Skulptur. Dieser Umstand macht die Architektur zum Vermittler zwischen dem Alltagsleben und den Errungenschaften der Künste.

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Die ästhetische Einstellung

Kvetoslav Chvatík, Universität Konstanz

Summary. The author demonstrates that Jan Mukarovský's classification of sign functions is based on inadequate criteria, and he presents an alternative typology for the possible fundamental attitudes of man towards the world. The practical, theoretical, magical-religious, productive-aesthetic, and receptive-aesthetic attitudes are characterized, and this approach is confronted with other current conceptions of aesthetics. The realm of meaning constituted by the aesthetic attitude is described as form-oriented, integrative and holistic. The author investigates the role aesthetic codes and contexts play when a recipient with an aesthetic attitude constructs the specific meaning of a work of art.

Zusammenfassung. Der Autor weist nach, daß die Klassifikation der Zeichenfunktionen durch Jan Mukarovský auf unzureichenden Kriterien beruht, und setzt an ihre Stelle eine Typologie der Grundeinstellungen des Menschen gegenüber der Welt. Die praktische, theoretische, magisch-religiöse, produktiv-ästhetische und rezeptiv-ästhetische Einstellung werden charakterisiert. Dieser Ansatz wird anderen gängigen Konzeptionen der Ästhetik gegenübergestellt. Der Sinnbereich, der sich in der ästhetischen Einstellung konstituiert, wird gekennzeichnet als gestaltbezogen, integrativ und ganzheitlich. Abschließend wird die Rolle der künstlerischen Kodes und der Kontexte untersucht, in denen ein Rezipient mit ästhetischer Einstellung sich den spezifischen Sinn eines Kunstwerks erschließt.

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