direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Hinweis-Charakter und Mittler-Funktionen von Verhalten

Dietmar Todt, Freie Universität Berlin

Erwin Bünning zum 80. Geburtstag gewidmet

Summary. The author gives a survey of basic concepts in ethology and their use in present day discussions, with particular reference to biocommunication. Two types of questions concerning animal behavior are distinguished: questions about mechanisms (proximate determinants) and questions about functions (ultimate determinants). The methodological implications of these questions are analyzed with respect to the tenets of systems theory and the theory of evolution. It is emphasized that biological investigations, in contrast to the established patterns of research in human communication, combine research in the dynamics of interaction (behavioral roles and strategies) with a developmental approach (onto- and phylogenetic adaptation, goal orientedness, economy, optimal functioning). In this framework, a new component (ARE = aftect-related expectation) is presented. The author concludes that the basis for the cultural evolution was provided by the biological evolution, which created increasingly differentiated representations of the environment within the individual organisms.

Zusammenfassung. Der Beitrag gibt eine Übersicht über grundlegende und aktuelle Konzepte der Verhaltensbiologie, unter besonderer Berücksichtigung von Aspekten der Biokommunikation. Dabei behandelt er zunächst Fragen des methodischen Vorgehens, dessen Abhängigkeit von den Grundannahmen der Evolutionstheorie und der Systemtheorie sowie den Zusammenhang zwischen Verhaltensmechanismen und Verhaltensfunktionen. Bei der Erörterung kommunikativer Prozesse wird eine Abgrenzung zur ausschließlich auf Menschen bezogenen Kommunikationsforschung vorgenommen und die typisch biologische Problemstellung herausgestellt. Diese schließt den Entwicklungsaspekt (funktionsbezogene Anpassung, Zielgerichtetheit, funktionelle Optima) und Regeln der Interaktionsdynamik (Ausbildung von Verhaltensstrategien, Verhaltensrollen) ein. In Verbindung damit wird eine neue Komponente (ARE = affekt-relevante Erwartung) beschrieben. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß die biologische Evolution durch zunehmend differenzierter werdende Repräsentation der Umwelt im einzelnen Individuum die entscheidende Grundlage für die spätere kulturelle Evolution gelegt hat.

Nach oben

Signal matching: Zeichenbildung durch mustergleiches Antworten

Henrike Hultsch, Dietmar Todt, Freie Universität Berlin

Summary. The authors analyze dyadic interactions, called "signal matching", where system B responds to a signal of system A with a similar signal (same-type signal) of its own repertoire. Signal matching (or pattern matching) is distinguished from parameter matching (or channel matching = tuning of particular signal parameters like tempo, pitch, volume, etc.). The prerequisites for the performance of matching interactions (such as signal-repertoire sharing) are specified and a survey of their functions is given (e.g., specifying an addressee, affirming or countering a message, giving profile to the actor's role, soliciting role change, signalling a dyadic alliance against a third party). Signals applied during matching interactions differ in signification from their application as solitary signals: The sign character of the response pattern is determined by its specific relationship to the directly preceding pattern. The social relationship between the interactants and the communicative context play a role here.

Zusammenfassung. Der Artikel analysiert eine zumeist dyadisch auftretende Interaktionsform, bei der ein System B einem System A auf dessen Signalmuster selektiv mit einem Muster gleichen Typs antwortet. Sie heißt "Signalmuster-Matching" und wird vom eher graduellen und längerfristig ausgebildeten "Parameter-Matching" (Angleichungen im Zeitmaß, in Lautstärken, Tonhöhen, etc.) unterschieden. Nach der Beschreibung zentraler Grundlagen von Matching-Interaktionen (Repertoire-Übereinstimmungen, etc.) werden deren verschiedene Funktionen behandelt (Bezeichnungen eines Adressaten, Kontern oder Bestätigen einer Mitteilung, Profilierung der Aktorrolle, Aufforderung zu einem Rollenwechsel oder aber dyadische Solidarisierung gegenüber Dritten). Die im Matching eingesetzten Muster haben einzeln eine andere Bedeutung als in der kommunikativen Paarung; das Antwortmuster gewinnt seinen funktionellen Wert (Zeichen-Charakter) erst durch den spezifischen Bezug zum jeweiligen Vormuster, wobei allerdings auch die Rollenbeziehung zwischen den Kontrahenten und der kommunikative Kontext berücksichtigt werden.

Nach oben

Aspekte der phylogenetischen Entwicklung von Lautmusterstrukturen bei Wirbeltieren

Philipp Goedeking, Freie Universität Berlin

Summary. It is hypothesized that vocal signals in birds and mammals developed on the basis of epiphenomena of breathing noises occurring during affective interactions. Acoustic properties of vocal signals are assumed to be adaptations to the properties of the habitat (melotope) of the species concerned. In conclusion, the vocal signals of animals can be said to be non-arbitrary with respect to their emotional state and their environment.

Zusammenfassung. Es wird dargelegt, daß Lauterzeugungen in den Atemwegen sehr wahrscheinlich als Epiphänomene von Atemgeräuschen in stark affektbehafteten Situationen entstanden sind. Akustische Eigenschaften der jeweiligen Biotope werden auf ihre phylogenetische Relevanz für die Ausbildung bestimmter Lauteigenschaften hin betrachtet. Zusammen mit ebenfalls auf den phonatorischen Prozeß einwirkenden emotionalen Variablen stellen sich tierliche Lautäußerungen somit in weiten Grenzen als nicht-arbiträr dar.

Nach oben

Zeichenvermitteltes Verhalten bei Spinnen

Joachim Schult, Zoologisches Institut der Universität Hamburg

Summary. Spiders use signs to coordinate their mating and predatory behavior. The sign carrier typical of these animals is the web, which transmits differentiated vibratory signs and may in many respects be compared with a telephone network. When the web ist not available, chemical, visual, acoustic, and tactile signs are employed. In the preparation of mating, these signs assume the functions of distinguishing heterosexual members of the same species from those of other species, of identifying their location, and of mitigating the tendency towards aggression and cannibalism. The sign types used are primarily identifiers; however, signals, symbols, icons, and indices also occur.

Zusammenfassung. Zeichenvermitteltes Verhalten dient bei Spinnen vor allem der gegenseitigen Koordination bei der Fortpflanzung, aber auch bei der Jagd. Der für diese Tiere typische Zeichenträger ist das Netz, das differenzierte Schwingungszeichen überträgt und in vieler Hinsicht mit einem Telephonnetz verglichen werden kann. Chemische, visuelle, akustische und taktile Zeichen werden benutzt, wo dieses Instrument nicht zur Verfügung steht. Bei der Vorbereitung der Fortpflanzung haben Zeichen die Funktion, andersgeschlechtliche Artgenossen von den Mitgliedern anderer Arten zu unterscheiden, ihren Aufenthaltsort zu identifizieren und die Aggressivität des Partners herabzusetzen. Als Zeichensorten werden dafür in erster Linie Identifikatoren, daneben aber auch Signale, Symbole, Ikons und Indizes
eingesetzt.

Nach oben

Einlage: Jagdsignale als Zeichensystem

Vladimir Karbusicky, Universität Hamburg

Summary. The article documents and comments upon a booklet of hunting signals used in Bohemia during the 19th Century.

Zusammenfassung. Der Beitrag dokumentiert und kommentiert ein Taschenbuch der Jagdsignale, das im 19. Jahrhundert in Böhmen in Gebrauch war.

Nach oben

Literaturbericht: Geschlechtsunterschiede im kommunikativen Verhalten der Menschen

Diane McGuiness, Stanford University

Summary. The author begins by discussing the opposition between nature and nurture as viewed from the positions of cultural determinism, biological determinism, and interactionism. She follows S. Scarr in taking the learnability of a given behavior as a criterion for its position on the continuum between genetic endowment and environmental influence. On the basis of recent research, it is argued that sensory and motor biases exist from birth in males and females and that they determine subsequent skills in handling cognitive tasks, which in turn influence the organization of human social systems, including the use of language and writing in communication.

Zusammenfassung. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Kulturdeterminismus, dem biologischen Determinismus und dem Interaktionismus als modernen Erscheinungsformen der Gegenüberstellung von Anlage und Umwelt schlägt die Verfasserin in Anlehnung an S. Scarr vor, die Leichtigkeit des Erlernens und Verlernens einer Verhaltensweise zum Kriterium für ihre Position auf der Skala zwischen völliger Angeborenheit und völliger Umweltabhängigkeit zu machen. Auf der Grundlage neuerer Forschungsergebnisse vertritt sie die These, daß beim Menschen von Geburt an geschlechtsspezifische sensorische und motorische Unterschiede bestehen, welche die Ausbildung unterschiedlicher kognitiver Fähigkeiten bestimmen, die ihrerseits Auswirkungen auf die Organisation der menschlichen Gesellschaften haben. Abschließend wird die geschlechtsspezifische Verwendung von Sprache und Schrift in der Kommunikation charakterisiert.

Nach oben

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe