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TU Berlin

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Einzeldinge als Amtsinhaber. Die Überlegungen von Brentano, Meinong, Frege und Russell zu einer transparenten intensionalen Semantik

Pavel Tich?, University of Otago

Summary. Ever since Frege it has been widely agreed that adequate semantic analysis of language is impossible without positing, aside from extensional objects like individuals and classes of individuals, also abstract objects which contingently determine or pick out extensional objects, without being identical with them. Call these abstract objects A-objects for short. According to Frege, linguistic expressions are meaningful by virtue of being associated with A-objects (senses). Yet on Frege's theory, expressions name the A-objects associated with them only in special contexts; normally they name what the A-objects pick out. On this view, one of two desiderata has to be given up: the univocality of those expressions (Frege) or the principle of functionality (Montague and many others). The aim of the present article is to provide a philosophical justification of the concept of A-object and to trace the genesis of the concept in recent history of philosophy. It is argued that, on the hypothesis that even in ordinary contexts A-objects often serve as objects of reference, both the aforementioned desiderata can be implemented. The logic suggested by this point of view is intensional only in the sense of entertaining A-objects; it is fully transparent in the sense of tolerating no deviations from the principle of functionality. It also turns out that the Fregean cleavage of meaning into sense and reference (Bedeutung) can be dispensed with.

Zusammenfassung. Seit Frege ist man sich weithin darin einig, daß adäquate semantische Sprachanalyse nur möglich ist, wenn man zusätzlich zu extensionalen Objekten wie Individuen und Mengen von Individuen auch abstrakte Objekte zugrundelegt, die kontingenterweise extensionale Objekte bestimmen oder auswählen, ohne mit ihnen identisch zu sein. Diese abstrakten Objekte seien kurz A-Objekte genannt. Nach Frege sind sprachliche Ausdrücke sinnvoll, weil sie mit A-Objekten (Sinnen) assoziiert sind. Aber nach Freges Theorie bezeichnen die Ausdrücke die mit ihnen assoziierten A-Objekte nur in besonderen Kontexten; normalerweise bezeichnen sie das, was die A-Objekte auswählen. Nach dieser Ansicht muß eins von zwei Desideraten aufgegeben werden: die Eindeutigkeit der Ausdrücke (so Frege) oder das Funktionalitätsprinzip (so Montague und viele andere). Der vorliegende Aufsatz hat zum Ziel, den Begriff des A-Objekts philosophisch zu begründen und die Entstehung dieses Begriffs in der neueren Philosophie nachzuzeichnen. Es wird begründet, daß unter der Hypothese, daß A-Objekte sogar in Normalkontexten oft als Referenzobjekte dienen, beide erwähnten Desiderate erfüllt werden können. Die Logik, die sich unter diesem Gesichtspunkt empfiehlt, ist intensional nur in dem Sinn, daß sie A-Objekte benutzt; sie ist vollkommen transparent in dem Sinn, daß sie keine Abweichungen vom Funktionalitätsprinzip erlaubt. Es stellt sich ebenfalls heraus, daß die Fregesche Aufspaltung von Inhalt in Sinn und Bedeutung (Referenz) aufgegeben werden kann.

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Fiktion: Frege vs. Meinong

Terence Parsons, University of California at Irvine

Summary. A Fregean theory of fictional objects is outlined, according to which they are individual concepts. A minor problem and some complications are discussed, this leads to some elaboration of the outline given. Against this Fregean theory four objections are presented, which, taken together, show that this theory is implausible. Then a Meinongian theory is sketched, which escapes at least three of these objections.

Zusammenfassung. Es wird eine Theorie fiktionaler Objekte im Sinne Freges skizziert, wonach diese Objekte Individuenbegriffe sind. Ein kleineres Problem und einige Komplikationen werden diskutiert, die zu einer etwas genaueren Fassung der Theorie veranlassen. Danach werden vier Einwände gegen diese Theorie formuliert, die zusammen genommen die Theorie unplausibel machen. Die Skizze einer Theorie fiktionaler Objekte im Sinne Meinongs schließt sich an. Wie sich zeigt, entgeht diese Theorie wenigstens drei der vier formulierten Einwände.

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"Sachen gibt's, die gibt's gar nicht" Sprachanalytische Bemerkungen zur Wiederentdeckung von Meinongs Jenseits durch T. Parsons

Gottfried Gabriel, Universität Konstanz

Summary. This article scrutinizes some of T. Parsons' arguments in favor of assuming Meinongian fictional objects (see, among others, his article in the present issue). Parsons justifies his Meinongian approach by showing with respect to carefully chosen example sentences that the special paraphrases commonly used in order to circumvent the assumption of non-existent objects are not always adequate. In particular, he explores a Fregean approach that amounts to conceiving of fictional objects as intensional objects and rejects it. The present author reanalyzes Parsons' examples on the basis of Frege's original distinctions. He shows that an adequate account of fictional objects requires neither their interpretation as intensional objects nor the assumption of non-existent objects.

Zusammenfassung. Das Folgende ist eine Auseinandersetzung mit einigen Argumenten, die Terence Parsons zugunsten der Anerkennung fiktiver Gegenstände (im Sinne Meinongs) vorgetragen hat (vgl. u.a. seinen Aufsatz im vorliegenden Heft). Parsons versucht an ausgewählten Beispielsätzen zu zeigen, daß die üblichen Paraphrasen mit dem Ziel, die Anerkennung nicht-existierender Gegenstände zu vermeiden, nicht immer gelingen. Des weiteren untersucht Parsons als mögliche Alternative zu seinem eigenen Meinongschen Ansatz einen Fregeschen Ansatz, der darauf hinausläuft, fiktive Gegenstände als intensionale Gegenstände aufzufassen. Auch diese Alternative wird von ihm als unzureichend verworfen. Entgegen den Überlegungen von Parsons wird hier versucht, aufgrund einer eingehenden Analyse der Parsonschen Beispielsätze eine adäquate Paraphrase dieser Sätze vorzulegen, die unter Verwendung Fregescher Unterscheidungen ohne die Anerkennung fiktiver Gegenstände (im Sinne Meinongs) auskommt und darüberhinaus sogar vermeidet, die Fregeschen Sinngebilde als intensionale Gegenstände aufzufassen. Im Ergebnis bedeutet dies, daß die von Parsons als unvermeidlich angesehenen ontologischen Zugeständnisse (hinsichtlich nicht-existierender Gegenstände) tatsächlich vermeidbar sind und daß die Theorie des Fiktiven ohne diese Zugeständnisse auskommt.

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Erzählung als Taufe des Helden. Wie man auf fiktionale Objekte Bezug nimmt

Edward N. Zalta, Stanford University

Summary. In this paper, the author replies to a question raised about theories of non-existent objects. The question concerns the way names of fictional characters, when analyzed as names which denote non-existent objects, acquire their denotations. Since non-existent objects cannot causally interact with existent objects, it is thought that we cannot appeal to the causal/historical explanation of reference and trace the causal chain of reference back to a "dubbing" or a "baptism." The question is, therefore, what is the starting point of the chain? The answer is that storytellings are to be thought of as extended baptisms, and the details of this response receive attention in the paper. Once the storytelling is complete, and the characters have been baptized, a priori metaphysical principles linking the storytelling with the realm of non-existent objects provide the referential, non-causal connection between the names used in the storytelling and the objects denoted by such names.

Zusammenfassung. Der Autor beantwortet in diesem Aufsatz eine Frage, die zu den gängigen Theorien nicht-existierender Gegenstände gestellt worden ist. Die Frage betrifft die Art und Weise, wie die Namen fiktionaler Figuren ihre Denotationen erhalten, wenn sie als Namen analysiert werden, die nicht-existierende Gegenstände denotieren. Weil nicht-existierende Gegenstände mit existierenden Gegenständen nicht in kausaler Wechselwirkung stehen können, wird angenommen, daß man die kausale oder historische Theorie der Referenz hier nicht benutzen kann und damit auch die Kausalkette nicht bis hin zu einer ersten "Benennung" oder "Taufe" zurückverfolgen kann. Die Frage ist deshalb: Womit fängt die Kette an? Die Antwort: Geschichten-Erzählen ist als eine sich lang hinziehende Taufe aufzufassen. Den Einzelheiten dieses Vorschlags wird in diesem Aufsatz nachgegangen. Ist die Geschichte einmal erzählt und sind die Personen getauft, sorgen apriorische metaphysische Prinzipien, die das Geschichten-Erzählen mit dem Bereich der nicht-existierenden Gegenstände verknüpfen, für die referentielle, nicht-kausale Verbindung zwischen den beim Geschichten-Erzählen verwendeten Namen und den von den Namen denotierten Gegenständen.

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Semantik der Prädikation ohne Abstraktion

Karel Lambert, University of California at Irvine

Summary. This paper is in four parts. In Part 1 the logical principle of abstraction is presupposed, and the principle of predication is explained; it is proved that the principle of predication is not extensional in that it does not imply that coextensive predicates can be substituted for one another without change in the truth-value of the sentence concerned. Part 2 offers an informal argument against the principle of abstraction. Part 3 develops a formal semantics in which abstraction fails. In Part 4 the principle of predication is reconsidered and it is shown that, on the basis gained in Part 3, it is extensional.

Zusammenfassung. Dieser Aufsatz hat vier Teile. In Teil 1 wird das logische Prinzip der Abstraktion vorausgesetzt und das Prinzip der Prädikation erläutert; es wird nachgewiesen, daß das Prinzip der Prädikation nicht-extensional ist, da es zuläßt, daß der Wahrheitswert eines Satzes sich ändert, wenn koextensionale Prädikate in ihm gegeneinander ausgetauscht werden. Teil 2 zeigt aufgrund informeller Argumentation, daß das Prinzip der Abstraktion falsch ist. Teil 3 entwickelt eine formale Semantik, die ohne dieses Prinzip auskommt. Teil 4 untersucht erneut das Prinzip der Prädikation und beweist, daß es auf der in Teil 3 geschaffenen Grundlage extensional ist.

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Fiktion ohne Fiktionen. Nelson Goodmans Beitrag zur Aktualität "nicht-existenter" und "fiktionaler" Objekte

Jens F. Ihwe, Universiteit van Amsterdam

Summary. The article shows the ways in which Nelson Goodman's account of the theory of symbols is able to clarify and eliminate the paradoxes of fiction that plague modern philosophers of language and theorists of literature. Goodman's account bases on a completely different view of the epistemological and logical status of fiction. Fiction and nonfiction both participate in the making of actual worlds. The main requisite of this reanalysis is Goodman's expansion of the notion of reference. The article incorporates an outline of the strategy of this expansion.

Zusammenfassung. Der Aufsatz zeigt, wie die Paradoxien der Fiktion, die in der modernen Sprachphilosophie und Literaturtheorie entstanden sind, in der Symboltheorie Nelson Goodmans aufgelöst werden können. Für Goodman kommt es zu keiner Paradoxie, da er der Fiktion einen grundsätzlich anderen erkenntnistheoretischen und logischen Status zuerkennt. Fiktion wie Nicht-Fiktion sind für ihn gleichermaßen an der Schaffung wirklicher Welten beteiligt. Voraussetzung dafür ist seine Erweiterung des Referenzbegriffs, die der Aufsatz in den Grundzügen skizziert.

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Wissenschaft, Mythos, Fiktion: Sie alle überschreiten die Grenzen des Wirklichen und manchmal gar die des Möglichen

Richard Sylvan, geb. Routley, Bungendore, Australien

Summary. Sistology, the general investigation of all items, unlike ontology, assigns non-existent and impossible objects standing. How this is accomplished logically is outlined; resulting advantages for linguistics, language and literature are indicated. The theory is applied to a comparison of science with fiction. Science and fiction do not differ essentially in syntactical ways, and overlap significantly in content. What emerges from this comparison is that science and fiction form merging families, with deductive closure and qualified confrontation with experience affording main separation features. What remains of the gap between science and fiction is bridged by myth, two styles of which are roughly delineated, anthropic myths and naturalistic myths. The latter merge with failed science. The resemblances are exploited in offering new accounts of scientific theories and scientific explanation. A scientific theory is a story which meets reality requirements. Scientific explanation also fits the story setting. The account accommodates what is crucial in much explanation, explanation of what exists by way of what does not exist. Science is integrally involved not merely with what does not exist, but also with what is impossible. The role of inconsistent theories and other inconsistent objects is indicated.

Zusammenfassung. Die Sistologie, die allgemeine Untersuchung aller Gegenstände, handelt im Gegensatz zur Ontologie auch von nicht-existierenden und unmöglichen Objekten. Es wird skizziert, wie sich das logisch erreichen läßt; die sich ergebenden Vorteile für Linguistik, Sprache und Literatur werden angedeutet. Die Theorie wird für einen Vergleich von Wissenschaft und Fiktion benutzt. Wissenschaft und Fiktion unterscheiden sich syntaktisch nicht wesentlich voneinander, inhaltlich gibt es bedeutsame Überlappungen. Wie sich herausstellt, bilden Wissenschaft und Fiktion ineinander übergehende Familien, bei denen die trennenden Merkmale hauptsächlich in der deduktiven Abgeschlossenheit und in der qualifizierten Konfrontierbarkeit mit der Erfahrung bestehen. Der Rest der Kluft zwischen Wissenschaft und Fiktion wird vom Mythos überbrückt. Zwei Stile des Mythos werden grob skizziert: anthropozentrische und naturalistische Mythen. Die letzteren haben denselben Status wie überholte und verworfene wissenschaftliche Theorien. Die bestehenden Ähnlichkeiten werden für eine neue Darstellung von wissenschaftlicher Theorienbildung und wissenschaftlicher Erklärung ausgenutzt. Eine wissenschaftliche Theorie ist eine Geschichte, die Wirklichkeitsbedingungen erfüllt. Auch die wissenschaftliche Erklärung paßt in den Rahmen, der mit dem Begriff der Geschichte gegeben ist. Die Darstellung erfaßt, was für viele Erklärungen zentral ist: Erklärung des Existierenden mit Hilfe von Nicht-Existierendem. Die Wissenschaft befaßt sich ihrem Wesen nach nicht nur mit dem Nicht-Existierenden, sondern auch mit dem Unmöglichen. In diesem Zusammenhang erhalten auch widersprüchliche Theorien und andere widersprüchliche Objekte ihre Rolle.

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Zwischen Fiktion und Realität: das Phantom

Klaus Bartels, Universität Hamburg

Summary. The author analyzes the presentation of non-existent entities in the news media and argues that their adequate description requires the introduction of the category of the phantom in addition to the categories of reality and fiction. He examines the technologies of information storage in literate societies and shows that in cultures patterned by the production of manuscripts and books remembering takes the form of "artificial memory", which is based on specific hallucinatory techniques. Phantoms came into being when "artificial memory" was combined with electric technologies for the storage of information in the early 20th century.

Zusammenfassung. Der Aufsatz stellt die Frage, ob es sinnvoll ist, zusätzlich zu den Kategorien des "Realen" und des "Fiktiven" die Kategorie des "Phantomatischen" einzuführen. Die Analyse der Manuskript- und der Buchdruckkultur zeigt, daß lese- und schreibkundige Gesellschaften in der Technik der Gedächtnisspeicherung auf spezifische halluzinatorische Merkformen zurückgreifen. Diese traditionellen "artificial memories" verbinden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit elektrischen Techniken der Gedächtnisspeicherung zum Phantomatischen.

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